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Jeschurun · 1886-10-28 · Heft 42-43 (28.10.1886) · p. 687

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 42-43 (28.10.1886)
Article
[Rezension] / R.....l.
Date
1886-10-28
Page
687 (sequence 3)
Language
German
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687 Theilnahme an dem schrecklichen Untergänge ihrer bishörigen Genossen treffen würde, einer Berücksichtigung würdig sein dürfte, ob cS nicht sonst im ספות הצחיק עם רשע .eine Mitleidenschaft des Gerechten an dem Untergange des Schuldigen wäre, ob dieses nicht so stark sein könnte, daß Gott למק הצדיקים zu Gn nsten der Gerechten, um diesen das große Scelenleid zu sparen, der ganzen schuldigen Gesa mm!heit Verzeihung angedeihcn lassen könnte?" Bedarf eine solche Gesinnung unseres Vaters Abraham noch der Heranbildung — ober müssen wir, seine spätesten Enkel, uns noch zu jenem Ideal, von dem wir und unsere Mitmenschen noch weit entfcrnt sind, erst noch cmporzuschwingen suchen? Doch wir können die Rede nicht bis ins einzelste Detail hinein verfolgen; wir eilen zum Schlüsse, wo der Redner erst ordentlich mit der Farbe herausrückt, indem er sagt: ״Die wahre Religion ist nicht an besondere äußere Formen gebunden. Nichte dich vielmehr in den äußeren Formen nach Sitte und Regel der Zeit und des Landes, in welchen du lebst." Wir begreifen Herrn D1-. Ritter nicht. Warum hat er denn überhaupt an jenen! Tage die Kanzel bestiegen? Warum verbleibt er denn noch weiter in seinem Amte als Prediger der israelitischen Neformgemeinde zu Berlin? Warum hat er den Nosch-Haschanah-Tag. wo sich die Beenge noch aus alter Gewohnheit im Gotteshause zusammcngcschaart hat, nicht dazu benutzt, 11111 von der Kanzel herab zu verkünden: Da ״die wahre Religion nicht au besondere äußere Formen gebunden ist, wir vielmehr uns in den äußeren Formen nach Sitte und Regel der Zeit und des Landes, in welchem wir leben, zu richten" haben, so hebet Euch, andächtige Gemeinde, mit mir, hinweg aus dicseut Hause, in welchem wir bisher dem Ewigen gedient, und lasset uns zusammen am l. Januar ,,den Tag der Erinnerung oder das Neujahrsfest" mit unseren nichtjüdischen Brüdern in den Kirchen und Kathedralen feiern. Dann wird verstummen der Mund unserer Hasser, die uns Eigensinn vorwcrscn, daß wir noch immer uns für das auserwählte Volk halten. Es kommt ja nicht aus die äußere Form der Verehrung an — und der Klügste giebt nach! Wir nehmen hicunit Abschied von der ersten Rede und wenden uns in Kürze noch der zweiten ״Bon der rechten Versöhnung" zu, die Herr Dr. Ritter am Schlüsse deö VcrsöhnungstageS gehaktem Herr I)r. Ritter führt darin u. A. aus: ״Man sagt, m. Lieben, das Judenthum sei Gesetz. Allerdings ist cs dies, und zwar in einem Sinne, in welchem cS nichts Höheres und Heiligeres giebt. Es ist nämlich das offenbarte Gesetz, nach welchem der oberste Lenker verfährt. . Wir müssen gestehen, daß uns der Sinn dieser Worte nicht ganz klar ist. Was versteht denn Herr D1\ Ritter unter Indent hum? Daß er darunter nicht das ganze Gesetz versteht, wußten wir schon längst. Wir wissen in der That nicht, was sich Herr vr. Ritter bei diesen Worten gedacht hat — offenbar gar nichts, denn sonst würde er das in denselben liegende Unlogische eingeschev und — nichts gesagt haben. Herr Di*. Ritter giebt nämlich zu, daß das Judcnthum daS ״offenbarte" Gesetz ist. Wenn man aber von ״offenbaren" spricht, so muß nothwcndig eine Person cMLren, dem die Offenbarung zu Theil geworden, und das ist? — das jüdische Volk. Und wenn dem jüdischen Volke eine Offenbarung zu Theil geworden, wenn Herr vr. Ritter mit dem Worte ״Offenbarung" nicht nur eitet Spiegelfechterei getrieben, so wird er niemals mnhin können, in dieser ״Offenbarung" nichts Anderes zn erblicken, als den Inhalt des von Gott an Israel geiffenbarien Gesetzes, nach welchem nicht Gott, sondern jeder einzelne Jude sein Geistes- und Thatenleben einzurichtcn hat. - Diese Thatsache noch weiter klar zu stellen, dazu bedarf cS der Beweise nicht. Jede Zeile jener uns gewordenen Offenbarung ist dessen Zeuge! — Und eben, weil wir von dieser Thatsache durchdrungen sind, so gebrauchen wir keine Prediger, die erst Spitzsindigkeiten anwenden zu müssen glauben, tim zu beweisen, daß ״Jndenthum das Gesetz" wenigstens im gewissen Sinne sei. Das wissen wir schon längst — aber wie wir das Gesetz in seinen Einzelheiten zu erfüllen, wie wir auf jedes einzelne unserer 613 Ge- und Verbote zu achten haben, die Bedeutung und den Werth dieser Gesetze im Einzelnen uns zum Bewußtsein zu bringen, auf daß das Gefühl der Verpflichtung zur Erjnllung selbst des kleinsten und unscrein beschränkten Mcnschenververstände vielleicht überflüssig oder obsolet erscheinenden Ge- oder Verbotes oder nur einer מרה ותקנה, die unsere großen Weisen und Lehrer zur Hut und zum Schirm des Gesetzes eingerichtet, nimmer in Israel erschlaffe, das ist das Feld, auf welchem sich unsere Prediger zu bewegen haben, nur auf ihm werden sie den Keim zu Pflanzen legen, nicht die am Morgen sprossen um,, dem Abend zngcwendct, geknickt zu werden und zu verdorren, sondern deren Früchte noch den spätesten Enkeln zu Gute kommen, Früchte des ächten, wahren Judenthmns, der ächten, wahren jüdischen Gottesfurcht und Menscheulicbe, bethätigt im Geistes- und Thatenleben des Einzelnen sowohl wie der GchunmLheit! R.l. Berichtigung. In Nr. 41 11. 4*2 lies in der?.׳Korrespondenz aus Stanislaw (Galizien) statt Kalisch, Lalnsch.

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