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Jeschurun · 1886-11-04 · Heft 44 (4.11.1886) · p. 693

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 44 (4.11.1886)
Article
Der internationale Antisemiten-Kongreß zu Bukarest
Date
1886-11-04
Page
693 (sequence 2)
Language
German
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693 Der antisemitische internationale Kongreß in Bukarest erkennt Folgendes für wahr und richtig und verpflichtet sich, solches zu verbreiten und auszuführen: 1. Die Juden werden als unwürdig erklärt, länger in Europa inmitten -er Böller zn bleiben; 2. Bis man Mittel und Wege gefunden haben wird, dieselben aus den europäischen Staaten zu vertreiben, legt der Kongreß allen seinen Anhängern in Rumänien, Frankreich, Ungarn und allen anderen Staaten, die seine Beschlüsse billigen, die Pflicht auf, von ihren Negierungen und Kammern zn fordern: a) den Juden durch den Staat, die Distrikte oder die Gemeinden keinerlei Konzession unter keinerlei Form, selbst nicht unter erborgtem Namen geben zu lassen; b) den Inden kein vom Staat, dem Distrikt oder der Gemeinde besoldetes.Amt, ebensowenig wie eine Stellung bei den Versicherungs-Gesellschaften, Banken re. zu bewilligen; c) den Juden keinen Grundbesitz zn verkaufen, ihnen nicht das Recht zu bewilligen, Guter, Häuser, Mühlen zu pachten, daß Niemand den Inden weder Güter noch Häuser, noch Gastwirthschaftcn noch Schenken verpachte; 6) den Inden zu verbieten, Geschäfte wie Restaurants, Hotels, Käses, Brauereien, Alkohol-Fabriken und Weinschcnkeu zu halten; sie zn verhindern, Bäcker, Krämer, Gctreidehändter, Arzt und Apotheker zu werden; o) bei den Predigern aller Konfessionen darauf hinzuarbeiten, daß sic diese Ideen unter ihren Pfarrlindern verbreiten und die Professoren der Schulen zu veranlassen, nichlS bei den Juden zn kaufen und keinen Israeliten in ihre Dienste zu nehmen; f) alle Nationen, die Liesen Bestimmungen beistimmen, sollen bei ihren Negierungen einkommen, daß Gesetze in diesem Sinne geschaffen werden, und KomitcS sollen sie bilden, die durch gemeinschaftliche Eingaben um die Durchführung dieser Bestimmungen bitten. Der Kongreß hat sehr wenig Theilnahme gefunden, der Saal blieb während der drei SitzungStage zur Hälfte leer, und unser Bericht hätte desselben ebensowenig wie der anderen antisemitischen Versammlungen, die zu wiederholten Malen in Deutschland und Oesterreich stattgesunden haben, Erwähnung gcthan, wenn dieser nicht einen besonderen Charakter getragen hätte. Im Gegensatz mit der den Negierungen gewohnten Klugheit und Vorsicht, scheint die rumänische Negierung diesen Kongreß begünstigt und unterstützt zn haben, was wohl nichts Anderes als ein politisches Manöver für die zukünftigen Gemeinde-Wahlen sein dürfte. ES ist bekannt, daß immer um die Zeit der Wahlen die jüdische Frage besonders lebhaft in Rumänien verhandelt wird, und daß die Negierung mit Recht oder Unrecht glaubt, daß sie ihr behülflich ist, sich der Stimmen zn bemächtigen. Dieses Vorgehen ist nun aber mehr oder minder abgedroschen; das Ministerium scheint ernstlich bedroht, so mußte man ein neues Verfahren ersinnen, das dazu angcthan war. die Geister in Aufregung zu setzen; dies wäre die Erklärung zu der Versammlung dieses Kongresses. Man macht darauf aufmerksam, daß die Negierung den Leitern und Ordnern der Versammlung den Saal des Athenäums, das dem Staat gehört, unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat; Herr Moruzzi, der Polizeipräsekt in Bukarest, hat den Eingang des Saales durch Polizciagcnten besetzen lassen, die weder den Juden noch den erwiesenen Gegnern des Kongresses den Eingang gewährten. Die Vointa nationale, daS Organ von Bratiano, dem Präsidenten dcS MinisterratheS und die Etoile roumaine, die Zeitung des Herrn Sturdza, Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, haben Artikel veröffentlicht, die dem Kongreß günstig sind. Die ganze unabhängige Presse, die Indepeiidance roumaine, die Lupta, die Xatiunca, der Romanul, haben die Versammlung dcS Kongresses, die Haltung der Negierung getadelt. Hier zum Beispiel, was die Indopcmlancc roumaine vom 28. August (19. September), über diesen Gegenstand sagt, in einem Artikel, über welchen sich viel sagen ließe in Betreff der über die Inden in Nnmäuicn ausgesprochenen Gedanken, der aber den Zweck Derjenigen, die die Leiter deö Kongresses unterstützt haben, deutlich enthüllt. ״Das Kabinct I. Bratiano muß in trauriger Verfassung sein, daß eö Angesichts der nahen Gemeindewählen seine Zuflucht zu einem Feldzug gegen die Juden nehmen muß. Unsere Ansicht in Bezug auf die israelitische Frage ist bekannt; so können wir mit Muße die Haltung der׳ Negierung gegenüber einer Bewegung, die durch nichts zn rechtfertigen ist, besprechen. Daß die Antisemiten von Rumänien die Antisemiten von Frankreich-Ungarn aufgefordert haben, sich in Bukarest zu versammeln, das ist mm ganz natürlich, daß aber daS direkte Organ des Ministers des Aeußern die Bevölkerung gegen die Juden aufhetzt, daS können wir weder billigen noch verstehen. Die israelitische Frage ist keine neue Frage. Sie ist seit langer Zeit aufgeworfen und die verschiedenen Negierungen, die einander gefolgt sind, haben es alle vermieden, sie zu lösen. Alle indessen haben sich bcmüht, die Gemüther zn beruhigen, ausgenommen Herr I. Bratiano. Herr I. Bratiano hat die jüdische Frage allezeit als eine der Fragen betrachtet, deren man sich bei gelegener Zeit zur Aufreizung der Volkslcidenschaften bedienen kann.

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