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Jeschurun · 1886-10-13 · Heft 41-42 (13.10.1886) · p. 650

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 41-42 (13.10.1886)
Article
Pirqe avot
Date
1886-10-13
Page
650 (sequence 2)
Language
German
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650 seligere, daß die Menschen gerne dir nahe sind und von deiner Weisheit, Güte und deinem sittlichen Adel annehmen. *) 14. R.Doßa, SohnHarkinaß', sagt: Morgenschlaf und Miltagwein, Kindcruntcrhaltung und Sitzen in Vereinshäusern der Ungebildeten bringen den Menschen anS seiner Welt. Wer freilich die Morgenstunden verschläft, Mittags durch Weingenuß seine Klarheit und Munterkeit zur Arbeit lähmt und seine Abende mit Kiudertäudeleicn oder im Wirthshans verbringt, ׳dem bleibt allerdings nicht viel Zeit zur ernsten Lösung seiner Bestimmung in der Welt, und ist es nicht unmöglich, daß die Mischna auch schon ein jedes einzelne dieser vier Dinge tadelt als eine gedankenlose Vertrödelung des Kostbarsten, was der Mensch hat, als Vergeudung der ihm hicnieden zur pslichtgetreuen Lebensarbeit vcrgönnten Zeit. (Fortsetzung folgt.) pan kr SeWerkeMM M Aljje llilb Dergelmng. Betrachtung von Lndwig A. Nosenthal, Rabbiner zu Nogaseu. (Schluß.) דורש אמריי דעת חונן הדעת האומר שובה הרוצה בתשובה .,Worte der Weisheit kündet er uns, und hat er uns mit Erkenntnis; beglückt, dann ruft er: ״Kehre zurück!" und hat nur an der Buße Wohlgefallen! So mahnt uns der Dichter an die Worte unseres täglichen Gebets: תשיבנו אבינו לתורתך ..Führe uns zurück Ewiger, zu Deiner Lehre!" Mit dem bloßen Sündenbewußtsein entsprechen wir dem heutigen Tage gewiß nicht. Wie oft geben wir im Leben nicht zu, daß uns gewisse Eigenschaften abgehcn, daß wir zu gewissen Dingen nicht geeignet sind, und dennoch suchen wir Liesen Umstand nicht zu andern'? Die bloße Borstellug einer Gottheit, ohne daß wir uns ihre Forderungen vergegenwärtigen, der bloße Umstand, daß wir den Ewigen nicht geradezu als nichtvorhanden ansehen, macht Len Inhalt weder des JndenthnmS, noch irgend einer Glaubens׳- und Lebenslehre anS; ein bloßer Lehrsatz'vom Dasein der Gottheit ist nicht im Stande, uns zu veredeln und emporzuheben. Wir haben uns die Forderungen dcS Weltenlcnkcrs zu vergegenwärtigen und unser Thun damit zu vergleichen. Jene Sätze, in denen der Allmächtige uns seinen Willen ausdrücklich knndgelhan hat, andern sich aber nicht im Laufe der Zeit, •> רבי רויבא בךרייכינב אוסר• שנה שבשחרית ויין של1־ צהרים ושיחת ר^רים וישיבה בד\ כ: ביות ש^־עבי־׳האדץ בוציאיי אח־־האדם פך־העוריסnach wie vor sind sie ausgedrückt in jener heiligen Thorarolle, ihre Vorlesung bildet nach wie vor den Mittelpunkt unserer Gottesdienste, einem Jeden ist Gelegcnheit geboten, einzublickcn in das heilige Buch, im Laufe des Jahres dessen einzelne Abschnitte sich zu vergegenwärtigen. Erst mag Vieles dem menschlichen Sinne seltsam und unbegreiflich erscheinen — mit der Zeit wird der Wille des Ewigen ihm klarer, er erkennt, wie der Geist der Thora sich aussprcchcn soll im häuSlichcn und gottesdienstlichen Leben Israels, wie alle Gestaltungen unseres GlanbcnstcbcnS ihre Nothwendigkeit und Berechtigung, alle heiligen Tage dcö Jahres ihre besondere Bedeutung und ihr wichtiges Gepräge haben, wie daS Eine ohne das Andere etwas Halbes ist und bleibt. Mit solchen Anschauungen genährt, wird der Wille des Ewigen dem Menschen daS Höchste sein, worüber der eigene Vortheil nicht stets den Sieg davontragen wird. An diese Forderungen gewöhnt, wird der Mensch sich heute nicht vergebens nach seinen Sünden fragen, wird sich nicht beruhigen, ohne sein Gewissen auszurüttcln und das, was er als Krankheit erkannt hat, möglichst ohne ärztliche Hülfe zu 'heilen. Wer erkannt hat, daß der Ewige seine Gemeinschaft zur Verkünderin seines Willens begründet hat, wird er wohl ferner sich der Eiseskälte rühmen, die er den von ihm nicht verstandenen Heiligthümern seines Vaterhauses entgegenträgt? Wird er sich ferner den heiligen Vcrsammlungen Israels entziehen? Ja, wird er der Welt Veranlassung bieten, über die Redlichkeit und Bescheidenheit Israels abzunrthcilcn? Wird er sich nicht täglich und stündlich an die Grenzen erinnern, welche der Abkömmling Jakobs sich selbst zu ziehen hat? Wenn er den Ewigen als Wohlthärer von Jugend auf sich vorstellt und sich mahnen läßt an daS einstige Elend des mizrischen Sklaven — wird er an diesem Tage noch ruhig darüber sein, wie er den Nothleidcnden beleidigend von seiner Schwelle gewiesen, wie er den Nothschrci des Unglücklichen mit seinen klugen Gründen erstickt und sein Ohr künstlich davor verschlossen hat? Uno wenn er nur öffentlich, nicht insgeheim, wenn er nur verletzend, nicht mit Schonung für Andere das Gute übte — wird er vor dem Ewigen bestehen zu können glauben? Ist nicht der halb unterdrückte Nothschrci der entsetzlichste? Wenn wir uns nun die unerbittlichen Gesetze der Milde׳ und des Erbarmens gegen alle Menschen als nnumstößliche Forderungen vor die Seele treten lassen — sind wir dann vielleicht im Stande, rücksichtslos zu sein gegen die Unfern? Wer nun gar der Seinen vergißt, wer ihre Sorge, ihren Kummer leichtsinnig außer Augen läßt, indem er sich taub stellt gegen ihre Klagen, sorglos den eigenen Genüssen nachgeht, dem eigenen Wohlleben, der eigenen Freude das Glück und die feste Stellung seines Hanfes opfert — sollte Er die Stirne

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