Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 37 (16.9.1886)
- Article
- Die Faselei von dem Rachegotte
- Date
- 1886-09-16
- Page
- 577 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1«. ENllk 5646. 16. September 1(386• in Haus, ©emeinbe und Schule. ücgrimdef tum Smnson 3!liphael Hirsch, ün&fnncr 11. Israefitififien ScfigionspfelFfiiaft jti #ra11£{ncl a.Ä Neue Folge. - Vierter Jahrgang. Hercmsgegebeil unter Mitwirkung des Begründers und bewährter Genossen von Isaac AirsH. Diese Wochenschrift erscheint jeden Donnerstag mindestens 2 Bogen stark. — AbonnernentspreiS bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 2^r. 50^Z für das Vierteljahr. Der Buchhandel verkehrt direkt mit der Expedition des Jeschurun zu Hannover. — Die Expedition versendet auch direct und franko unter Streifband den Jahrgang für V2 01L ober 7 Gulden österr. Währ, nach Deutschland und Oesterreichfür 14 oder 18 Fr. nach den Ländern des Weltpostvereins. — Anzeigen werden mit 25J! f. d. :!gespaltene Petitzeile oder deren Raum berechnet. — Expedition: Hannover, Artilleriestr. 29 Inhalts-Verzeichnis von Nr. 37. Die Faselei von dem Nachegotte. — Indische - Briese ans und über Nußland. — Zur Schächtsrage. — Aus der Amsterdamer Gemeinde 1795—1812 (Fortsetzung). — Wandelungen (Fortsetzung). — Die Sklaven. — Korrespondenzen und Nach« richten: Hannover, Berlin, Würzburg, Aus Ostpreußen, Wien, Lemberg, Pest, Petersburg, Kiew, Wilna, Lokatsch, Jampoli, Uman, Amerika, Aegypten. — Erkannte Irrungen (Fortsetzung.) — Drucksehlcrberichtigung. — Eingesandt. — Inserate. Die Meie! von ktti Megotte. Von Rabbiner Dr. E. Pleßner ״Aber Papa, wie kann denn ein Volk den Christen in politischer und sozialer Beziehung gleichgestellt sein wollen, wenn es sich zu dem Glauben an einen Gott bekennt, der die Vergehen der Sünder an Kindern und Kindeskindern bis zum vierten Geschlcchte ahndet? Mir wird der Aufenthalt in der Prima jetzt schrecklich verleidet. Der Pastor hat nämlich-, wie ich höre, vor einigen Tagen in der Neligionsstunde über die ,christliehe Religion der Liebe' gesprochen und bei dieser Gelegenheit die ,mosaische' als den Inbegriff der Grausamkeit hingestellt, das Alte Testament als racheschnaubend und blutdurstig so überzeugungskrästig geschildert, daß ich in der That nicht den Mutb habe, den Jungen zu widersprechen. Sie verhöhnen mich,- nennen mich ,Tigers und ich muß schweigen, schweigen wie ein ertappter Missethäter; denn mir schwebt noch auS den KonfirmationSstunden jene Stelle der ,Zehn Gebote' vor, und so muß ich die gerechtfertigten Vorwürfe meiner christlichen Mitschüler ohne Abwehr, hinunterwürgen! Papa, ich fühle mich entsetzlich unglücklich!" ״Denn mir schwebt noch aus der Konfirmation--' stunde" u. s. w. Ja, lieber Leser, das ist'S ja eben, was wir behaupten: ״Wie bekämpft man den Antisemitismus? Wenn der Gymnasiast, neben Homer und TacituS, auch jüdische Wissenschaft in den Kreis seiner Studien ziehen wird, dann wird er im Stande sei», das ,Risch uß' zu Boden zu strecken!" Aber leider sind ihm alle Zitate aus der Mischen Literatur noch nie gesehene Fremde. Er weiß eS nicht, weil er cs nicht gelernt hat, daß der Prophet Ezechiel im 18. Kapitel, im Namen Gottes, die Frevler zur Rückkehr ausfordert, um sie, anstatt zu verdammen und Rache zu nehmen für ihre Frevelthat, — was nach vulgärer nichtjüdischer Auffassung vom Alten Testamente doch das Allernatürlichsie gewesen wäre, — recht glücklich zu langem Leben werden zu lassen. .