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Jeschurun · 1886-10-07 · Heft 40 (7.10.1886) · p. 633

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 40 (7.10.1886)
Article
Die Sklaven
Date
1886-10-07
Page
633 (sequence 1)
Language
German
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M 40. 633 Teschnrmr. Are Sklaven. Von Jedidjah. L» Vereint. Die Fluth geht hoch, die Wogen donnernd branden, Zum Himmel auf zischt wild die schwarze See, Hei! heult der Sturm in rasend jähem Jagen. Umtost des FelsenuserS steile Höh'. Auf zack'ger Klippe wehet weiß im Winde Wie Flügel weit hinaus ein leicht Gewand, Die Haare flattern — hoch und schlank steht spähend Die bleiche Jungfrau an des Ufers Rand. ״Dort hinten, wo der schwarz umwölkte Himmel Des wilden Meeres Wellenberge küßt, Wo hinter Nacht und Graus Hispanien schlummert, Weilst jetzt, Geliebter, Du, den Hann ah grüßt. Aechzst Du im eisern Joch der Römerknechte, Der Tag Dir finster, endlos Dir die Nacht — Denk', denk' an mich, an meine Lieb' und Treue — Fort dann der Kummer, dann die Sonne lacht. Ein leicht'res Loos als Dir ist mir bcschieden Beim Aethiopierherrn in Afrika, Da er mit Güte und mit Milde herrschet, Da nie mein Auge seine Willkür sah. Doch, mein Geliebter, könnt' ich bei Dir weilen. Bei Dir in Sklavenbanden leiden schwer — Das Leid, den Druck mit Dir zusammen tragen War' süß für mich — ich fühlt' den Schmerz nicht mehr. Und strahlte rosig dann das Glück hernieder Auf Zions neu erblühte Herrlichkeit, Ziehn wir vereint mit Gott zur heil'gcn Stätte — Zu ew'ger Liebe, ew'ger Lenzcszeit!" Der Donner rollt, die -Blitze zucken leuchtend. Die See erbraust,- die Wogen steigen auf — Der Felsen wankt im mächtig wilden Stürmen — Sie merkt es nicht, schaut still zu Gott hinauf. — ' Da horch! — Welch' grauser Ton im Kampf der Winde— Ein Schrei bringt gell and dem Getos hervor — Bang fährt die Jungfrau auf— da tönt es wieder — Und ängstlich lauschend neigt sie hin ihr Ohr. Dort — Stöhnen — Aechzen — dicht vor ihren Füßen — Ein Brett — ein dunkler Körper draus, treibt an — ״Ein Mensch! Ein Mensch!" — schnell eilt sie fort zum Lande, Holt Knechte, ihren Herrn zur Hülf heran. Auf weichem Sande, vor der Felsenklippe, Ein Jüngling anSgestreckt liegt starr und bleich, Die Augen fest geschloffen, wie im Tode, Entrückt der tück'schen, gier'gcn See Bereich. Die Fackeln flackern roth ringsum im Kreise, Im Spiel der Winde unstät werfend Licht, Noch heult der Sturm, noch krachet wild der Donner — Er, den so lang sie schreckten, hört es nicht. Da tönt ein Schrei, voll wilden Schmerzes gellend: ״Er ist'S, er ist'Sk — Geliebter! bleib' bei mir!" Sie wirft sich neben ihn, ihn rüttelnd, streichelnd: ״Wach' auf! Wach' auf! Sieh, Hann ah ist bei Dir! Was gafft ihr riugS umher, ihr schnöden Sklaven — Was steht ihr starr -— mein Süßester ist todt! Hört ihr es? Todt! — O, Gott im Himmel droben, Gieb' mir ihn wieder, durch Dein Machtgcbot!" Da kracht ein Donnerschlag — hell lcuchtet'S zuckend! — Der Jüngling schlägt die Augen auf — er lebt! ״Er lebt, er lebt! Geliebter, Hab' Dich wieder!" — — Vom Boden sich der Jüngling jäh erhebt. ״Ich binbei Dir, bei Dir, geliebte Hannah! Ich wußt' eS, Gott verläßt die Treuen nicht. Zeigt mir den Pfad zum Glück, zur neuen Rettung, Zeigt mir in finft’rer Nacht der Sterne Licht." Fest schmiegt sich an ihn, zitternd, wonnebebend Sein treues Lieb in seinen starken Arm — Nicht fühlet sie der Näffe frost'ge Kälte, An seinem Herzen ruht sie still und warm. Und langsam schreiten sie zur Felsenklippe, Wo. H an na h seufzte in die Nacht hinaus. Verschlungen Arm in Arm hoch stehen Beide, Nicht achtend auf des Meeres wild Gebraus! Die Knechte stehen drunten schweigend — staunend, AuS ihrem Auge eine Throne bricht, — Ihr Herr tritt langsam zu den Beiden schreitend. Vor Rührung bebt die Stimme, wie er spricht: ״Du hast mir treu und wacker stets gedienet. So lange, Sklavin, Du bei mir geweilt — Nimm denn als Lohn von mir jetzt Deine Freiheit, Nimm den Geliebten, der dem Tod enteilt." —

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