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Jeschurun · 1886-08-26 · Heft 34 (26.8.1886) · p. 538

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 34 (26.8.1886)
Article
Deutschland : Hannover [Nachricht]
Date
1886-08-26
Page
538 (sequence 2)
Language
German
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538 Das WohlthätigkeitSbudget derselben muß erheblich vcrmehrt werden, daneben aber auch die Vereins- und Privat-Wohlthätigkeit sich zu stärkeren Leistungen als bisher gedrungen und befähigt fühlen. Auch die Derhältnisse des mittleren GewerbcstandcS verschlechtern sich stetig. Nur ein atlseitigeö kräftiges Zusammenwirken der verschiedenen Faktoren kann einer größeren Verarmung Vorbeugen. * Berlin, 18. August. Die .,Kreuz-Ztg." hat die Ausführungen der auch von uns mitgetheilten Korrespondenz der "Frankst. Ztg." nicht unerwidert gelassen. Oie ״Frankst. Ztg." schreibt hierüber folgender- :näßen: Die ״Kreuz-Ztg." kommt heute auf die AuSlassnngcn zurück, die wir vor vier Tagen an ihren Iudcnhctze-Artikel geknüpft haben. Aber schade, das Organ der Fraktion dcö getauften Juden Stahl antworlct nicht auf die direkt an dasselbe gerichtete Frage, wie es über die getauften Juden denke. Das ist ja der wunde Punkt, an welchem Herr Stöcker und sein frommes Gefolge immer einen logischen Sprung machen müssen. Sie bekämpfen den Juden seiner Nasse wegen; der Semit, nicht der Bekenner der mosaischen Religion, ist der Feind; als gute Christen wagen sie aber nicht, wenn sie direkt darauf angesprochcn werden, ihren Haß auch auf den durch die Taufe zu ihrem christlichen Bruder gewordenen Semiten anszudchnen. Es ist eine Ironie des SchicksalS, daß die ״Kreuz-Ztg." in demselben Augenblick, da sic im Sinne des Drnmond'schen Buches die getauften Juden genau so wie die nngctauftcn bckämpst, mit lobenvwertheni Eifer für den konservativen Kandidaten im Bromberger Wahlkreise, den langjährigen Fraktionsgenossen des Herrn v. Hammerstein, eintritt, obwohl ihr doch gewiß bekannt ist, daß. dessen Wiege im Breslauer Judenviertcl gestanden hat. Das konservative Blatt findet, daß unser Hinweis auf die Verhältnisse im ersten Berliner Wahlkreis, wo nur der antisemitische Charakter der bisherigen konservativen Kandidaten gewisse Finanz- Männer abgehallen hat. für sic zu stimmen, ein ״kleinlichcr Gesichtspunkt politischen Schachers" sei und fügt hinzu, die mittelparteilichen Bestrebungen würden sich nicht geschmeichelt fühlen über den Kalkül, in den wir sie hincingezogen hätten. Ja. glaubt denn die ״Kreuz- Ztg.", daß es unsere Absicht ist, mittelparteilichen Bestrcbungen zu schmeicheln? Sie kann doch unmöglich im Zweifel geblieben sein, daß wir für die Leute, die ״lediglich im Antisemitismus das Hindern iß erblicken, ihre konservativen Neigungen auch bei den Wahlen zum Ausdruck zu bringen" — herzlich wenig Sympathie haben. Die jüdischen Finanzmänner, deren Liberalismus nur so lange vorhält, als sie antisemitische Fußtritte bekommen, und für die ein offiziöser Rüffel, der Herrn Stöcker ertheilt wird, schon hinreicht, um ihr gouvernementales Herz und ihre Neigung zur Aristokratie zu entdecken, sind vor Schmeicheleien von unserer Seite sicher. Ihnen schmeichelt man von anderer Seite. Oder sollte eS der ״Kreuz-Ztg." unbekannt sein, daß bei den letzten Wahlen konservative Agitatoren mit klangvollen Nainen bei solchen Herren antichambrirt haben, um ihre Unterstützung für die Konservativen zu erlangen? Das war gerade im ersten hiesigen Wahlkreise, und weil uns dessen Verhältnisse speziell bekannt sind, haben wir auf ihn als Beispiel hingcwiesen. Es liegt in anderen Kreisen und Städten ähnlich, denn der kleinliche Schacher, den die ״Krenz-Ztg." uns vorwirft. ist bei dm letzten Wahlen ganz allgemein, zwar nicht von ihr — das räumen wir ein —, wohl aber von den ossiziösen und mittelparteilichen Organen versucht worden, die damals Artikel gegen den Antisemitismus und Herrn Stöcker lediglich zu dem Zwecke brachten, um den Nationalliberalen und sonstigen gouvernementalen Elementen, und nicht in letzter Reihe gewissen einflußreichen Finanzmännern die Scheu vor dem Wahlbündniß mit den Konservativen zu benehmen. Daher staniml ja der Ausdruck ״anständige Konservative" im Gegensatz zu den zu stark kompromittirten Stöcker, Cremer, Wagner und Genossen. Daß sich die einen von den Anderen nur in der Form, im praktischen Antisemitismus aber nicht unterscheiden, haben wir von Anfang an betont und der ״Krcuz-Ztg." für ihre neuliche Offenheit nur deshalb gedankt, weil sie den Beweis für die Richtigkeit unserer Ansicht von Neuem erbrachte. So ״kleinlich" wäre übrigens speziell der Hinweis aus den ersten Berliner Wahlkreis doch wohl nicht; wir können uns recht gut den Jubel der gesammten konservativen Presse vorstellen, wenn cS gelingen sollte, diesen bis jetzt durch Ludwig Locwe vertretenen Kreis der Fortschrittspartei zu entreißen. Leitartikel und Jubclhymnen würden dann ״über die Befreiung deS Herzens der Reichshanptstadt vom sortschrittlich-jüdischen Joch" und die ״Eroberung des ersten Wahlkreises des deutschen Reiches" geschrieben werden. X X Dettingen, 16.August. Dem ״Baier. Kurier" wird von hier geschrieben: ״Auf Grund einer Regicrnngsentschlicßnng wurde der hiesige israelitische Schächter Markus Gutmann von hier anSgcwiescn, wenn derselbe nicht den Gouveruementspaß beibringc. Dies wäre für den Mann .mit bedeutenden Kosten (Reise nach ^Russisch-Polen und Aufstellung eines Vertretcrs mi Schächterdienste) verbunden gewesen. Der hiesige Kultusvorstand und mit ihm die ganze israelitische Gemeinde traten nun für Gatmaun ein und der hiesige Magistrat beschloß in seiner heute Nachmittag abgehaltenen außerordentlichen Sitzung mit allen gegen eine Stimme, dem re. Gutmann, der sich seit sieben Jahren in der besten Weise hier beleumundete, als Oettinger Bürger aufzunehmen und ihm gegen Entrichtung. der

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