Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 34 (26.8.1886)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1886-08-26
- Page
- 537 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 84. 537 Feschrrrun. KorrcsDlldcnzcn und Nachrichten. Deutschland. # Hannover, 25. August. Der Vorstand des Vereins zur Unterstützung israelitischer Arme und Bejeirigung der Hansbcttelei in der hiesigen Synagogengemeinde veröffentlicht soeben seinen Rechenschaftsbericht über das sechste Jahr seiner Wirksamkeit. Wir entnehmen demselben folgende Daten. Die Einnahme setzte sich aus Beiträgen der Mitglieder ad 10932 JL, Geschenken ad 1163.03 ■\k. nnd Zinsen zeitweise bclegier Kapitalien 49.79 JC. zusammen; sie beträgt im Ganzen 12 144.82 JL Die Ausgabe beziffert sich auf 14 517.78 di und zwar: für baare Unterstützungen Hiesiger 3676.70 dk] für Unterstützung und Fortschaffung Ausgewiesener 5954.20 dk] Unterstützung Durchreisender 3134 c//£; Naturalienvertheilung nnd für Peßach 725.68 dk] Verwaltnngskosten 944.70 c,/£. An Vorschüssen waren 1824 dk ausgcliehen worden, von welchen 1741.50 zurückgezahlt sind; so daß für diesen Unterstützungszweig 82.50 dk in Ausgabe gelangt sind. Die Ausgabe überstieg die Einnahme um 2372.96 dk, welcher Ausfall thcilwcise durch die Ueberschüsse der früheren Jahre von 1731.23 gedeckt sind. Es bleibt also ein Defizit von 641.73 Jk. — Die Einnahme war gegen das Vorjahr um 374.49 dk geringer. — Die Anzahl der Mitglieder hat abgenommen. — Der Bericht spricht sich über die Ausgabe folgendermaßen aus: ״Was die Ausgaben anbetrifft, so ist die Höhe derselben in erster Linie auf die großen Kosten zurückzusührcn, welche dadurch entstanden sind, daß wir uns genöthigt sahen, die von hier ausgcwiescnen Ausländer mit Unterstützungen zu versehen. Wir nehmen dieserhalb Bezug auf Dasjenige, was wir im vorjährigen Geschäftsberichte bereits mitgetheilt haben und hier in seinem vollen Umfange bestätigen können. Wie ja genügend bekannt, hat sich, wie in anderen Provinzen des Königreichs Preußen, auch die Königliche Polizeidirektion hiersclbst veranlaßt gesehen, einem erheblichen Thcile der hier anwesenden Ausländer, zu dem auch eine große Menge der von uns bislang unterstützten jüdischen Armen gehört, den ferneren Ausenthalt im Königreich Preußen zu verbieten und ihnen ausgegeben, binnen einer kürzeren oder längeren Frist das diesseitigc Staatsgebiet zu verlassen. Unter den Ansgewiesenen befinden sich Familien, welche sich schon seit zehn und mehr Jahren hier aufhalten, und die sich zum Theil, auch ohne die Hülse der Gemeinde und unseres Vereins in Anspruch zu nehmen, anständig ernährt haben. Für die durch die Ausweisung Betrofsenen ist natürlich diese Maßregel höchst bedauerlich. Der Gesanlmtvorstand glaubte nun einmüthig, diesen traurigen Zustand, durch welchen arme, verlassene Familien, die zum Theil sich eines großen Kindersegens erfreuen, in die weite Ferne und in ein ungewisses Loos Hinausgetrieben werden, soweit es in seinen Kräften steht, dadurch etwas mildern zu sollen, daß er., die Ausgcwicseuen auf dem billigsten Wege per Eisenbahn, sei eS in ihre russische oder österreichische Hcimath, sei cs nach ihrer eigenen Bestimmung in ein von ihnen gewähltes fremdes Land, expedirm ließ, da dieselben sonst genöthigt sein würden, die weite Ruse mit ihren Familien zu Fuß an zu treten. Außer den nöthigsten Zehrungskosten wurden denselben, je nach ihrer Würdigkcit, noch kleine mäßige Beträge in baarem Gelde eingeyLndigt. Die Zahl der Ausgewiesenen betrug im vergangenen Jahre 104 Familien, für welche aus den Mitteln des Vereins die Summe von 5954.20 Jk verausgabt wurde. So groß und drückend auch diese Summe erscheinen mag, so wären wir doch nicht im Stande gewesen, den trostlosen Zustand der durch die Ausweisung Betroffenen einigermaßen zu mildern, wenn nicht das hier befindliche sogenannten Nussen-Komitee uns zur Seite gestanden und fast die sämmtlichen ihm noch zur Verfügung stehenden Mittel im Betrage von etwa 3200 di für die von der Ausweisung betroffenen russischen Inden bcigesteucrt hätte." Und. ferner: ״Die Anzahl derjenigen Hülfsbedürfligen, denen wir in diesem Jahre Darlehen und Vorschüsse gewährt haben, ist von 21 Parteien auf 14 und die Ausgabeposition hierfür von 3423 dk auf 1824 zurückgegangeu. Wir sind bei dieser Bewilligung wiederum von der Ansicht ausgegangen, daß der Zweck unseres Vereins, Schutz gegen Verarmung bezw. Förderung der Erwerbsfähigkeit, durch diese Art von Unterstützungen wesentlich gefördert wird. Thatsächlich sind denn auch unsere Erwartungen in dieser Beziehung vollkonunen erfüllt. Während wir nänilich einerseits gezwungen waren, einen Theil der in früheren Jahren gegebenen Vorschüsse im Betrage von 984 Jk als uneinziehbar niederznschlagen, hat andererseits ein großer Theil unserer Schuldner in anznerkenncudcr Weise in kleinen aber regelmäßigen Raten, und zwar im Gesammtbetrage von 1741.50 j£, Rück- Zahlungen geleistet, und ist dadurch die noch ansstehende Snmntc von Darlehen und Vorschüssen, die am Schluffe des Jahres 1884/5 2746.50 dk betrug, auf 1845 zurückgegangen." Die Verwaltung schließt mit der traurigen aber durchaus richtigen Betrachtung, daß die Zahl der hier seit langen Jahren wohnenden inländischen Armen sich von Jahr zu Jahr vergrößert, für deren ״wirkliche Unterstützung" die bisherigen Mittel des Vereins nicht auöreichen. Wir theilen diese Ansicht in vollstem Umfange. ES bedarf hierfür einer viel bedcutenderen Inanspruchnahme der Gemeinde lasse.