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Jeschurun · 1886-09-02 · Heft 35 (2.9.1886) · p. 548

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 35 (2.9.1886)
Article
Der innere Richter
Date
1886-09-02
Page
548 (sequence 3)
Language
German
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548 ״ צדק צדק תרדף למען תחייהGerechtigkeit, Gcrechtigkeit sei dein Ziel, damit du lebest!" Nicht etwa, damit du das Leben in gewöhnlichem Sinne zu genicßcn im Staude seiest und nur so weit du die Mittel dazu dir mehrst, der Gerechtigkeit folgest, sondern damit du dem Ewigen lebensfähig erscheinest. ״Der Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit eile nach," wem! du sie hast vor dir entfliehen lassen, wenn sie vor den spitzfindigen Folgerungen deiner Selbstsucht weichen mußte. WaS müssen die Richter thnn, deren Urtheil als unberechtigt sich herausgestellt hat? Sie werden das Verfahren von Neuem beginnen müssen, 11111 den Irrthümcrn, worauf ihr Wahrspruch sich gegründet, zu entgehen. So wird auch im Innern des Menschen, wo die Seelenkräfte ihr Urtheil abzugebcn haben, das Gericht wiederum ansangcn, und diese Rückkehr zu einem gerechten Wahrsprnche neunen wir תשובה י. Die Grundbcstimmung des Gesetzes ist gebeugt worden, um unserer Selbstsucht zur Entschuldigung zu dienen; stellen wir das אבני wiederum in reiner Auffassung her: ״Ich bin dein Gott und Herrscher, bin Ausgangspunkt und Ziel des Gesetzes, weil ich dich ohne dein Verdienst aus Mizraim geführt habe. Deine Freiheit ist mein Werk, so müssen deine Thatcn meinen Zwecken dienen." So ist nicht unser Bortheil, sondern der Ewige ׳ selbst der Mittelpunkt des Daseins; unsere Empsindung, wie unser Verstand muß dies stets zum Maßstabc nehmen, die Richter an den Thoren der Seele müssen vor jeder That, vor jedem Genüsse fragen, wie diese Thalsache mit jenen allein maßgebenden Zielen übereinstimmt. Alle Dinge werden darin eine andere Gestalt erlangen, die Erwägung irdischen Vorthcils muß in den Hintergrund treten, und die Vollführung deS göttlichen Willens das einzige Ziel unseres Wirkens bleiben. Je mehr wir wissen, welchen Lockungen das Menschen- Herz auSgesctzt ist, desto entschiedener werden wir au dem gcsainmtcn Gesetze festhaltcu, werden seine Schranken als wohlthätig und förderlich empfinden, werden allen Ablenkungsversuchen, in welcher Gestalt sic sich auch äußern, Entschiedenheit entgegensetzen, }?וירשת את האד אשר ת אלקיך נותן לך, um noch vor dem Eintreffen der mcssianischcn Zeit von. dem ׳heiligen Gebiete der Thora, so viel in unserer Kraft liegt, wieder in Besitz nehmen zu können! So erscheint dieser Schristvers, ohne dem Wort׳ sinne und der buchstäblichen Deutung untren zu werden, indem wir der Andeutung deS של״ה folgten, in acht jüdischem und acht menschlichem Lichte, und unsere Wiedervereinigung mit Jndcnthum und Mcnschthnm ist ja das Ziel der vor uns liegenden Bußzeit. Gilt Me des Rabbi Ircheskel lanba. (Schluß.) Redner wendet sich nun wieder der dahingcschicdenen Kaiserin zu und stellt den Satz aus, daß man eigentlich von dcrem Tode nicht sprechen könne. Ihr erstaunt darüber, ruft er der Versammlung zu, doch ihr werdet mir bald cingestehen, daß ich aus Gründen rede. In der Gemara, Massechcth Taanith, behauptet R. Jochanau, daß unser Vater Jakob nicht gestorben sei. Wenn dieses wäre, widerlegt ihn R. Nachman, so hätte man ihn vergebens bedauert, cinbalsamirt und begraben?? Allein N. Iochanan vcrsetzt: ich bleibe bei meinem Satze und beziehe mich auf Jeremija (30, 10), der da sagt: Fürchte dich nicht, mein Knecht Jakob, spricht der Herr, und entsetze dich nicht, Jisracl, denn siche, ich will dir helfen und deinem Samen. Da nun in diesem Satze Jakob selbst mit seinem Samen gleich gehalten wird, so schließe ich, daß, nachdem sein Samen noch lebt, also er, Jakob, noch leben muß. Ich sehe eS euch au, daß diese Antwort nicht gänzlich euerer Meinung Genüge leistet. Ich werde derhalben, euch zu überzengeu, noch eine Stelle aus Gemara Baba Bathra 0 16) au führen, wo R. PiuchaS sagt: es steht geschrieben: (Könige I, 11) Da nun Hadad in Mizrazim hörte, daß David entschlafen wäre mit seinen Vätern, und daß Joab, der Feldherr, tobt wäre.... Von David heißt eS, daß er nur entschlafen (שנב), von Joab aber, daß er todt sei (מת). Diese verschiedenen Ausdrücke in der göttlichen Schrift, alwo kein Pünktchen verschrieben steht, müssen ganz gewiß auch verschiedene Bedeutung , in sich enthalten; nämlich, weil David einen Sohn hinterließ, der ihm an Vollkommenheit ähnlich war, darum bedient sich die Schrift nicht des Wortes מת, gestorben oder todt, sondern sagt nur שכב, er sei entschlafen. Von Joab aber, der keinen ihm ähnlichen Sohn hintcrließ. sagt selbe ״gestorben". Ich will trachten, euch dieses mit Wenigem begreiflich zu machen. Eö ist euch bekannt, daß der Mensch aus Körper und Seele zusauiincugesctzt ist, und daß der Tod nur von dem Körper, nicht aber von der Seele, welche unsterblich ist, könne verstanden werden. Redner führt diesen Gedanken weiter aus und bemerkt, daß man nur in einem einzigen Falle auch von der Seele ein Anfhören, eine Vergänglichkeit Prädizircn könne, wenn sie nämlich das ihr für die Zeit ihrer Vereinigung mit dem Körper gesteckte Ziel anstrebe oder erreiche. Dasselbe bestände in nichts Anderem als in dem Streben nach Tugend, in der Erfüllung der von Gott ihr gesetzten Pflichten. Unsere

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