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Jeschurun · 1886-10-13 · Heft 41-42 (13.10.1886) · p. 663

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 41-42 (13.10.1886)
Article
Wie unser Ahn hierher kam
Date
1886-10-13
Page
663 (sequence 3)
Language
German
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663 forschen, ob er Juden in der Stadt finden würde. Voll schmerzlicher Gedanken schritt er durch die engen Gassen dahin — es war unterdeß schon völlig hell geworden — etwa eine Stunde lang war er schon nmhergeirrt. ohne etwas genossen zu haben, noch durchschauert der Nässe und der Kälte. Da plötzlich stand er still, seine Augen blitzten freudig auf, er hatte gesunden, was er suchte. Dort die Gasse heraus schritt langsam ein ehrwürdiger Greis, geführt von einem wunderschönen Mädchen von etwa 16— 17 Jahren." ״Ach, das schöne Mädchen hcirathet er nun gewiß", fiel hier die naseweise Esther laut jubelnd ein, ״nun verliebt er sich gewiß, und dann machen sie Hochzeit". Ich wollte schon meinen! allklugen Töchtcrlein eine wohlgemeinte mütterliche Strafrede angcdeihen lassen, als der Großvater lächelnd sagte: ״Nun, doch nicht ganz so kam es, wenigstens nicht sogleich. Es war nicht das liebliche Antlitz des jungen Mädchens, das unfern Joseph so freudig erregte, nein, in ihrer Hand erblickte er — einen Lu low mit Myrthen und Weiden geschmückt und einen Eßrog. Das waren Juden, Angehörige seines Stammes, seiner väterlichen Religion. Daß gerade das Snkkothfest war, hatten die spanischen Flüchtlinge, die während ihrer wochenlangen Schifffahrt, oft nicht Tag und Nacht unterscheidend, die Zeit nicht berechnen konnten, nicht gewußt. Voll glücklicher Aufregnng trat Joseph di Silveyra ans den Greis zn und redete ihn in hebräischer Sprache an. Ueberrascht sahen der Greis — es war der ehrwürdige Rabbiner der jüdischen Gemeinde zu E. — und das schöne Mädchen, seine Enkelin, den fremden Jüngling an, hörten voll Rührung und Staunen die schrecklichen Schicksale der Flüchtlinge. Der Rabbi hatte selbst schon die Kunde von dem grausamen Edikte des spanischen Königs gehört und war freudig gern bereit, den Unglücklichen zu helfen. ״Der Joseph hat doch noch viel weißere Haare gehabt als Du, Großpapa" unterbrach zum Erstaunen Aller den Erzähler die kleine 4jährige Sarah, die der Erzählung mit großer Aufmerksamkeit gefolgt war. ״Warum denn, mein Kind?" fragte der Großvater. ״Nun, wenn Du so schöne weiße Haare hast, dann hat Dein Urgroßvater doch noch viel weißere, denn der ist doch älter als Du!" Alle lachten, der Großvater aber sagte: ״Nein, mein Kind, damals war Joseph erst 20 Jahre alt und hatte schöne schwarze Haare, war überhaupt ein sehr schöner Jüngling." Der kleinen Sarah schien das nicht recht einzule ichten, sie sagte aber nichts weiter und der greise Erzähler konnte ungestört fortscchren: ״Ich kann mich jetzt kurz fassen. Die Flüchtlinge wurden in die Wohnung des ehrwürdigen Rabbiners eingeladen. Dort fanden sich auch bald die Vorsteher der Gemeinde ein. lieber Sukkoth wurden die Fremden sreundlichst und voller Liebe verpflegt und bewirthet. Doch nach den Festtagen suchten ihnen ihre hülfreichen Glaubensgenossen Quartiere, und da die Spanier Edelsteine, auch Geld, in ihren Kleidern eingenäht, zum Thei! mitge« bracht hatten, so gründeten sie Geschäfte, und es ging ihnen gut. Joseph di Silveyra aber fuhr in seinen Studien, die er in Sevilla begonnen hatte, fort und erwarb sich die Achtung seiner Glaubensgenossen in ß. im höchsten Grade. — In dem Hause des Rabbiners, wo er wie ein Sohn ausgenommen war, errang er bald das Herz der schönen Esther, der Enkelin des Rabbiners, welche an jenem Morgen ihm begegnet war, als sie ihren Großvater aus der Synagoge heimgeleitete und den Lnlow und Eßrog in der Hand trug — den ersten Hoffnungsgruß für den jungen Joseph in der Fremde. Er führte sie bald darauf als seine Gattin heim. — Seinen spanischen Namen di Silveyra verwandelte er in den Namen van der Walde, wie wir noch heute Alle heißen. Du, lieber Joseph, heißt nach dem spanischen Flüchtling und du, liebe Esther, nach seiner Gattin, unserer Ahnmntter. Möget ihr ihrem Namen stets nur Ehre machen. — Bald kamen aus Spanien noch andere angesehene jüdische Vertriebene nach E. und halfen der Gemeinde zu Glühen und Gedeihen." Der Erzähler schwieg. Wir saßen Alle noch lange still da, in Gedanken Gott preisend für die Rettung, die er unseren Ahnen gesandt hatte, gerade zur Sukkothzeit, wo er in Sturm und Mißgeschick sie geschützt und zum Glücke geführt. ' Briefkasten der Redaktion. L. B. in G. Zn der von Ihnen gewünschten Lösung des bekannten räthselhaften 'מהר״של שבת ל,כ vielleicht Folgendes: Um eS vor den bösen. Absichten des pharaoischen HofeS durch den Schein kindischen Unverstandes zu retten, ließ, nach dem Midrasch שמות, ein Engel das Kind Moses den bescherden glänzenden werthvolleu Edelstein verschmähen und dafür nach der glühenden Kohle greisen und ein Stückchen derselben zum Munde fübren, wodurch es sich die Lippen verbrannte und, lebenslänglich כבד פה וכבד לשון blieb. So verschmähen auch Jünger, die die Lehre nicht mit gebührendem Ernst in sich aufnehmen, ihr lebelang das in bescheidenem Glanze leuchtende Gedieg -e und greifen nach dem blendenden Schein verderblicher Glnth, an der sie sich die Lippen verbrennen. Derjenige Jünger aber, ששונה ושפתותיו נומפות מר עובד, der die Lehre mit Ernst in sich ausnimmt und sich nicht zurückschreckeu läßt, wenn auch das Studium . rübergehcnd Bitteres an sich hat, der wird sich me von dem blendtnven aber versengenden Schein tauschen lassen, wirvielmehr nach dem Gediegenen und Edlen greifen und eS erreichen דדיו גליליי ממלאים בתושייפו המבין יבין.

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