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Jeschurun · 1886-08-05 · Heft 31 (5.8.1886) · p. 482

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 31 (5.8.1886)
Article
Israels Trauer - Israels Trost
Date
1886-08-05
Page
482 (sequence 2)
Language
German
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482 Fasten des siebzehnten TamuS, die Klage des neunten Aw geweiht ist. לא חרבה ירושלים אלא בשביל שחללו השכתות שביזו ת׳ח, בשביל ביטול תורה, שבטלו תינוקות של בית רבן, שבטלו קיש שחרית וערבית ובו׳ so lautet der Ausspruch der Weisen unseres Volkes zur Erklärung der zweimaligen Katastrophen und des vierten Galuth, dessen Ende wir noch zu erhoffen haben. ״Weil sie die Sabbathe entweiht und die Träger der Thora mißachtet — wegen der Vernachlässigung des GesetzesftudiurnS und weil sie der Jugend die Kenntniß des Gottesgebots vorenthalten — weil sie das Bekenntniß des Schema an jeglichem Morgen und Abend nicht ausgesprochen-" Es ist die weitere AuSsührung des Prophetenwortes: על מת אבדה חארץ ״Warum ging das Land zu Grunde? על עזבם תודתי Weil sie Mein Gebot verlassen haben." O der thörichten Weisheit beschränkter Zeitgenossen! Sie wiederholen täglich den alten Jrrthum und die alte Sünde — die Ursachen deS namenlosen Unglucks, das über Israel hereinbrach — und erhoffen von diesem neuen Jrrthum und dieser neuen Sünde das Heil. Da bannen sie aus ihren Häusern den Geist des Iudcnthums, die fromme, gottgehorsame Gesinnung, welche in den Hütten ihrer Groß- Väter heimisch gewesen, und entweihen den Sabbath und die von Gott eingesetzten festlichen Tage. Da spotten sie der weisen Lehrer und Führer unseres Volks, die es verstanden haben, den Strom des Gottesgeistes durch unzählige Kanäle in jegliches Gebiet menschlichen Lebens und Strebens zu leiten, so daß kein Moment jüdischen Daseins von ihm nicht durchdrungen ist. Da haben sie die einzige, wahrhaftige Wissenschaft, die nicht auf trügerischem Grunde menschlichen fchlsamen Erkennens, sondern auf dem geosfenbarten unfehlbaren Gottesworte beruht, verlassen und in eitler Selbstbespiegelung ihr phantastisches Spiel als Wissenschaft des JudcnthumS ausgegeben. Da haben sie der Jugend die Bücher des Gesetzes und der Lehre vorenthalten und das alte jüdische Bekenntniß, welches mit -jedem jungen Morgen und in jeglichem Abenddunkel das Israel adelnde große Sinai-Gelöbniß נעשה וגשנזע in dem Auösprechen des Schema (קבלת עול טלבות שםים)erneuert, aus ihrem Leben und dem Leben ihrer Kinder gebannt. Und da sollten wir nicht klagen und trauern und weinen um Zions Fall, da sollte es uns nicht schmerzbewegt zu Boden ziehen und tiefes Weh unser -Herz erfüllen um die Entfremdung der Brüder und Schwestern, die dem Hause des Vaters den Nucken gewandt und die Sprache nicht verstehen, welche die Mutter zu ihnen redet, die den Ruf nicht vernehmen, den Nuf des liebenden Vaterö: kehret zu Mir zurück, Kinder, kehret zurück in die Arme des Vaters, zurück zu dem alten Gehorsam, den ihr ehedem gezollt, zurück zu der Begeisterung der Ahnen, die mir den Schwur der Treue geleistet? Der Abfall vom Gottesgesetz ist die Ursache des Untergangs Judäas und Zions, er ist die Ursache des noch immer andauernden Galuths. Wir häufen neue Verschuldung zu der alten. Unser Auge ist blind und sieht nicht, unser Ohr taub und hört nicht. Und wir könnten doch endlich einsehen, daß Israel sein Heil nur in der unerschütterlichen Treue zu suchen hat, in welcher es das Banner der Thora durch die Reihen der Nationen und Zeiten trägt, und wir könnten doch die Spuren der Gottcsführung erkennen, welche unfern Gang durch die Geschichte bezeichnen, und wir könnten doch endlich die Stimme Gottes vernehmen, welche durch die Welten tönt und in dem Donner welterschütternder Ereignisse und in dem heimlich süßen Flüstern der jedes Menschenwesen umfangenden und sorgsam hütenden und schirwenden Liebe der השגחת פרטית sich offenbart. Was haben denn unsere irrenden Brüder erreicht mit ihrer vermeintlichen Weisheit? Haben sie das Heil gefunden? Ach, ihre Groß- und Urgroßeltern waren in ihren Ghetti glücklicher und seliger als sie in ihren Palästen, waren bei ihrer Thora- und Talmud- Wissenschaft reicher, als sie mit ihrer vermeintlich großen Gelehrsamkeit, und genossen auch mehr Achtung und Anerkennung in ihrem altvaterisch jüdischen Wesen, als sie mit ihrer vielgerühniten assimilirenden Bildung. Täuschen wir uns doch-hierin nicht! Lernen wir doch den Antisemitismus, wie sich der moderne Judenhaß nennt, verstehen. Hat derselbe in dem Umstande seinen Ursprung, daß wir treue Juden sind, daß wir festhalten an den Satzungen unserer heiligen Religion, daß wir Sabbath- und Speise- und Ehcgesetze gewiffenhaft beobachten und uns in eifrigem Studium der Thorawissenschaft widmen?? So höret doch und vernehmet doch die Stimme des Feindes, wenn ihr Gottes Stimme nicht vernehmen wollt! Wahrlich, wären wir heute allesammt ernste, treue, gewissenhafte Juden, so würde ganz sicherlich Neid und Haß verstummen. Welch herrlicher, großer Gedanke z. B., wenn heute alle Juden auf weiter Erde ausnahmslos den Sabbath und die Speisegesetze beobachteten, — meint ihr nicht, daß die ganze heute uns feindliche Welt mit dem. Geständnisse נק עם חבם וריבון הגוי הגדול הזה dem jüdischen Genius willig und freudig Anerkennung zollen würde? (Schluß folgt.) 0. Ire lchmmsMUlung p Kassel. Am 5.. Juli d. I. fand in unserer Provinzial- Hauptstadt die 18. Jahresversammlung der israelitischen

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