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Jeschurun · 1886-10-07 · Heft 40 (7.10.1886) · p. 630

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 40 (7.10.1886)
Article
Aus der Amsterdamer Gemeinde
Date
1886-10-07
Page
630 (sequence 2)
Language
German
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630 ES ist daderselbe S. de Jongh Meyers, der im Jahre!795 in dem jüdischen Klub Felix libertatc eine Rede gehalten har, in welcher er sagte; ..He, sagt mir doch einmal: warum? Ein blinder Zufall, der mir einen Juden zum Vater gab. hat der mir etwas von meiner Menschheit genommen? Glüht das Feuer der Vaterlandsliebe in unseren Adern weniger, schlagen eure Herzen weniger für die Freiheit als die unsrigen? Weiler berichtet der Chronist von den Schwierigkeitcn, einige Parnassim zu wählen, da Niemand annehmen wollte, bis schließlich der Prinz-Statthalter aus einer ihm vom Konsistorium ausgestellten Liste' Ernennungen vollzog. h. Aus kiii CrcHiCü der ״Missm". VIII. In Nr. 36 habe ich einige mehr allgemeine Notizen über die ,.London Society sor Promoting Christianity amongst the Jcws" gegeben und komme nun zu den Berichten, welche die Missionäre der Gesellschaft an den Vorstand erstatten, um Ihnen einige Auszüge, die mir besonders interessant oder charakteristisch erscheinen, daraus mitznthcilcn. Ucbcrblickt man diese Berichte im Ganzen, dann kann inan ihren Erzeugern eine gewisse Bewunderung nicht versagen: der Schlauheit und Pfifjigkeit nämlich, mit welcher die Bediensteten ihre Patrone zu fassen wissen. Hat so ein Seelenfängcr einige Erfolge zu verzeichnen, dann weiß er gar nicht, wie er den Mund voll genug nehmen soll, dann weiß er gar rührende Schilderungen von der früheren Scelenpein und dem jetzigen Seelenheil seiner Bekehrten zu liefern und seine eigene- Mitwirkung in die möglichst vorthciihaftc Beleuchtung zu stellen. Ist dagegen alle Liebesmüh umsonst gewesen, ist kein Fischlein in die anSgeworfcncn Netze gegangen, dann tröstet der Ehrenmann sich und seine Vrodgeber mit dem Bewußtsein, daß er das Evangelium vielen Tausenden vom ״Hause Israel" gepredigt habe und wie er bcstimmt wisse, daß die auSgeslrcute Saat ans den denkbar günstigsten Boden gefallen sei und einst gar herrlich anfgehcn werde, ihn: und seiner Gesellschaft zu Preis und Ruhm und Ehr? Und dann werden die Rapporte mit recht viel Bibelvcrsen gespickt, hin und wieder auch mit einigen Worten in hebräischer Quadratschrist auSstafsirl, und je größer (ich meine die krumme Nase und der ganze jüdische Typus) vorher -der SauluS, desto eifriger gcbcrdet sich dalin der Paulus, je gelauster, desto christlicher. Und diese großen, frommen Herren in London freuen sich darob gar wonniglich und stimmen ein Halleluja!) an und schauen bereits in der Ferne den Tag. wo das Hans Israel insgesammt sich zum Christenthume bekennen werde, natür-!ich durch Vermittelung der ״London Society sor Promoting Christianity amongst the Jews" und — geben weiter große Summen her. — — Doch nun zu den versprochenen Auszügen, bei denen ich mich jedoch mit Rücksicht auf den mir zu Gebote stehenden Raum sehr beschränken muß. London. An Stelle des verstorbenen Aron Stern ist I. M. Eppstein getreten, und wie jener ist jetzt dieser in den diversen Abtheilungen der Londoner Lokal- Mission thütig: in der Missionsschule für Kinder, in dein Seminar zur Heranbildung von Missionären, in den öffentlichen Versammlungen 11. s. w. Aus die unfreundliche Gesinnung der Juden den Missionären gegenüber hinweisend, zeiht Ehren-Eppstein crstcre der Undankbarkcit; erst seit der Gründung der Londoner MissionSgcscl'lschast datire die bessere Stellung der Inden in England; der verstorbene Lord ShafteSbury und andere Missionsfreunde hätten hart für die Juden gearbeitet und deshalb ״sollten sic keinen Stein in den Brunnen werfen, aus dem sic getrunken." (Also, ihr englischen Juden, nehmt euch das zu Herzen und laßt euch fangen; mehr verlangt man ja nicht von euch'.) Seine Täuflinge charaktcrifirt Eppstein folgcndermaßctt: Manche von ihnen glauben aufrichtig (?) an den Heiland, andere brauchen Führung und Hülse (sonst brennen sic wieder durch), und wieder andere sind keine Zierde für die christliche Kirche (und die haben wahrscheinlich am meisten gekostet!). — Ein anderer Missionär, Schor, berichtet dcS Langen und Vreilen von dem ihm gelungenen Fange eines jungen Inden aus Ostpreußen, dem Sohne eines ״großen Rabbi", verheirathct mit der Tochter eines ״anderen einflußreichen Rabbi". Vorsichtiger Weise werden in den Berichten keine Namen genannt! — Die Thce- Meetings seien vou 350 (?) Inden und Jüdinnen besucht worden, die dort verabreichten Speisen ״koscher" d. h. ״nach den Vorschriften dcS jüdischen Rituals zubereitet." (Mit Speck fängt man Mäuse und mit Koscherfleisch kranke und ausgehungerte Juden.) — Dr. Bcnoly schreibt ganz offenherzig: ״Unser Hauptziel in unserem Verkehr mit Juden ist, ihnen die christliche Religion zu predigen, und unsere Mcdizinal-Abthcilnng arbeitet auf das gleiche Ziel hin; nur Diejenigen werden ärztlich behandelt, welche mich als Missionär empfangen." (Edler Menschenfreund!) Königsberg. Trotz der Ausweisung fremder Juden, so berichtet SkolkowSki, bleibt Königsberg noch immer ein Zentrum für MissionSthätigkeit. Ein in der hebräischen und talmndischen Literatur tüchtiger Missionär finde bei den vielen durchreisenden polnischen Juden da noch sletS ein reiches Feld für seine Thütig-

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