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Jeschurun · 1886-09-29 · Heft 39 (29.9.1886) · p. 612

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 39 (29.9.1886)
Article
Die Faselei von dem Rachegotte
Date
1886-09-29
Page
612 (sequence 2)
Language
German
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612 4) ״Ein verzeihender Gott warst Du ihnen ,per-! fönlidj4, ein ,Rächer׳ jedoch ihrer ,Frevellhateir:" I (Pf. 99, 8.) also nicht gegen den ״Sünder" wendet sich Gott, die ״Sünde" aber soll ausgerottet werden. ,אל "נושא" היית "להם" “ונוקם" על "עלילותם".‘ Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, über die gemißhandelte 1!>171?801-ולמלשיוים ein Wörtchen zu reden: Warum, armes ולמלשינים, hat man dich in ein Abstraktum ולמלשינות umwandeln wollen? Kanuten die Berfasser dieser Gebete nicht auch den Unterschied, zwischen חטאים =־ חוטאים, auf den Beruria (Berachoth 10, a) cmfmcrksam machte? Du wolltest ja sicherlich deine Kraftausdrücke: תעקר ותשבר ותמגר nicht ״buchstäblich" aufgefaßt wissen, wie würde sonst das ""ותבניע ״und dcmüthige" in diesen Nahmen hineiupassen? Kann nach einer physischen totalen Vernichtung noch von ״moralischer Demüthigung" die Rede sein? Dieses Schlußwort וחבניע״" läßt alles bisher Gesagte als Bild und Figur erscheinen! Dazu sind unsere Gebete auf der Höhe der Aesthetik gehalten, die jeden unzarten Ton ausschließt! 5) ״Soll ich nicht rächen, wenn ich sehe, wie der Bruder falsch, der Freund hinterlistig ist, wie nur Spott, Verleumdung, Lug und Trug die Welt beherrschen?" (Jcrcmia 9.) 6) Zu Psalm 94 kündigt Gott sich a!S ״Rächer" au: ״Wie lange sollen denn noch die Frevler triumphireu, die Frevler, die die wehrlose Waise, die betrübte, hülsloS dastehende Wittwe, den schutzlosen Fremdling ermorden?" die Frevler, die der Religion Hohn sprechen, und sieh nicht scheuen, öffentlich kund zu thun: ״Es giebt keinen . Gott?" Doch fügt David hinzu: ״Heil den ' Mann, den Gott züchtiget!" Denn, wenn Gott auch ״straft", weil die Gerechtigkeit es erheischt und um die Welt vor dem Untergang zn schützen, — der nicht ausbleiben kann, sobald den! Laster und dem Verbrechen Thür und Thor geöffnet werden, *) — so läßt er gleichwohl Barmherzigkeit der strafenden Gerechtigkeit sich zugesellen: ״Noch umgeben ,,Ihn Herrschergewalt und Schrecken," sagt daS Buch Hiob (25), ״und schon schafft er Frieden in seinen Höhen." Und das Endziel der strafenden Gerechtigkeit Gottesist überdies die Besserung des Sünders. (Siehe Berachoth 5, a.) ״׳) Näheres hierüber in טור חוש[ משפט Kap. 1, der den Ausspruch: "בל. דיין שדן דין אמת ובו' באילו נעשה שותף להקבה' במעשה בראשית" durch: על ג׳ דברים״ העולם קיים על האמת ובו'" erwart. 7) ״Jcglichcr, der Unrecht!Hut, ist ein Gräuel Gottes, gedenke, was Amalek dir gethan" u. s. w. (5. B. M. Kap. 25. VcrS 16 u. 17.) Ein Zusammenhang mit lehrreichem Wink, daß das Böse der Amalekiten, ihre Gräuelthat an und für sich, sie in Gottes Augen unwürdig machten, in die Reihe der Nationen cinzutreten; aus dem Gedächtniß der Geschichte muß ein solches Volk ausgelöscht werden. (Siehe ״Abarbanel".) Zur näheren Erläuterung sei hier Seite 256 des Religionsbuches meines Vaters זצ״ל zitirt: ״DenGuten erzeige Gutes, und vom Bösen lasse." Sirach 12, 1—9, Bereschith Rabba 19. Wer diesen Haß, nament-!ich gegen einen entschiedenen Sünder verwirft, oder gegen Stellen, wie etwa Psalm 139, 19—21, JesaiaS 26,10,11, besonders aber, wie schon oft geschehen, gegen die Formel ולמלשינים sich erklärt, der denke an jenes berühmten Dichters Worte: ״Untergang der Lügcnbrut!" in einem Liede sogar (An die Freude"), wo der Dichter liebend alte Welt umfaßt, und ausruft: ״Allen Sündern soll vergeben" u. s. rv. Oder an jene Verse Voßens: ״Nicht die Guten zu loben, so lobet er all' in einander, Wer die Schlechten nicht haßt, liebet die Guten auch nicht." Oder auch den ähnlichen Vers von Rauche: ״Wer die Dösen verschont, der schadet immer den Guten." Doch muß, wie bereits gesagt, der Haß nur gegen das Böse oder höchstens gegen den Bösen in der Absicht gerichtet,sein, ihn zn bessern, oder ihm nicht nachznahmen. 8) Muß nicht an den redlichen Denker.- der mit ernster Bibelforschnng ans Werk geht, auf den ersten Augenblick die Frage herantreten: ״Welche Idee lag der göttlichen Absicht zn Grunde, auf das vierte Geschlecht die Strafe zu erstrecken?" oder: ״Warum gefiel eS der allmächtigen und weisen Vorsehung, die Strafe ans das vierte Geschlecht zn beschränken?" Wenn Gott rächen will, nur um zu rächen, wie der Mensch sich rächt, warum begnügt er sich denn mit dem Hineinziehen des vierten Geschlechtes in die Mitleidenschaft? Ist eS doch nur allzu wahrscheinlich, daß, wenn ein Gott die Strafe auf das vierte Geschlecht erstreckt oder beschränkt, tiefe Gründe obwalten, und wir uns selbst nur dem Spotte preiSgebeu, wenn wir über die göttliche Kundgebung: פוקד ערן אבות על שלשים ועל״ רבעים" ohne Weiteres den Stab brechen! Stellt hier cm gegnerisches Wort sich ein, so darf eS uns nicht befremden, denn sicherlich fehlen alle Begriffe. (משפטיך תהום רבה Gottes Strafgerichte sind ein tiefer Abgrund znm Nachdenken, wie מאד עמקו מחשבותיך und wiederum צדקתך בהררי אל Gottcs Milde ist unermeßlich cr-

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