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Jeschurun · 1886-11-11 · Heft 45 (11.11.1886) · p. 713

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 45 (11.11.1886)
Article
Der internationale Antisemiten-Kongreß in Bukarest
Date
1886-11-11
Page
713 (sequence 1)
Language
German
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M m. 713 Jeschurnn. )er jMNtiomlk AuMemiten- Ziikarest. I ^st׳ daß die Leiter des Kongresses sich an den Aus- LlurMlln schreitungen betheiligt und die Menge in ihren Exzeßen (Schluß.) In der Nummer vom 6/18. September bringt die Imlupemlance roumaine einen Artikel, den Herr I. Mjorescu, der frühere Minister des öffentlichen Unterrichts, in der Romania libera veröffentlicht hat, woraus wir hier einige Auszüge folgen lassen: ״Die V0int6 nationale nimmt im Leitartikel ihrer Nummer vom 2. September eine seltsame Haltung an, indem sie den sogenannten antisemitischen Kcongreß, der in diesen letzten Tagen von den Herren Moroiu. Polichroniade, Gherghel gebildet worden, so großes Lob spendet. Wir glauben, daß es im politischen Leben des gegenwärtigen Europa noch nie dagcwesen sein dürste, daß ein offiziöses oder wenigstens gouvermentales Blatt wie die Vointo nationale bei uns, ihre Spalten mit dem Lobe der antisemitischen Bewegungen füllt und diesem Thema selbst einen Leitartikel widmet. Die Iudenfrage ist bei uns eine national-ökonomische Frage von der größten Wichtigkeit, aber es ist ein erheblicher Unterschied zwischen gesetzmäßiger Politik der nationalen Vertheidiguug und der ebenso lärmenden wie lästigen Aufwiegelei gewisser Herren, wie Moroiu, Polichroniade und Gherghel. In einem offiziösen Blatte wie die ״Vointe nationale", Sätze wie folgende zu lesen: ״Der Erfolg des Kongresses ist nicht zu leugnen; ein Band ist geknüpft zwischen rumänischen, französischen und ungarischen Antisemiten. — Und dieser Kongreß, ebenso wie die jüngst in Deutschland, Frankreich und Ungarn stattgehabte antisemitische Bewegung, wird unserer Sache dienen, das ist für jeden Politiker eine wirkliche Überraschung. Keine vernünftige Negierung hat die Erregung der Volkslcidcuschaftcn.in einer ahn-- lichcn Sache unterstützt, keine wird solches thun und wir möchten wohl wissen, ob der Herr Minister des Innern von Rumänien die Ansichten der ״Vointe nationale" theilt." Nach dem Schluß des Bukarester Kongresses hat sich ein Theil der Leiter nach Kraiova begeben, um dort ebenfalls eine antisemitische Versammlung ins Leben zu rufen. Die Redner haben die Gemüther in solchem Grade überreizt, daß am Ende der Bersammlung die Menge ins Judenviertcl gestürzt ist und dort die Fenster aller jüdischen Häuser zertrümmert hat. ES sind einige Verhaftungen vorgenommen worden, und bald war wieder Ruhe hergcstellt. Der Justizminister hat dem Gencralanwalt von Kraiova, Herrn Colunrbeanu, beauftragt, Nachforschungen über diese Unruhen einzuleiten. Was man bis jetzt darüber weiß, bestärkt haben. Weiter oben wurde erwähnt, daß der Präsident des antisemitischen Kongresses in Bukarest Herr Gherghel war; Herr Ghcrgel hat vor einiger Zeit eine Interpellaüon über das Uebermaß der Geburten und über die Todesfälle bei den Juden gerichtet. Wir lassen hier noch die ״Nevista israelita" vom 15. Juni 1886, die sie wiederum dem ״Moniteur ofsfziell" Nr. 87 entnimmt, die bei dieser Gelegenheit von Herrn Gherghel gehaltene Rede folgen. ״Herr Eduard Gherghel: Die Abnahme der rumäuischeu Bevölkerung in den von den Illdeu überfluthctcn Ortschaften, und die Zunnhme der Israeliten in dem ganzen Königreich Rumänien hat zu gerechtfertigter Besorgniß Anlaß gegeben. In der Moldau und vorzüglich in der oberen Moldau lichten sich unsere Reihen thatsächlich mit jedem Tage, während die Juden sich vermehren und uns wie mit einem Eisenring umzingeln. Jeder, der sich mit der Frage befaßt hat, ist entsetzt über die Lage der Dinge und ist der Ansicht, daß, wenn nicht ernste Maßregeln zur Abhülfe ergriffen werden, in zehn Jahren das rumänische Element dem jüdischen Element den Platz geräumt haben wird. — Herr Anreliano hat im vergangenen Jahre die Regierung betreff der jüdischen Bevölkerung in Bukarest interpellirt, weil dieselbe um 40 Prozent zugenommen hatte, während die rumänische Bevölkerung sich nur um 20 Prozent vermehrt hatte. In Bukarest aber befindet sich nur der Vortrab der Juden, die Hauptannce ist bei unö in der Moldau. In dieser Provinz . haben sich die Rumänen um 20 Prozent vermindert, während die Juden um 100 Prozent zugenommen haben. Der Beweis für meine Angaben findet sich in der Statistik in den Geburts- und Todesrcgisteru. Aus diesen Dokumenten geht hervor, daß die Rumänen nur in den von den Inden besetzten Ortschaften in so großer Menge sterben. In den 33 städtischen Gemeinden haben wir 15 504 rumänische Geburten und ) 2 l 50 Todesfälle, also eine Zunahme von beinahe 3000 Seelen gehabt. Die Sachlage von der Moldau verhält sich aber folgendermaßen: Auf 2l städtische Gemeinden kommen 8, wo die Rumänen um 300 Seelen zngenommen haben, und 13, wo im Gcgentheil die Rumänen in außerordentlich schnellem Maße abnchmen,.und diese 13 sind diejenigen, wo die Juden in beträchtlicher Menge wohnen; sie liegen alle in der oberen Moldau. Und was ist geschehen? Welche Maßregeln haben Sie ergriffen? Die Mitglieder des Gesundheitsamtes können in erster Stelle dazu beitragen, die Lage der Dinge zu ändern. Aber die Besuche, die die Bezirksärzte laut

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