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Jeschurun · 1886-10-13 · Heft 41-42 (13.10.1886) · p. 649

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 41-42 (13.10.1886)
Article
Pirqe avot
Date
1886-10-13
Page
649 (sequence 1)
Language
German
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649 Zeschurnrr M 4Ä u. 42. פרקי אבות. Uebersetzt und erläutert von Sliirison Naphuel Hirsch. (Fortseynng.) *)N. R. Chanina, Sohn Doßa's, sagt: Wessen Sündcnfurcht seiner Wissenschaft vorangeht, dessen Wissenschaft hat Bestand, wessen Wissenschaft aber seiner Sündensnrcht vorangeht, dessen Wissenschaft hat keinen Bestand. Sündenfurcht, die Furcht irgend etwas zu thun, was dem Willen Gottes nicht gemäß ist, ist die unmittelbare Folge und Bethätignng der Gottesfurcht. Gottesfurcht und Sündenfurcht sind Charaktereigenschaft ten, die nicht durch Wissenschaft und Gelehrsamkeit bedingt sind, die vielmehr der Wissenschaft und Gelehrsamkeit vorangehen müssen, wenn die Wissenschaft und Gelehrsamkeit die ächten und rechten sein sollen. Insbesondere die N^N-Wisscnschaft,' und die ist hier immer zunächst unter חכמה verstanden, wird nur von Dem richtig aufgefaßt und verstanden, der in ihr die von Gott gegebene Quelle der Wahrheit und der Pflicht anerkennt und mit dem Bedürfniß und Entschluß an sie Hinantritt, um aus ihr Belehrung für die Erkenntniß und Richtschnur für das Thatenleben zu schöpfen und sich durch sie vor theoretischer und praktischer Verirrung, vor Jrrthum und Sünde zu hüten. Dessen Wissenschaft wird mit jedem Schritt im Leben an Berständniß-Klarheit, an erziehender Leitungsmacht, an beglückender Seelen-Befriedigung gewinnen und ihn als die treueste Freundin bis an sein Lebensende begleiten. Wer aber ohne Gottesfurcht und Sündeufurcht an die Wissenschaft herantritt, wessen Gottesfurcht und Sündenfurcht erst aus der Wissenschaft hcrvorgehen soll, der wird weder zur rechten Wissenschaft noch zur Gottesfurcht gelangen, der wird in jedem Worte der תורה- Wissenschaft und eine Hinderung und Kürzung seiner bisher genossenen vermeintlichen Freiheit erkennen, er wird ihren Inhalt sich für seine mehr und minder gottentfremdctc LcbenSrichtung entstellend und umdeutend zurechtlegen, und ihr endlich als unnützen Ballast und Störenfried den Rücken wenden. **)12. Er pflegte zu sagen: Wessen Thatcn mehr sind als seine Wissenschaft, dessen Wissenschaft hat Bestand, wessen Wissenschaft aber mehr ist als seine Thatcn, dessen Wissenschaft hat keinen Bestand. Dieser Satz ist eine Fortsetzung und Ergänzung des vorigen. Auch wer mit der' rechten Gesinnung •> רבי חנינא בן־־דוכא אומר• כל שיראת חטאו מורמת לחכמתו חכמתו מתקימת• ובל שחכמתו קורמת ליראת חטאו אין חכמתו מתקימת• •יי הוא היה אומי־ כל שמעשיו מרכי־ן מחכמתו חכמתו מתקימת• וכל שחכמתו מרבה ממעשיו אין חכמתו מתקימת• . » zur N^N-Wissenschaft gekommen, um aus ihr die Bercchtigung und Bereicherung seiner Erkenntniß und die Anleitung für sein Pflichtleben zu schöpfen, — aber es fehlt ihm nachher im Leben die rechte Thatkraft, das rechte Wissen auch in die rechte That umzusetzen, er kennt seine Pflicht, aber er übt sie nicht, übt sie nicht in dem Maße, wie er sie kennt, er ist reich an Wissen, aber arm an Thun, — auch dessen Wissenschaft hat keinen Bestand, sic verkümmert, weil sie nicht zur Btüthe und Frucht gelangt, in denen sie sich zu bewähren hat und erst zu wahrem Werth und wahrer Geltung ge- 1 langt. So lauten auch andere Sätze der Weisen ליסוד גדול שהלימוד מביא לידי מעשה, Lernen ist groß, denn das Lernen führt zum Thun; und לא המדרש עיקר אלא המעשה, nicht die Forschung ist das Wesen, sondern die Erfüllung. *)13. Er pflegte zu sagen: Wer den Menschen angenehm ist, der ist auch Gott angenehm, wer den Menschen unangenehm ist, der ist auch Gott nicht angenehm. Die allgemeinste Beziehung Gottes zur Welt bezeichnet מקומ, Gott ist מקומו של עולם, Gott trägt die Welt, in Ihm hat die Welt ihren Bestand. Die allgemeinste Bezeichnung der Menschen, die sie alle unterschiedlos umfaßt, ist בריות, ja eigentlich: Geschöpfe.' Gott hat nun die Menschen für die allgemeinste Vereinigung geschaffen. Wie sie alle zu ihm׳, ihren einzigen Schöpfer, als seine Geschöpfe in ganz gleicher Beziehung stehen und in Ihm ihre'Einheit finden, so sollen sie auch unter einander, bei aller eigenartigen Besonderheit eines Jeden, sich immer mehr und mehr aneinanderschließen, das Gute einer jeden Eigenart gegenseitig anstauschen, bis sie altesammt den einen Menschheitbund unter dem einen Menschheitvater bilden. Es entspricht daher nicht dem göttlichen Willen, daß sich ein Mensch von allen übrigen absondere. Wie verschieden auch in seinen Grundsätzen, in seinen unveräußerlichen, standhaft zu bewahrenden und zu befolgenden Ueberzengiingen, und wie verschieden daher auch in seinem pflichtgemäßen Thun und Lassen, so giebt es doch eine von Jedem zu beachtende Weise dcS Zusammenlebens, daß Keiner dem Andern lästig und unangenehm. Keiner schroff und widerwärtig werde, vielmehr Jeder in der Nähe des Andern und durch die Nähe des Andern sich wohlthuend angemnthet und sich zu ihm hingezogen fühle. Ein schroffes, widerwärtiges Wesen dm Menschen gegenüber ist Gott.nicht genehm und widerspricht dem von Gott aus dem Zusammenleben der Menschen beabsichtigten Ziele. Bist du wirklich der Weisere, Bessere und Edle, so sei zugleich der Leut- •> הוא היה אומד• כל שמח הכריות נוחה הימנו, רוח הסקופ נוחה הימנו• וכי שאין רוח הבריות נוהה הימנו, אין רוח הסקוס נוחר. הימנו•

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