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Jeschurun · 1886-10-28 · Heft 42-43 (28.10.1886) · p. 674

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 42-43 (28.10.1886)
Article
Pirqe avot
Date
1886-10-28
Page
674 (sequence 2)
Language
German
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«74fronten Haupte gegenüber sei leicht, mache keine Schwierige feiten, ordne dich seinen Anordnungen unter, und siche in einer solchen Unterordnung keine Schmälerung deiner Persönlichkeit". Dem Beginnen und der Zunuthung unerfahrener Jugend gegenüber sei aber bedächtig. Prüfe erst, che du dicht entschließest. Ist aber ihr Vorhaben gut, so schließe dich ihnen an, wenn sie auch jünger sind als du. Wo aber sich Menschen dir als Theilne hm er an deinen Bestrebungen darbieten, da nimm sie gerne auf, habe nicht den Stolz, Alles allein thun zu wollen, weise Keinen von vornhinein zurück, nimm einen Jeden gerne auf und prüfe ihn, ob er sich für dich und deine Bestrebungen eignet. Alle drei Sätze empfehlen ein selbstloses Absehen von der Persönlichkeit und eine reine Hingebung an die Sache. (Fortsetzung folgt.) Ans der HnMH-sSMlm Partei/ Zur Kennzeichnung der im Kreise der bekannten Freunde Israels herrschenden Anschauungen ist es lehrreich, von Zeit zu Zeit einen tieferen Einblick in deren intimen Gedankenaustausch zu wagen. Aus diesem Grunde bringen wir in Folgendem die Verhandlungen der christlich-sozialen Partei zu Berlin vom 26. Oktobcr nach dein Berichte der Neuen Preußischen (Kreuz-) Zeitung. Eines Kommentars dazu bedarf es nicht. ״Die Juden in Frankreich" war das von dem Herausgeber der ״Konservativen Monatsschrift", Frhr. Dietrich v. Oertzen-Berlin, behandelte Thema, welches Freitag Abend in der ordentlichen Parteivcrsannnlnng im überfüllten Saale des Dorotheenstädtischen Kasinos die Zuhörer fesselte. Hofprediger' Stöcker führte den Vorsitz. Beide Herren wurden mit Beifall begrüßt. Baron v. Oertzcn bemerkte einleitend, daß er eines der ältesten Mitglieder der Partei sei, daß er sich, obwohl damals nid)*־ in Berlin, sofort zu dem Programm bekannt habe (Beifall) und noch heute auf demselben Standpunkt siche. Besonders׳ habe ich mich (fuhr er fort) immer in einem Punkte mit Ihnen verbunden gefühlt, in der Behandlung der Äudenfragc (Beifall) einer der bedeutungsvollsten für unser ganzes Volksleben. Ich glaube ebenfalls, daß eS unmöglich ist, die Ncligions- und die nationale Frage in der antisemitischeu Bewegung von einander zu trennen. Beide gehören zusammen. ES ist oberflächlich, wenn man sich allein auf den Nassenstandpunkt stellt. Auf diesem kann man nie zu gesetzgeberischer Formulirung gelangen, während ׳das bei einem christlichen Standpunkt sehr einfach ist. Da sagt man: Unser Staat ist ein christlicher; in einem solchen dürfen Inden ebensowenig, wie Muhammedaner und Heiden, Richter, Lehrer und Verwaltungsbeamtc werden. Mit dem Nassenstandpunkt weiß ich nicht, wie man weiter kommen soll, als daß man gelegentlich einige Witze macht, oder alte Witze aufwärmt; aber gesetzgeberisch kann man ihn nicht verwerthen. Oder will man die Semiten ausschließen und etwa heidnische Hamiten, Schwarze aus Kamerun, zu den genannten Aemtern zulassen, wenn sie die nöthige formale Bildung haben? (Beifall). — Damit kommt Redner zum eigentlichen Thema, welches er erst geschichtlich behandelte, um dann die gegenwärtige übermächtige Stellung der Juden in Frankreich zu beleuchten. Im Mittelaller ging man sehr radikal gegen die Juden vor. Im 15. Jahrhundert mußten 160000 jüdische Familien Spanien verlassen. Schon früher, 1306, waren die Juden aus Frankreich vertrieben worden und hatten sich meist im Elsaß an gesiedelt, mit welchem wir sie leider mit annektirt haben. Trotz des Verbots kamen viele׳ von ihnen nach Frankreich zurück, wo sie bis 1770 nur geduldet waren. Vom Ende des vorigen Jahrhunderts an begann dort die Emanzipation als eine Folge der Revolution. Zuerst blieben die Juden zwar noch von dem proklamirten allgemeinen Menschenrechten ausgeschlossen, nebst Schauspielern, Scharsrichtern und Protestanten; darüber waren sie ungehalten und setzten es durch, daß am 24. Dezember 1789 eine große Judendebatte in der, Nationalversannnlung in Szene gesetzt wurde, in deren Folge die Scharfrichter, Schauspieler und Protestanten die ״allgemeinen Menschenrechte" erhielten, die Juden aber nicht. (Heiterkeit). Später wurden noch die Juden im Süden Frankreichs mit den Menschenrechten beglückt, und 1791. kamen,! auf eifrigste Agitation, auch die Elsässer Juden dran. Die Schreckenszelt bekam ihnen wieder sehr schlecht. Im Elsaß stürzte sich das Volk weniger auf den Adel, als vielmehr auf die erst kurz zuvor, bei Gelcgeuheit der Einziehung der Kirchcngüter, durch die Revolution stark bereicherten Juden, die sich mit großen Lösegeldern loskaufcn mußten. Eine schlimme Folge der Judenemanzipatio» war auch der Uebergang eines großen TheileS des Grundbesitzes in jüdische -Hände. Binnen drei Jahren halten die Juden von dem aus 60 000000 Mark geschätzten Grundbesitz 10000 000 an sich gebracht. Kein Wunder, daß die Exzesse gegen sie nicht anfhörten. Napoleon I., - bei dem sie sich beklagten, gab ihnen nicht Recht. Endlich berief er, halb um sich über sie lustig zu machen, den bekannten Rath der 70, den Sanhcdrin, ein, in dem sie u. A. über die Mischehen zwischen Juden und Christen, sowie über ihre Stellung zur AuSwuchernng Andersgläubiger derathen sollten. Napoleon wollte ihre Vomrtheilslosigkeit ans die Probe stellen und brachte, namentlich die

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