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Jeschurun · 1886-10-07 · Heft 40 (7.10.1886) · p. 634

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 40 (7.10.1886)
Article
Die Sklaven
Date
1886-10-07
Page
634 (sequence 2)
Language
German
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634 Im fernen Osten strahlt herauf ein Leuchten, Ein Heller Streifen glanzt am Himmelsrand, Der Morgenstern dort oben plötzlich funkelt, — Der Jüngling und die Jungfrau Hand in Hand. ..Dort strahlt die Zukunft, Han nah, rosig, wonnig. Der ew'gen Liede junges Morgcuroth, Nach Nacht folgt Tageslicht, nach Schmerzen Freude. Ein cw'ges Leben nach dem finstern Tod. — Zur Freiheit lass uns eilen, auf! zur Freiheit! Der Tag bricht an, des Heiles Sonne scheint! Mit Dir, Geliebte, will zum Glück ich ziehen — Zur Freud', zur Lust, mit Dir, mit Dir vereint! Und stehet Gottes Burg im Glanze wieder. In Pracht, in Zier, in Gottesherrlichkeit, Ziehn mit den Brüdern all wir freudig jauchzend Zum Morgenroth für alle Ewigkeit!" KorrcsMdcllze!: imd Nachrichten. Deutschland. -a- Berlin, 6. Oktober. Die ״Kreuzzeitnng" reproduzirt mit Behagen eine Notiz ihres folgsamen Satelliten ״Neichsbote": Zur Beurtheilung der Frage: ״Wer bezahlte die Stöcker-Prozesse?" theilt der ״Reichsbote" folgendes hektographirte vertrauliche Anschreiben des verstorbenen Abgeordneten Ludwig Löwe mit, durch welches derselbe die Prozcßkosten für den Redakteur Bommert in Siegen aufznbringen suchte. Das Schreiben lautet: ..Berlin, 9. Juni!886. Vertraulich. Sehr geehrter Herr! Der Prozeß Stöcker gegen den Redakteur Bommert in Siegen ist nun endgültig vom Reichsgericht zu Ungunsten Stöckers entschieden und dabei die Notorictät der bekannten Aeußerung des Krön- Prinzen gegen die Antijcmitenbewegung gerichtSscitig fcstgcstellt worden. Es handelt sich nun noch um die Bezahlung der AnwaltSkostcn mit 600 Marl. Der Rechtsanwalt, ein braver Parteimann, kann nicht ganz ans Vergütung verzichten; er hat dreimal in Siegen plaidiren müssen, wozu wegen der längeren Fahrt jedesmal zwei Tage nöchig waren, und hat außerdem sehr viele Zeit und Muhe aus die Sache angcwendct. Vermögen besitzt derselbe nicht. Unter diesen Umständen kann ich mich dem Ansinnen nicht entziehen, die Aufbringung der erforderlichen Mittel im befreundeten Kreise zu versuchen; ich richte deshalb auch an Sie die dringende Bitte, einen' Beitrag zu diesem Zwecke gefälligst leisten zu wollen. Hochachtungsvoll Ludwig Löwe." Wir begreifen sehr wohl, daß die Herren Antisemiten sich gehörig ärgern, und es ihnen absolut nicht in ihren Kram paßt, daß die Juden sich nicht zitternd und bangend, wie ein Schulkind in Aussicht auf die Schlage die das gestrenge Fräulein Lehrerin Krcnzzeitung ihnen auf den demüthig hingehaltenen Rücken verabreichen wird, in aller GemüthSruhe hinsetzen, und die Prügel einstecken, froh, wenn sie keine neuen Schläge mit der Ruthe bekommen — sondern diesen:gen, welche sich ihrer annehmen im Kampfe gegen ihre Feinde und Hetzer unterstützen. Die Juden sollen wohl am Ende noch gar den Antisemiten und ihren geistlichen Feldherrn selbst die Hülfe zu kommen lassen im Kampfe gegen sich selbst. — Uebrigens möchten wir die Kreuzzeitung nebst Hut und Trabanten fragen, wer denn die Kosten ihres Kampfes trägt — oder haben sie kein Geld nöthig? Wer giebt ihren Führern das Geld zu ihren Agitationen. Nun, natürlich, ja, Bauer, das ist ganz etwas Anderes! — Lächerlich in der That, über die Unterstützung, welche die Inden ihren Freunden angedeihen lassen, herzuziehen — testimonium paupertatis! * Berlin, 6. Oktober. Für den Kaiser von Marokko hat unser Kaiser Wilhelm ein merkwürdiges Geschenk bestimmt, das in den nächsten Tagen von hier abgesandt werden soll. Es besteht, wie der ״B.-E." meldet, auS zwölf Bänden, welche in hebräischer Sprache den Talmud enthalten. Die Bände, in groß Oktav, sind in Marogninleder gebunden und auf dem Rücken mit orientalischen Palmetten verziert. Jeder Band trägt auf der Innenseite des Deckels eine eingepreßte goldene Kaiserkrone. * Bonn, 28. September. Die ״Saar- und Mosel Ztg." schreibt: Der unlängst in Plittersdorf verstorbcne Bankier Albert Cohn hat der hiesigen Universität ein Kapital von 9000 Mark testamentarisch vermacht, das zur Erhöhung des bereits im Jahre!868 bei Gelegenheit der 5'0jährigen Feier der Universität von ihm und seinem Bruder Hugo Cahn an der letzten: errichteten Stipendienfonds von 6000 Mark dienen soll, ans welchem bisher alljährlich einem Sindirenden (Rheinländer) ein Stipendium von 300 Mark gewährt wurde. Das Stipendium, hier unter dem Namen das Cahn'sche Stipendium bekannt, wird hierdurch um mehr als das Doppelte erhöht. 8. Frankfurt a. M., 3. Oktober. Die Anstalt zur Verpflegung armer jüdischer Kurgäste in Bad Soden ist, wie immer auch in letzter Saison in wirk-!ich vorzüglicher und segensreicher Weise ihrem Zwecke nachgekommen. Die Anstalt hat eine gesunde, schöne Lage und ist mit dem reichlichsten Komfort versehen.

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