Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 45 (11.11.1886)
- Article
- Abrahams Vermächtniß
- Date
- 1886-11-11
- Page
- 706 (sequence 2)
- Language
- German
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706 Liebe hat. Der Untergang SodomS und AmoraS sollte ein ewiger Mahner für AdrahamS Nachkommen und das ganze abrahamitische Hans sein, den Weg zu meiden, welchen Gott nicht gewiesen, sollte sie stets eindringlich warnen, nicht die Prinzipien der von Gott gebotenen Menschenliebe und des von Gott eingesetzten Rechts zu mißachten. Der Ahn sollte für ewige Zeiten als heiliges, kostbares, unantastbares Bermächtniß einen! Jeden, der zn seines HanseS Sprossen zahlt, die Mah׳ nnng hinlcrlasscn: ״Den Weg GotteS zu hüten, Pflicht, Milde und Recht zu üben." Der Weg Gottes, welcher der Hut des abrahamr tischen HanseS empfohlen ist, cS ist der Weg der Sittenrcinheit, der Sündcnschen. ES ist der Weg, an dessen Weiser der Name Gottes prangt. Es ist der Weg der אמונה, des unwandelbaren Festhaltcns an Gottes Leitung, des unerschütterlichen Vertrauens in Seine Waltung. ES ist der Weg der מצות, der auf jedem Schritte durch die Erfüllung eines göttlichen Gebots geheiligt ist. Es ist der Weg der הקים, der jede unlautere Luft meidet, der dem sinnlichen Begehren die Schranke göttlicher Weisheit zeigt und zun! reinen Ge׳ nusse ladet. Es ist der Weg. welcher zn den! ,שער לד, zn jene!!! großen Thore GotteS sicher leitet, welches allen צדיקים, allen Gerechten, allen Tugendhaften längst eröffnet ist, in welches die für diesen ״Weg Gottes" dereinst wicdergewonnene gcscunmte Menschheit eintreten wird, um in das irdische Eden zu gelangen, welches von den Chcrnbiu! GotteS gehütet, ihrer seit Jahrtausenden harret. Die צדקה, auf welche Abraham seine Kinder und sein HauS verpflichte!! soll, es ist die den! Ideal deS göttlichen צדק nachstrebende von Menschen zu dethüligende Pflichtthat. Wie in der Waltung GotteS die höchste Gerechtigkeit mit der!!!!endlichsten Liebe innig verschmolzen zur Geltung gelangt, also sollen von dem Menschen den Ansordcrnnge!! der Gerechtigkeit und der Liebe in jedem Augenblicke entsprochen werden. Diese Recht und Liebe im harmonischen Vereine zun! AnSdruck bringende Gesinnung erzeugt צדקה, jene anS den! Bewußtsein der Pflicht entspringende LicbeSthat, welche von dem Menschen gegen den Menschen als eine Utechtsschuld geübt wird. Der Schwache, der Arn!c, der Fremde ist ans diese von dem Starken, dem Begüterten, dem Einheimischen zu übende צדקה von Gott hingewiesen, und der Starke, der Begüterte, der Einhcin!ische hat diese Anweisung Gottes einzulösen. Die Hülfe und der Beistand, die er leistet, ist dem Entpfangenden Ausfluß der Liebe, dem Spender aber Bezahlung einer Rechtsschuld, für welche er Gott verhaftet war. Sodomitische Gesinnung ist es, in dem armen, hungrigen fremden Wanderer nicht einen von Gott gesandten Boten zn erblicken, welcher eine NechlSschuld im Namen GotteS einzufordern hat. Sodoiutischc Gesinnung ist cs, dem Bittenden eine Gabe zn verweigern. Sodomitischer Ge׳ sinnung entspringt die Uebnug, deS Hauses Eingang mit einer Warnungstafel für der Armen Flehen zu versehen, das in diesen Räumen verpönt ist. Sodoinitischc Gesinnung ist eS, sich zum Richter über den Bedrängten und^Elenden anfznwcrfen und ihm den Pfennig zn verweigern, so nach des gestrengen Richters Ermessen das Unglück und das Elend nicht ganz!!!!verschnldct ihn betroffen. Sodomitische Gesinnung ist eö, mit zweierlei Maß zn inesscn, an den Armen und Rechtlosen den Maßstab der höchsten Moral und Tugend anzulegen und gegen sich selbst die weiteste Nachsicht walten zu lassen. Sodomitische Gesinnung ist es, dem Fremden die Luft zn athmcn nicht zu gönnen und ihn mitleidlos von Ort zu Ort und von Land zu Land zn jagen. Sodoinitischc Gesinnung ist eS, Liebe und Milde aus dem -Herzen zu bannen und Strenge und Gefühllosigkeit als Weisheit zu verherrlichen. Das משפם, welches Abraham seinen Nachkommen vererben soll, ist die Rechtsordnung, welche der göttlichcn Gerechtigkeit entspricht. Die in Abrahams Hause gepflegte Rechtsordnung ist nicht eine von Menschenklughcil ersonnene Norm, um daS Eigcnthum und das Leben des Begüterten und Vollberechtigten zn schützen^ sie ist die Anforderung des Rechts, welche ein Jeglicher zunächst gegen sich selbst mit aller Strenge gewissenhast zur Geltung zu bringen hat gegen die eigene Erwerbsgicr, gegen den eigenen Ehrgeiz, gegen den eigenen Zorn, damit er die Grenze nicht überschreite, welche daS göttliche Recht gezogen, damit er dem Neben- Menschen nichts vorcnthalte, nichts verkümmere, nichts beneide, worauf dieser einen Anspruch hat. Ein in Gottes Wegen sich vollziehendes häusliches und Familienleben, Keuschheit und reine Sitte, Liebe als von Gott gebolcncnc Pflicht geübt und Gerechtigkeit, daS sind die Kleinodien, welche das Testament Abrahams seinen Nachkommen, allen Sprößlingen seines Hauses, vererbt. Wohin auch immer Abrahams Enkel von den Wogen des über sie verhängten Geschickes getrieben werden, überall wo cs ihnen gestattet wurde, ihr Zelt ansznschlagen, da leuchten diese Kleinodien und bezeuge!!, daß deS Ahns Bermächtniß bei den Enkeln nicht verloren ist. MW Kiese a!!s >!1!d über WtMd. Von P c n i e l. (A11S deni Hebräischen überseht.) VI!. Der große König lehrt in seinen Welöheitssprüchen (Kapitel 18, 9) ״Auch wer in seinem Wirken nach-