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Jeschurun · 1886-09-02 · Heft 35 (2.9.1886) · p. 549

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 35 (2.9.1886)
Article
Die Rede des Rabbi Jecheskel Landa
Date
1886-09-02
Page
549 (sequence 2)
Language
German
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549 Weisen sagen: ein Tugendhafter sei besser als ein Engel. Dieser sei seinem Wesen nach allerdings vollkommen, die menschliche Seele aber habe den Kampf mit der körperlichen Sinnlichkeit zu bestehen und so sic Siegerin bleibe, gebühre ihr ein höheres sittliches Verdienst als den Engeln. Es wird dahcro, so fährt er fort, ein tugendhafter Mensch ein ״Gehender" מהלך genannt, ein Engel hingegen heißt ein ״Stehender, Bleibender" עומד (Sccharja 3, 7). Die Schrift sagt, daß der Engel dem Jehoschna im Namen Gottes zeigte: wenn du wirst meine Wege wandeln und meines Hauses warten, so sollst du regieren mein Haus und Hof, unh ich will dir Gänge geben unter den Stehenden. Wodurch Gott der Allmächtige ihm hat zu verstehen geben wollen, daß er auch nach srinem Tode, wo er sich keine Bcrdienste nichr verschaffen kann, weil die Seele schon vom Körper geschieden ist und er nicht mehr höher von Stufe zu Stufe sittlicher Vollkommenheit steigen kann, dennoch in Anbetracht seiner zu Gott zurückgekehrten und tugendhaft gewordenen Kinder, indem er an ihrer Bekehrung und Tugend durch seine Ermahnung und Unterweisung den größten Theil hat, nicht auf seinem Platz gleich denen Engeln stehen bleibe, sondern in dem Maße, wie seine Kinder in der untern Welt mehr und mehr Tugend und gute Werke üben werden, er in der oberen Welt mehr und mehr fortschreite. — — — Es hat also N. Pinchas sehr Recht, so er gedachter Maßen anmerkte, daß der König David nicht gestorben sei, indem sein Sohn Salomo durch die Beispiele und Lehren seines Vaters auf den! Weg der Tugend und Gottesfurcht immer mehr und mehr fortschreitet,-da David in dem Jenseits iu dem gleichen Maße ממדרגה.ל מדרכה schreitet, folglich niemals als gestorben angesehen werden konnte. Ebenso, führt Redner aus, lebte Jakob, wie R. Iochänan bemerkt, namentlich durch seinen ihm am ähnlichsten Sohne Joseph fort. Er findet hierauf die nähere Beziehung zu den Ereignissen der Gegenwart. Nichts ist leichter, meine Brüder, fährt er fort, als die Meinung der beiden weisen Meister auf unsere weiland allerdnrchlauchtigste Kaiserin-Königin und allerhöchstderoselben ganz ähnlichen vortrefflichen Sohn anzuwcnden. Es ist also unsere so geliebte, so lhcucre, so angcbetcte LandcSmutter, da sie einen ihr so würdigen, mit ebenso vielen ihr ähnlichen Vollkommenhcitcn oder Vorzügen begabten Sohn hintcrläßt, nicht׳ todt,-sondern sie lebt noch-in ihrem Sohne, in unscrm durchlauchtigsten Monarchen Josef II.--Erinnert euch, meine Brüder, daß ich vor sechzehn Jahren, als unscrm durchlauchtigsteu, großmächtigsten Kaiser Josef II. zu Frankfurt am Main die Königliche Römische Krone aufgesetzt wurde, welches den ersten Tag des Monats Nissan geschah, den hierauf folgenden Sabbath — — wegen dieser so freudvollen Feier in einer Rede die besonderen und außerordentlichen Vorzüge und Naturgaben unseres durchlauchtigsten Monarchen--zu schildern. Der Redner erörtert sodann die Berechtigung zur Trauer und Klage trotz des ForllcbenS der Kaiserin in ihrem Sohne, weil dieser selbst in tiefes Weh versetzt sei durch das Hinschcidcn der kaiserlichen Mutter, und alle Unterthanen doch gewiß auch den Schmerz des LandeSvatcrS mitcmpsinden. Außerdem wird nach der Anschauung unserer Weisen eine Trauerrede sowohl zur Ehre der noch lebenden Verwandten, als zu Ehren der Verstorbenen gehalten. Er entwirft hierauf ein Bild der verblichenen Kaiserin. Wie groß und erhaben waren ihre Gesinnungcn; wie liebenswürdig, gütig und gnädig war ihre Negierung! Wie wohlthätig habe sie sich gegen ihre Unterthanen und and) gegen unser Volk, dem sie iu ihren Staaten Schirm und Schutz allerhnldreichst angedcihcn ließ, bezeugt.-Erwäge ich nach meiner geringen Einsicht die Führung ihrer glorreichen Regierung-und denke ich noch hinzu wie eS, möglich war, daß eine Frau so viele wichtige Geschäfte behandeln und besorgen konnte — die Erlassung von so vielen heilsamen Verordnungen und Gesetzen, die Berufung der geschicktesten Männer zur Ausführung der Staatsangelegenheiten während einer vierzigjährigen Negierung.-Von ihr kam! in Wahrheit mit einem Salomo gesagt werden: ihren Mund hat sie der Weisheit geöffnet imb das Gesetz der Gutheit ruhte auf ihrer Zunge. Er schildert dann ihren starken Geist, ihren Heldenmutl), ihre Standhaftigkeit, ihre mit Milde gepaarte Gerechtigkeit. So war ihr Augenmerk bloS auf das Wohl ihrer Staaten und Unterthanen geheftet. Sie bemühte fid), nach allen Kräften daS Elend. Jammer und Noth aus ihren Reid)en zu verbannen. Ihr erinnert euch, meine Brüder, der betrübten, schreckcnSvollen Zeit, da unser sonst gesegnetes Vaterland mit Thcucrung und Hunger gestraft wurde. Sobald daS Geschrei des Jammers zu den Stufen ihres geheiligten Thrones drang, wie fühlte utd)t ihr Herz die Noth, das klagende Jammern der armen Unterthanen! Welche Mühe und Sorge wandte sic nicht an, durch die tresflichstcn imb schleunigsten Anstalten den Hunger aus den elenden Hütten ihrer Völker zu vertreiben! Ließ sie nid)t, wie eine wahre Mutter für ihre Hungerleidenden Kinder sorgt, eine Menge Getreide und andere Lebensbedürfnisse hcrbeischafsen. und verhinderte sie nicht, daß der Tod Tausende der Elenden aus Mangel an Nahrung wegrasscn konnte?! Gütigster Gott, der Du wahrhaft und'getreu in Deinen Verheißungen bist, belohne unserer nnnmehr verklärten Monarchin diese

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