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Jeschurun · 1886-08-05 · Heft 31 (5.8.1886) · p. 483

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 31 (5.8.1886)
Article
Die Lehrerversammlung zu Kassel
Date
1886-08-05
Page
483 (sequence 2)
Language
German
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483 Lehrer Hessens unter der bewahrten Leitung des Seminardirigenten Herrn Dr. Stein-Kassel statt. Wie alljährlich, so erfreute sich auch in diesem Jahre die Konferenz eines sehr zahlreichen Besuches. Die Lehrer aus den ehemaligen Provinzen Nieder- und Oberhessen waren nahezu vollständig erschienen; außerdem bemerkten wir mehrere junge Lehrer aus Nachbarprovinzen, die auf dem Seminare zu Kassel ihre Ausbildung empfangen und durch den Besuch der Jahresversammlung ihre Be- Ziehungen zu den hessischen Lehrern aufrecht erhalten wollen, sowie einige Ehrengäste, z. B. Herrn Landrabbiner Du. Prager, Herrn Gemeindeältesten Plaut- Kassel, als Delegirten des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, Herrn Prediger Fackenhcim-Mühlhausen i. Th. und einige christliche Kollegen Kassels. Im Ganzen wird die Versammlung von 65—70 Thcilnehmern besucht gewesen sein. Nach Absingung eines Chorals ergriff der Vorsitzende der Versammlung, Herr vr. Stein, das Wort zu einer BegrüßungS- und Eröffnungsrede, in der er die Ideale schilderte, die des Lehrers schwere Ausgabe erleichtern helfen und allein ihm seinen Beruf lieb und theuer machen können. Seine Rede gipfelte in dem Wunsch, daß der Idealismus in der Lehrerwelt über- Haupt und insbesondere bei den Lehrern unseres Versammlungsbezirkes stets eine Stätte finden möge. Nach Begrüßung bezw. Vorstellung der Gäste und Ehrengäste ergriff Herr Gemeindeältester Plaut das Wort, um als Delegirter deö deutsch-israelitischen Gemeindebundes den Lehrern den Dank des Gemeindcbundes für ihre Bemühungen für die Buudeszwecke auSznsprechen, ihnen die Vortheilc auseinander zu setzen, die der Bund Gemeinden und Lehrern bietet, und letztere zu ersuchen, immer mehr für die Leistungsfähigkeit des Bundes zu wirken; zum Schlüsse sprach er die ganz besondere Anerkennung des Gemeiudebundes über die Leitung und die Wirksamkeit nuferer Konferenz aus. — Aus dem hierauf vom Vorsitzenden Namens des Hauptausschusses erstatteten Jahresberichte heben wir hervor, daß der schon seit Jahren pensionirte Lehrer Herr Gutkind-Zicrenberg im vorigen Jahre unter großer Belheiligung seitens der Gemeinde, der Lehrerschaft und weiterer Kreise das Fest der goldenen Hochzeit gefeiert. Nicht minder erhebend und die Lehrerschaft ehrend war das fünfzigjährige Dienstjubiläum des Herrn Rothschild-Treysa, dessen Pcnsionirung gleichzeitig mit der Jubiläumsfeier erfolgte. Der Tod zweier ihrer Mitglieder bezw. Ehrenmitglieder» des zu Wiesbaden verstorbenen pensionirten Landrabbiner Dr. Adler und deö emeritirten Lehrers Goldschmidt-Hoof, ehrte die Versammlung durch Erheben von ihren Sitzen. Nachdem nun noch der Kassirer des Vereins, Herr Gutkind-Kassel, den Rechenschaftsbericht abgelegt hatte, dessen Inhalt für weitere Kreise kein Interesse hat und darum übergangen werden kann, erhielt Herr Kollege Neumark-Felsberg daS Worl zu seinem Referate: ״In wie weit ist die Geographie Palästinas mit dem Unterrichte in der biblischen Geschichte zu verbinden." Mit großem Neiße hatte Referent seine Arbeit, deren Vortrag dreiviertel Stunde dauerte, ausgearbeitet; an der Hand der biblischen Geschichte will er den Kindern nach und nach die Kemttniß des heiligen Landes vermitteln; iitteressant waren seine mehrfach angeführten Vergleiche heutiger Zustände Palästinas mit denen früherer, biblischer Zeiten. Die hierauf zum Vortrag kommende, zwar kurz gehaltene, fast nur in Thesen gefaßte, aber sehr gründliche und wohl durchdachte Arbeit des Korreferenten, Herrn Blach-Gudensberg, wich in vielen Punkten von den Thesen des Referenten ab, und entspann sich eine ziemlich lange Debatte, an der sich fast nur die beiden Referenten betheiligten, und die den meisten Konferenz- Mitgliedern mehr oder minder gleichgültig zu sein schien. Die Abstimmungen bei den einzelnen Thesen ergaben jedoch, daß sich die Lehrer meist der Ansicht des Korreferentcn zuneigten. Der Referent zog nun zwar noch vor Schluß der Durchbesprechung seine Thesen zurück. Die Versammlung zollte jedoch seiner fleißigen Arbeit mehr Anerkennung und gerechte Würdigung und deschloß, eine K-ommission zu beauftragen, die Thesen anders zu formulircn und diese in neuer Fassung der nächsten Jahresversammlung vorzulegen. Nach Erledigung dieser Angelegenheit ging die Versammlung zum zweiten Haupttheile der Tagesordnung, zur Besprechung der Anträge über. Zunächst wurden die Konferenzbesucher von einem Anträge überrascht, den das Vorsteheramt zu Kassel gestellt hatte und der, weil erst unmittelbar vor dem Konferenztage dem Vorsitzenden zugestellt, nicht vorher im Vereinsorgan (״Hessische Schulzeitung") hatte mitgetheilt werden können. Zum Verständnisse dieses Antrages müssen wir für die nichthessischen Leser dieser Zeitung aus Lehrerkreisen die Geschichte deS Antrags vorausschicken. Ein Lehrer aus dem Rabbinatsbezirke Fulda hatte sich im vorigen Herbste mit einem Gesuche an die Königliche Negierung zu Kassel gewandt, daß diese erlauben möge, neben der jetzt bestehenden freien Jahresversammlung der israelitischen Lehrer Hessens noch einige Konferenzen abhalten zu dürfen, bei denen die Lehrer eines Nabbinatsbezirks mit ihrem Provinzialrabbiner, bezw. unter dessen Vorsitz, zur Besprechung pädagogischer Fragen u. s. w. zusammenkämen. Die Regierung wurde in diesem die Vortheile solcher Spezialkonferenzen sehr geschickt hervorhebenden Anträge gebeten, diesen Konferenzen insofern einen gewissen amtlichen Charakter beizulegen, daß z. B.

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