Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 46 (18.11.1886)
- Article
- Das Organ des Breslauerthums
- Date
- 1886-11-18
- Page
- 725 (sequence 3)
- Language
- German
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725 Es ist das hier Angeführte nur eine kleine Blumenlese der Rahmer'schen Liebenswürdigkeiten! Begnügen wir uns damit und freuen uns mit dem Gedanken, daß selbst in dem Gehirn eines Nahmer der Gedanke zu dämmern beginnt, daß die Rabbinerherrlichkeit der Reform-Gemeinden auf schwachen Füßen steht. Rufen wir unsererseits den wahren Bekenner» des Jndenthums die Ermahnung des Propheten zu לא תאמרון קשר לכל אשר תאמר העם הזה קשר und möge die Zeit bald kommen, in der die Hirten, von denen "ירמי im 23. Kapitel redet, vom Schauplatz verschwinden, die Hirten, die derselbe mit den Worten kennzeichnet: .,sie sprechen immerfort zu den mich Erzürnenden, Gott sagt: Friede wird euch sein, und zu jedem, der nach dem Willen seines eigenen Herzens geht, kein BöseS wird über euch kommen." Mögen solche Hirten vielmehr an die Spitze Israels treten, von denen es heißt: והקימתי עליכם רעים כלבי ורעו אתכם דעה והשכל נאם הי. A!rs dm GcheiWchill der Urfonn. Diskrete Mittheilungen, veröffentlicht von Zofnalh Paneach. III. (Ueberschrift: Wider Ibrahim und Mulhold.) Die gute Absicht, welche die Beiden bewegt, soll nicht verkannt werden. Sie befinden sich ja auch Beide auf dem Boden der Wahrheit, d. i. der Uebereinstimmung mit der Wirklichkeit. Unter Wirklichkeit verstehe ich die Stellung, welche wir zu dem Judenthum einnehmen. Ich würde Ibrahim beipstichten, wenn wir mit positiver Bestimmtheit darauf rechnen könnten, erstens, daß die Majorität des Volkes bereits eine solch hohe Entwickelung erreicht hätte, um für die Abschüttelung des Joches der Gesetze stark genug zu sein. Ich würde Mulhold zustimmen, wenn wir annehmen könnten, daß das Volk so glaubensselig und einfältig wäre, der Autorität des Einzelnen, der in der Gemeinde des Nabbineramts waltet, blindlings zu vertrauen und sich von ihm nach und nach aus dem Ritnalgesctze hinausgängeln zu lassen. Da aber weder das Eine noch das Andere der Fall ist, so sind Beider Ansichten unpraktikabel. Es mag zugestanden werden, daß in einzelnen Verhältnissen, wo die Umstände zufällig günstig liegen, sowohl der Ibrahim'sche Gedanke wie der Mnlhold'sche Vorschlag verwirklicht werden könne. Ich weise z. V. auf einen in meiner Nähe befindlichen Sprengel hin, in welchem auf Betreiben des Nabbinen des nicht allzu großen Landes mit einer mäßigen jüdischen Bevölkerung allerdings ganz im Sinne Ibrahims die Gewerbe-KonzcssionSertheilung an Israeliten von dem Nachweise der Unterwerfung unter die neuerdings eingeführte ziemlich radikale Synagogenordnung abhängig gemacht wird. Andererseits wirkt ebenfalls in meiner Nähe ein Kollege in sehr geschickter und ersprießlicher Weise nach dem Mulhold'schen Rezepte durch Paßkenon. Das sind aber ganz entschieden Ausnahmen, die keineswcgS als Norm gelten können. Wir würden unsere Sache durchaus diskreditircn, wollten wir das eine oder andere Experiment im Allgemeinen anempfehlen. Mein Vorschlag geht deshalb dahin, sorgfältig Alles zu vermeiden, was zu einer Verdächtigung unserer laut und feierlich proklamieren glanbenStreucn Gesinnung führen könnte. Und ferner: alle Schritte zu einer Reform des Judenthums, welche für uuS ja uichtS Anderes sagen will, als Beseitigung dcS so lästigen Zeremoniatgesetzes, müssen von der Autorität dcS gcsammten deutschen Nabbinats getragen werden. Darum dürfte das Folgende wohl die günstigste Lösung der uns selbst gestellten Aufgabe am sichersten und besten verbürgen. Ich bin im Begriffe, den Kollegen zwei sehr fruchtbare Ideen mitzutheilen, welche daS Produkt meines unablässigen eifrigen Nachdenkens und bei mir schon derartig zur Reife gediehen sind, daß ich, falls sie den Beifall der geehrten Amtsbrüder, wie ich nicht zweifle, erlangen werden, unverzüglich in die ganz speziellen Einzelheiten deS inodus proccdcndi eingehen könnte. Die eine Idee ist: die Gründung einer jüdischtheologischen Fakultät, die andere ist die Veranstaltung eines ständigen Verbandes der ansgeklärtcn Nabbinen Deutschlands, welcher durch alljährlich zu veranstaltende Nabbinerversannnlungen eine imponirende autoritative Stellung für ganz Israel nicht nur, sondern auch für Negierung und Staat überhaupt sich unschwer und in aller Bälde erobern würde. Mit der Fakultät schaffen wir eine neue jüdische Theologie, mit dem Rabbmerverband einen mächtigen jüdischen Episkopat. Ich kann mir wohl denken, daß die Größe dieser Ideen, welche sich harmonisch gegenseitig tragen und ergänzen, vielen werthen Amtsbrüdern mächtig imponiren wird. Gar Mancher wird von der glanzvollen Perspektive, welche diese Ideen eröffnen, mächtig ergriffen, seufzend ausrusen: Bruder, du zeigst uns eine Herrlichkeit, der wir uns aber nie werden erfreuen können. — Beruhige dich, theurcr Bruder, wenn ich mit einem Gedanken vor die Korona der Genossen trete, dann habe ich ihn nach allen Seiten ausgesponneu, dann habe ich alle Schwierigkeiten und Hindernisse reiflich erwogen, dann habe ich auch den Modus der Ausführung zur Hand. Vertraue mir, ich kenne Verhältnisse und Personen. Unterstütze mich durch deren