Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1886)
- Article
- Eine Verhandlung des ungarischen Landtages vor funfzig Jahren
- Date
- 1886-11-04
- Page
- 699 (sequence 3)
- Language
- German
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*699 zu können", daß der Herr Obtegat selbst noch nicht einmal eine Semmel produzirt habe und doch für die Gesetzgebung des Vaterlandes ein nützlicher Bürger sei. (Gelächter.) — Trater (Neogrod) stimmt auch nicht für die Bedingnisse der Magnaten. UebrigenS wünscht derselbe auch den schönen gemüthlichen Vortrag dcS Herrn Oblegaten, daß er sich bei der bald vorzunehmenden Religicmsverhandlung eben so aussprechen möge. — Urmenyi (Weißenburg): Die Vediugnisse der Magnaten wären selbst für die armen Kontribuenten nachtheilig, wenn die Israeliten nur mit ihren Glaubensgenossen das Feld bearbeiten mußten: es würde die Zirkulation des Geldes stocken machen und den christlichcn Bauern eines Erwerbszwciges berauben. — Biro (Esonod): wenn dem Israeliten nur unterharten Bedingungen der Erwerb von Urbarialgründen' zugestanden wird, so wird sich die Zahl der Konkurrenten verringern und der Bauer nicht so gut seinen Grund verkaufen können, als es sonst sein könnte. — TakatS (Naab): Wenn dem Israeliten im Allgemeinen erlaubt sein wird, Urbarialgründe zu kaufen, wer wird das Feld des Pfarrers und des Schulmeisters bebauen? Paloczy (Borsod): Ich glaube nicht, daß der geistliche Stand so engherzig und die Habsucht der Pfarrer so unersättlich sei, daß er wegen der Verringerung seiner Lektikale dieser Bewilligung entgegen wäre. Da übrigens der Sabbath nach den mosaischett Gesetzen ein Feiertag ist, so könne man den Israeliten gestatten, am Sonntage zu arbeiten. Bernath (Ungvar): Für den Antrag des Borsoder Oblegaten sprechen auch die Grundsätze des Ackcrgesetzcs. Es ist auch Pflicht der Gesetzgebung, einem jeden Glauben die freie Ausübung zu versichern. — Somsich (Schymegh): der Antrag des Borsoder wäre nicht in Thesi annehmbar, allein die Ausführung wäre mit vielen Hindernissen verbunden, die keiner Erörternng bedürfen. Gegen das Nunzium der Magnaten sprechen noch Maglath (Baranya) und Benitzky (Sohl); und so will die namhafte Majorität von dem srühern Nunzium der Stände, Betreff der Israeliten, nicht abstehen. Die ungarischen Landstände lehnten demnach eine Beschränkung der Inden in Bezug ans die vorliegende Frage ab und erklärten hierin deren volle Gleichheit mit den übrigen Staatsbürgern. Die Veranlassung zum Vergleiche zwischen damals und jetzt liegt nahe. Er sei unseren Freunden und Gegnern angelegentlichst empfohlen. Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. * Berlin, 28. Oktober. Gegenwärtig hält sich hier ein ehrwürdiger Greis aus Persien, Herr Noa AschkenaS auf, an dem sich ebenso interessante, wie traurige Erinnerungen knüpfen. Der BedauernSwerthe, dessen Angaben, wie wir uns aus seinen Papieren zu überzeugen Gelegenheit hatten, auf voller Wahrheit beruhen, erzählte uns Folgendes: ״Der Scheich von Kurdistan war mit vielen Tausenden seiner Untcrthanen ausgezogen und hatte mehrere Städte KleinpersienS von Grund auf zerstört; unter anderen auch zwei mit einer starken jüdischen Bevölkerung, Miandoff und Aßnau. Ganz furchtbar hausten hier die Unholde; viele Menschen wurden gemordet, Frauen entehrt und getödtet, Synagogen und Lehrhäuser zerstört, Pergamentrollen zerrissen und verbrannt und Alles, was fortgeschleppt werden konnte, geraubt. Die Reichsten sind durch diese Näuberhorde zu Bettlern geworden. Unter den von dem Unglück am meisten Betroffenen befindet sich auch die Familie des Herrn AschkenaS. Derselbe war mit seinem Bruder Inhaber eines der größten Geschäftshäuser Kleiupersiens; auch sie sind nunmehr gänzlich verarmt. Ja, der Bruder wurde getödtet und seine Kinder in die Gefangenschaft geschleppt. Nur gegen ein hohes Lösegeld, das der Bruder zu entrichten hat, sollten sie wieder frei gegeben werden. Leider konnte der Aermste dasselbe nicht erschwingen, und er begab sich nun aus die Reise nach den europäischen Ländern, um für seine Gemeinde und sich von wohlthätigen Glaubensgenossen Unterstützungen zu sammeln. — Der Unglückliche ist an? seiner Reise auch nach Berlin gekommen; er ist durch die Anstrengungen und Drangsale sogar fast erblindet und deshalb doppelt nnterstützenSwerth. (Jüd. Presse.) -a- Berlin, 1. November. Der Vorstand deS ״Deutschen Thierschutz-Vereins Berlin" verbreitet äugenblicklich mit großem Eifer den Abdruck der Petition deS Verbandes der deutschen Thierschntz-Vereine an den Deutschen Reichstag, die Thierquälerei beim Schächten betreffend. Daran anschließend, wird ein Bericht über die Entwickelung der Frage und den gegenwärtigen Stand derselben gegeben. Weitere Flugschriften in dieser Angelegenhict werden in Aussicht gestellt. Man will damit den Bestrebungen des ״Verbandes der Thierschutz- Vereine des Deutschen Reichs״ in der vorliegenden Frage den nöthigen Nachdruck geben, ״die öffentliche Meinung aufklären und das Volksgewissen wecken." Der bisherige Mißerfolg ihrer Bestrebungen soll die Gegner der Schechita nicht abschrecken, sondern sie nur zu um so thatkräftigerem Handeln anspornen. Wir ver-