Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 31 (5.8.1886)
- Article
- Die Lehrerversammlung zu Kassel
- Date
- 1886-08-05
- Page
- 484 (sequence 3)
- Language
- German
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- Hanau 1× ep/1047937
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484 dieselben nicht lediglich auf schulfreie Tage angesetzt zu werden, brauchen. Die Königliche Negierung schickte diesen Antrag den Vorsteherämtern zur Kenntnisnahme und gutachtlichen Meinungsäußerung zu. Drei derselben (Fulda, Hanau und Mal bürg) erachteten die AuSführungen des Antragstellers für gut und praktisch unerklärten sich auch ihrerseits für die Einführung von Spezialkouferenzcn. Daö vierte Vorsteheramt (Kassel) scheint sich die Entschließung noch Vorbehalten zu haben und wollte diese anscheinend von der Ansicht der Konferenzbesucher abhängig machen, die sich über den etwaigen Nutzen oder Schaden, über die Nothwendigkeit oder Ucberftnjsigkeil solcherBezirksversammlungen aussprechen sollten. In längerer Rede nahm Herr Landrabbiner Br. Prager Stellung zu dem die Einführung der Bezirksversammlungen bezweckten Anträge, räumte zwar ein, daß solche Versammlungen manches Gute bezwecken könnten, meinte jedoch, daß dies in ausgedehnterem Maße ans der größeren Jahresversammlung geschehen würde, daß diese von jener auch erheblich geschädigt und daß das bisher so rege Interesse der hessischen Lehrerschaft für die Jahresversammlung durch die kleineren Versammlungen bcciuträchtigt werden könnte. Andere Redner schoben dem mehrfach erwähnten An< trage noch viel wcitergehende Folgen, Böswilligkeit, Herrschsucht der Rabbiner u. dcrgl. unter, glaubten sogar die Existenz der JahresversammlunL wenn nicht schon erschüttert, so doch bedroht, und befürworteten natürlich die Ablehnung des Antrages. Nur zwei Lehrer sprachen auö der Praxis für die Zweckmäßigkeit solcher Versammlungen eines kleinen Bezirks, betonten den großen Segen des freundschaftlichen Verkehrs zwischen Rabbiner und Lehrer, sprachen von den in solchen Zusanunenkünften leicht beiznlegendcn etwaigen Zwistigkeilen zwischen Lehrer und Gemeinden, was in großen Versammlungen nicht möglich ist, hoben die Noth- Wendigkeit mehrmaliger Zusammenkünfte im Jahre, die Harmlosigkeit des so mißfällig aufgenommenen amtlichen Charakters der Konferenzen hervor u. s. w. ES wurde ferner darauf hingewiesen, daß der der Jahres- Versammlung zur Meinungsäußerung vorgelegte Antrag dcS Kasseler Vorsteheramics eigentlich an eine .,falsche Adresse" gerichtet sei, da ja die Lehrer aus dem Fuldaischcn, Hanauischen und Marburgischen, woselbst die Konferenzen bereits eingeführt sind, bezw. demnächst abgehalten werden, gar nicht um ihre Meinung in der Sache befragt werden köuuten. Ed sei diese Frage hier eine Angelegenheit, die das Vorsteheramt zu Kassel auf irgend welche Art und Weise mit den ihm unterstellten Lehrern ordnen könne, die aber gar nicht vor die Jahresversammlung gehöre. - Nachdem hierauf noch einmal Herr Lsndrabbiner Br. Prager zum Schluß das Wort ergriffen und sich in seinen Ausführungen jetzt mehr oder minder auf den Standpunkt der die Errichtung der Spezialkonferenzen befürwortenden Lehrer gestellt hatte, beschlossen auch die zum Borstchcramtsbezirke Kassel gehörenden Lehrer durch Stimmenmehrheit ihrerseits, neben der Jahresversammlung noch eine jährliche Bezirkskonferenz abznhalten. — Während der Debatte über diesen Antrag, bei der cs zu recht lebhaften Außeinandersetzungen kam, war die Zeit ziemlich weit vorgerückt, und um die Geduld der Kollegen nicht allzusehr in Anspruch zu nehmen, stellten die übrigen Antragsteller ihre Anträge für die nächste Jahres- Versammlung zurück. Nachdem der seitherige HauptauSschuß durch Akklamation wiedergcwählt war, wurde die Tagesordnung für die nächstjährige Konferenz fest׳ gesetzt. Von dreien zur Wahl gestellten Referaten wurde von der Versammlung: ״Die Fortbildung des israelitischen Lehrers im Hebräischen und Rabbinischen" gewählt; das Neserat, bezw. Korreferat übernahmen die Herren Oppenheim-Treysa und Plaut-ZimmerSrode. Bei dem nunmehr folgenden Festmahle kam die Gemüthlichkeit zu ihrem Rechte; daß es an den üblichen Toasten nicht gefehlt, versteht sich von selbst. Fassen wir den Verlauf der Konferenz in ein Gesannuturtheil zusammen, so müssen wir freudig anerkennen, daß sie sich im Vergleich mit der vorjährigen durch Ruhe, Ernst und Würde, sowohl während des Vortrages als auch der Debatte, auszeichnete, was durchaus nicht ausschließt, daß die Geister zuweiten recht heftig ans einander platzten. Doch wurde, Dank der umsichtigen Leitung des Herrn Vorsitzenden, stets die Objektivität gewahrt. Hoffen und wünschen wir, daß die hessische Lehrerschaft stets wie bisher zum Segen der Schicke und Gemeinde treu und fest in ihren Versammlungen und Vereinsbestrebungen Zusammenhalten möge. Zur rusßshen Iudmfmge. (Schluß.) Inzwischen hatten die litauischen Juden auö dem Wortlaut der kaiserlichen Dekrete über die Kolonisation herausgefunden, daß eö ihnen auch gestattet sei, in Lithauen selbst ohne jegliche Unterstützung aus eigenen Mitteln zur Landwirthschaft überzugchen. Die betreffenden kaiserlichen Provinzialbehörden theilten diese Ausfassung, und so erfolgte eine massenhafte Aus- Wanderung reicher und wohlhabender Juden aus allen Städten LithancnS auf das stäche Land. ״Diese sämmtlichen Familien kauften oder pachteten in vorgeschriebener Entfernung von christlichen Ortschaften Grund-