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Jeschurun · 1886-09-16 · Heft 37 (16.9.1886) · p. 579

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 37 (16.9.1886)
Article
Die Faselei von dem Rachegotte
Date
1886-09-16
Page
579 (sequence 3)
Language
German
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579 Liebe Gottes gepredigt wird, das erste, ihm unmittelbar vorangehende Satzglied, ihn zum Rachcgotte stempeln kann und darf? (Siehe Sota 31, a, vergl. Raschi zur Stelle.) ״Die Ahndung an dem vierten Geschlechte", so antworten wir, ist auch in der Thal nichts weniger als ein Akt göttlicher Rache; ja, ganz im entgegengesetzten Sinne, ist diese göttliche Kundgebung als eine Manifestation göttlicher Milde und Gnade zu betrachten." Zählt ja in der Heiligen Schrift (2. B. M. 34, 7) diese ״Eigenschaft der Ahndung an Kindern und Enkeln" ausdrücklich zu den ״Liebescigenschaften Gottes״; wie würde sie sonst in den Rahmen Hineinpassen: ״Ewiger, Ewiger, barmherziger und gnadenvoller Gott, langtuüthig und groß an Liebe und Treue; der da bewahret die Liebe bis ins tausendste Geschlecht, der Vergehen, Verbrechen und Sünde vergiebt, er säubert nicht, fegt nicht die Sünde auf einmal ans, sondern rechnet sie allmälich ab*) bei Kindern und Enkeln bis ins vierte Geschlecht!' Ganz dieselbe Zustammenstcllung, in etwas kürzerer Form, zu 4. V. M. l4, 18. ״Nicht vom Sterben, sondern von einem allmäligen Vermindern und Abnehmen der Sünde ist die Rede, was darum geschah, damit Gott eben nicht durch den Tod auf einmal die Sündenschuld zu tilgen brauchte." (NeligionSbuch von S. Pleßner.) (Fortsetzung folgt.) MW §rich ans nnd über AGand. Von Penict. (Aus dem Hebräischen übersetzt.) 1. Die Einheit, welche einen charakteristischen Zug in der Erscheinung des jüdischen Stammes bildet, seitdem Gott cs zum Träger seines geoffenbarten Gesetzes erkoren, wird von Allen angestaunt, von unfern Freunden und Feinden sowohl, wie von den unbefangenen Forschern. Man weiß ihr kein ähnliches Beispiel zur Seite zu stellen. Ich gedenke vielleicht später das Wesen und die Ursachen dieser Einheit einer cingehenden Untersuchung zu unterziehen. Für jetzt beschränke *) Das Geheimniß dieser Uebcrsetzung liegt in den beiden Ausdrücken: ונקה״" und ״פוקד״, worüber die Note in dem Neligionsbuche meines Vatets צל"?, Seite 16, sowie dessen Apokryphen "״נוזלים 0[ למק, Anhang, Seite 110-112, gründlich nachzulesen waren. Ich füge noch חזקוני a. a. O. und den Anhang zu שו״ת מקום שמואל, Kap. 104, hinzu, wie Naschi 3. B. M. Kap. 34, V. 6 u. 7. ich mich, derselben nur insofern Erwähnung zu thun, als sie zu dem Inhalt der gegenwärtigen Beobachtungen in Beziehung steht. Wie die fortschreitende Entwickelung auf allen Gebieten des Wissens und der praktischen Anwendung den Kreis der menschlichen Thätigkeil ungemein erweitert hat, so hat dieselbe auch vermöge der Vermehrung von in Wirksamkeit gesetzten Kräften und Mitteln dazu beigetragen, die Bethätignng jener Einheit und Zusammengehörigkeit unseres Stammes zu vermehren. Während in der früheren Zeit, bevor Eisenbahn, Telegraph und Telephon die Entfernung im Raume so- Zusagen aufgehoben, es z. B. den Juden eines Landes kaum möglich gewesen war, sich ihrer Brüder in einem andern Land thätig anzunehmen, ja selbst in einem und demselben Lande die räumliche Entfernung die Brüder von einander zu sehr trennte, so daß jene Einheit nur im Geiste empfunden, aber nicht durch die That zum äußern Ausdruck gelangen konnte, so haben diese der Gegenwart angehörigen Erfindungen auch eine Lhatsächliche gegenseitige Annäherung durch Werke der Liebe ermöglicht. So sehen wir die Juden Deutschlands und Frankreichs zum Beistände ihrer darbendcn Brüder im entfernten Rußland hcrbeieilen, als in den Jahren 5628 und 5629 in diesem Lande Hungersuoth herrschte. So streckten die Juden Rußlands in den Zeiten der Noth ihren in. weiter Entfernung wohnenden persischen Brüdern die helfende Bruderhand entgegen. Und so ließen sich noch viele Beispiele anführen, was aber bei so offenkundiger Thatsache überflüssig erscheint. Jedoch kein Licht ohne Schatten! Auch die stauncnSwcrthe Aufhebung der Entfernung im Raume, deren die Gegenwart theilhaftig geworden, bewirkt zu Zeiten Unzuträglichkeitcn und Ungelegeuheiten, ja oft bedeutendes Nebel. Wir möchten uns darüber hier näher aussprechen. Wir begegnen öfters in Zeitschriften, Büchern und Aussprüchen seitens unserer fernen Brüder in Deutschland, Frankreich und England Ansichten, Rathschlagen und Urtheilcn über russisch-jüdische Verhältnisse, namentlich in Betreff einer anzustrcbenden Verbesserung des geistigen Zustandes, in Betreff der Religion und Bildung, der Wissenschaft und des Unterrichts, welche uns mit tiefem Schmerze erfüllen. Wir haben hier nicht solche Meinungen und Urtheile im Auge, die von unfern Brüdern stammen, welche cinreißeu und zerstören, von den sogenannten Ncfornlern, deren Streben darauf gerichtet ist, bei dem Volke das Gottesgefetz in Vergessenheit zu bringen und das Judenthum zu reformiren. Mit den Reformern Deutschlands gedenken wir uns nicht zu beschäftigen. Vielmehr wenden sich unsere Worte gegen gottcssürchtige, gcsetzestreue

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