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Jeschurun · 1886-11-18 · Heft 46 (18.11.1886) · p. 730

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 46 (18.11.1886)
Article
Jüdische Briefe aus und über Rußland
Date
1886-11-18
Page
730 (sequence 2)
Language
German
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4 730 hierländischen Gesetzestreuen etwas zu unternehmen. Flugs ist der gestern Verhöhnte heute der Größte und Weiteste, den sie in den Himmel erheben, dessen Weisheit und Einsicht sie verherrlichen. Hat sich doch — von anderen näher liegenden Beispielen abgesehen — um diese wenig rühmenöwerthe Weise der Reformer zu illustnren, der Schriftsteller Lilienblum aus Odessa, welcher in seinen Schriften sogar den göttlichen Ursprung der Thora leugnet, nicht entblödet, wo es ihm in seinen Kram paßte, anscheinend ganz ernsthaft nicht nur Bibel und Talmud, sondern auch Midraschim, ja selbst R. Hirsch Kalischer als Autorität für sich zu gebrauchen, was die Herren aber nicht im Mindesten genirt, morgen wiederum ״gegen Gott und Seinen Gesalbten" zu Felde zu ziehen. Alles unter der henchlerischcn MaSke der Liebe znm Judenthum, zum Heile Israels! DaS ist das traurige, Unheil bringende Wirrsal in unserem Lande. Die Feinde des Indenthums, die es mißachten und verspotten, umgeben sich mit der Tugendhülle, treten unter der Larve der Orthodoxie auf. Sie beherrschen die Presse. Sic verherrlichen sich dort fortwährend und spielen sich als.die Vertreter ihres Volkes, als die Förderer für Wohlfahrt auf. Alle Mittel sind ihnen recht, Alles muß ihren Zwecken dienstbar gemacht werden. Sie scheuen keine Demmziation, achten weder die Lebenden noch die Dahingeschiedenen, und wissen dabei immer die Miene des Frommen und Tugendhaften zu bewahren. So ist es denn auch in Wirklichkeit ihnen gelungen, die schlichte Einfalt vieler Gesetzestreuen zu berücken, welche ihrer Gleißuerci glauben und bei allen Wahlen für sie stimmen, so daß sie nunmehr in der That eine dominirende Stellung einnehmen und bei den maßgebenden Organen als die eigentlichen Vertreter der gesammten russischen Iudcnhcit gelten. _ _ (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen und Mchrichlcu. Deutschland. -&■ Hannover, 17. November. Im Hinblicke aus die bevorstehende Wiedererössnung des Reichstages sei darauf hingewicsen, daß es der Erneuerung der zahlreichen Petitionen bedarf, welche von Gemeinden und Privaten in voriger Session eingebracht worden sind und die Bitte um Ablehnung des von thierschutzvcreinlicher Seite gestellten Antrags auf Verbot der jüdischen Schlachtweise enthielten. ES muß angcnommen werden, daß die Petition der Thierschutzvereine in der neuen Session erneuert werden wird, deshalb müssen die derselben entgegenwirkenden Gesuche ebenfalls erneuert werden. Die während einer frühern Session eingcgangenen Petitionen bleiben in einer spätern unberücksichtigt. Man möge deshalb nicht versäumen, rechtzeitig auf eine Wiederholung des Petitums von Seiten der israelitischen Gemeinden bedacht zu sein. XX Gietzen, 15. November. Es ist hier die Gründung einer orthodoxen Gemeinde im Entstehen. Viele Mitglieder der bisherigen Synagogengemeinde haben ihren Austritt aus derselben bereits dem Gerichte angezeigt, um sich der neuen orthodoxen anzuschließen. * Rcgensburg. Aus Weitlingen, bei Dinkelsbühl, 13. Oktober 1886, hat die Redaktion der ״Laubhütte" folgende Zuschrift erhalten, welche in mancher Hinsicht nicht uninteressant ist. ״Geehrter Herr! Gestatten Sie mir die Freiheit, Ihnen die Abschrift eines Briefes mitzutheilen, den ich dieser Tage an Herrn Vorsänger Krämer in Mönchsroth abgehcn ließ. Ich bitte, denselben einer wohlwollenden Beurtheilung zu unterziehen. Sie würden mir eine große Freude bereiten, wenn Sie cS über sich gewinnen könnten, mir Ihre Ansicht über die in dem Briefe enthaltenen Wünsche und Hofsnnngen kund zu thun. Ich würde schon befriedigt sein, wenn Sie meinen Brief einer Besprechung in einer jüdischen Zeitschrift unterziehen und mich dann ans das betreffende Blatt derselben ansincrksiun machen möchten. Vielleicht wird mir noch das Vergnügen zu Thcil, Sie persönlich kennen zu lernen. Hochachtungsvoll Ihr ergebener W. Ulnier, Senior und emcrirt. Pfarrer." Der an Herrn Krämer gerichtete Brief lautet: ״Weiltingen, 12. Oktober 1885. Geehrter, lieber Herr Krämer! Ich habe gestern mit großer Freude vernommen,, daß Sic das bayr. Jndigenat erlangt haben. Schön war es nicht, daß Sie dasselbe nicht in Mönchsroth erlangten, sondern auswärts suchen mußten. Aber da hat sich wieder das treue Zusammenhalten Ihrer Glaubensgenossen bewährt. Ich möchte Sie um keinen Preis dieser Gemeinschaft entziehen. Sie bezweifeln das vielleicht, aber ich rede die Wahrheit. Sie werden sagen: Warum kommst Du dann doch an mich? Du willst mich am .Ende, doch zum Christen machen! Ich antworte: Ja, aber so, daß Sie auch zugleich Jude, ganzer Jude bleiben. Aber wie ist das möglich? Nun, dies Räthscl hat Nabinowitsch gelöst. Er ist Jude geblieben und schon viele mit ihm in Kischenew; er hält den Sabbath, feiert seinen Gottesdienst in hebräischer Sprache, ist stolz ans die Beschneidung; aber er glaubt, daß in Jesus von Nazareth der ersehnte Maschiach erschienen, daß er der Ics. 53 vorauögeschilderte ״Ebed" rft, daß sein Verhältniß zu Gott ein einzigartiges ist, ebne Inkarnation des Gottes, der m der Feuer- und

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