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Jeschurun · 1886-08-12 · Heft 32 (12.8.1886) · p. 510

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 32 (12.8.1886)
Article
Erkannte Irrungen
Date
1886-08-12
Page
510 (sequence 2)
Language
German
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510 litaten vorgenommen. Franz von Colmar verlangte die strengsten Bedingungen: auf Leben und Tod, und Rafael akzeptirte dieselben ohne Weiteres. Die Sckunbauten entfernten sich einige Schritte und hielten in leisem Flüsterton eine kurze Verathung. Das Resultat! dieser Bcrathung war, daß sie einstimmig erklärten, die Natur des Konfliktes sei keineswegs eine solche, die keine mildere Bedingungen nach den Begriffen der Ritterlichkeit vertragen können, und daß sie sänuntlich für den Fall der Fcsthaltuug an dieser Bedingung ihre fernere Mitwirkung versagen müßten. Die Sckunbauten schlugen vor. bis zum ersten Blut zu kämpfen, wovon aber weder Rafael noch Franz etwas wissen wollte. Die Sekundanten Rafaels machten nun den LerniittelungS Vorschlag: bis zur Kampfunsähigkcit. Rafael fand diesen Borschlag schon annehmbar, aber Franz sträubte sich heftig dagegen, sich noch immer an seinen ersten Wunsch klammernd, und cs bedurfte der wiederholten Drohung der Sekundanten, ihr Mandat' niederzulegcn, um auch ihn gefügig zu machen. Dieser Punkt war demnach geschlichtet. Da die Waffen noch nicht zur Stelle waren, lagerten die Sekundanten sich in das Graö, welches an der Seite des WegS üppig wucherte, während die zwei Gegner ansrccht, einander den Rücken zukchrend, standen. - Mit über der Brust verschränkten Armen blickte Nasacl sinnend vor sich hin. Die düstere Melancholie der Landschaft ging in seine Seele über. Was ist das Leben?.... Ein dünner Wasserfaden, der weinend an die Scholle geschniiegt, dahinschlcicht zwischen den gigantischen Dimensionen der Natur. Tiefe Schalten nmbreiten das Woher? Wohin? — Zeder Kiesel giebt dem Lauf eine andere Wendung. Ein rastloser, im Innern liegender Trieb gönnt keine Ruhe, treibt immer weiter, selbst von den wenigen Plätzen, welche ein blasser Schein erhellt. Der Himmel mit seinem hehren Licht׳ schätze bespiegelt sich schöner als gebrochenes Geflimmer in dem ewig bewegten Elemente, der Widerschein der ewigen Natur wird zu einem formlosen. Zerrbild aus demselben, leine Ruhe, keine Einheit, keine Harmonie, so lange cS auf der Oberfläche geht! Und dann?... Wenn der klägliche Wasscrstrciscn im schauerlichen Labyrinth des WcltmysteriumS verschwunden ist, an dessen Schwelle dem schärfsten Spaherblick nichts wie orkysche Schatten entgegcngähneu? Wird die Bewegung ohne Ende fortgesetzt im Reich drüben, in welchem die Begrisje von Zeit und Raun! ansgchört haben, oder stehen die unermüdlichen Triebe endlich still im seligen, nie gestörten Anschauen der Nirwana?... Ein fragender Nus klang durch die Nacht — Nasael zuckte zusammen... als ob seine Frage ihm als die einzige Antwort von drüben zurückhallte! Er hatte.noch nie solche trübsinnigL Gedanken gehabt. Die Sekundanten, welche in den! fragenden Ruf die Stimme deö um Waffen ansgeschickte,1 Freundes erkannten, sprangen ans und antworteten. Nach einigen Minuten war der Wagen mit den Waffen au Ort und Stelle; cs waren sechs Säbel da: zwei geschliffene für die Duellanten und vier stumpfe für die Sekundanten. Die zwei Fcchtsäbcl wurden verglichen, den Gegnern in die Hand gegeben und die Distanz bestimmt. Bevor der Wasfengang eröffnet werden sollte, entfernten die Sekundanten sich noch cinmal ein wenig abseits und wechselten einige flüchtige Worte unter einander. Die finsteren Blicke, mit welchen die Gegner einander maßen, veranlaßte sie, sich über etwas Beunruhigendes auseinander'zu setzen und zu einigen. Hernach stellte man sich in Kampsordnung auf. Die Gegner mit den im Mondschein funkelnden Klingen in der Faust einander gegenüber, mit der Spitze des vorgcstrccktcn rechten FnßcS die Distanzlinie berührend, zu beiden Seiten je zwei Sekundanten, ebenfalls die Säbel in den erhobenen Händen. ״Eins!"... Die Klingen der Fechter berührten sich leise klingend mit den Spitzen... ״Zwei!"... ״Drei!" Die Klingen flogen blitzend auseinander, um im nächsten Augenblick wieder blitzend und klirrend auf einander loszufahren. Verhangnißvolle Stille schwebte über dem ernsten Schauspiel. Ein stetes, blitzartig in der Luft hcrunizuckendeS Funkeln und ein fortwährendes Klirren ... Dazwischen klang das traurige Gemurmel der Quelle. Die Blicke der Gegner hingen fest und entschlossen am Laufe der Klingen, die Sekundanten beobachteten mit ängstlicher Spannung den Verlauf des Zweikampfes, und ihre Säbel lauerten, bereit jeden Augenblick einzugreisen. Sie schienen ihren Klienten nicht recht zu trauen. Rafael und Franz waren beide geübte Fechter, es wollte Keinem gelingen, dem Andern einen Vortheil abzngewinncn. Sie fochten bereits fünf Minuten. Dem stolzen Kavallericofsizier fing an die Geschichte zu lange zu dauern, er hatte vermeint, den Phrasenreichen jüdischen Schuljungen früher abthun zu können, und der Aergcr über die Verschleppung erweckte in ihm wieder die mühsam unterdrückte nervöse Ausregung und Leidenschaftlichkeit. Seine Hiebe, wurden immer heftiger, blitzartiger. Jetzt führte er einen wuchtigen Quarthieb gegen den rechten Arm NasaclS aus, den dieser nur mit knapper Roth pariren konnte.״ In dem Augenblicke aber, in welchem die Säbel aneinanderklangen, schwenkte Franz den seinigen mit verblüffender Plötzlichkeit in weiten! Kreis nach abwärts, um ihn mit nach auswärts gekehrter Schneide an seinem Gegner emporfahren zu lassen. ES ist dies ein sehr gefährlicher Hieb, der, da er gegen den Bauch geführt wird und dessen Verwundung mit der Säbelspitze zur Folge hat, in der Regel dm Tod verursacht. Alle vier Säbel

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