Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1886)
- Article
- Erkannte Irrungen
- Date
- 1886-07-29
- Page
- 479 (sequence 3)
- Language
- German
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479 traten ihm in die Augen, deren Quelle er nicht kannte, und mit der Seele zugleich erhob er die Blicke zu den Sternen; so in das lichtvolle Reich des Himmels hinaufträumend, lauschte er, an einen Baum gelehnt, dem zaubervollen, sceleberauschenden Seraphgesang. Und in den nimmerempfundenen Gefühlsschauern, in welchen sein Geist schwelgte, that sich ihm eine große Offenbarung kund, die Offenbarung' — der Liebe. Ja, er wurde es sich klar bewußt, daß er liebe, mit dem vollen, brennenden Durst seines liebebedürftigen Herzens. Und diese Offenbarung fiel wie sanftes Morgenroth in sein Inneres, beleuchtend die Wurzel der bangen Sorgen, der rastlosen Mühe und der schmerzreichen Empörung, die er in den letzten Stunden durchgelebt — fiel aber auch auf die nächsten Stunden der Zukunft wie grellrother, unheimlich flackernder Fackelschein!... O Der musikalische Theil der Soiree war vorbei. Die Wangen Hedwig Friedens, auf welchen die Kunstbcgeisterung und der reiche Beifall der hingerissenen Zuhörerschaft rosige Flammen entzündet hatte, wurden auffallend blaß zu Ende der Produktion. Die strahlende Freude verschwand aus ihren Augen und statt dessen schaute jetzt das Gespenst einer bangen Furcht aus denselben heraus. Die besorgte Mutter eilte herbei und geleitete die ein wenig unsicher Gehende aus dem Salon. In der Gesellschaft hieß eS, das Fräulein sei von der letzten Piere, die sie vortrug, so ergriffen worden, daß ein leichter Anfall sich ihrer Sinne bemächtigte. Cs ist kein Wunder, bemerkten Einige, sie sang und spielte mit ihrer ganzen Seele! ״Waö hast Du, mein Kind?" fragte Frau Friede, mit Besorgniß in das schnceblasse Antlitz ihrer Tochter schauend, als sie sich allein in einem Gemache bcfanden. ״Mutter," Lebte Hedwig, ״das Nahen des MomcnteS erfüllt mir die Seele mit einem kalten Schauer ... mir bangt vor dem Schritt.. ״Gottlob, daß eS nichts Schlimmeres ist," sagte Frau Friede mit mütterlicher Jnnbrnust und fügte lächelnd hinzu: ״alle Mädchen sind so, mein Liebliug... cs ersaßt euch ein Grauen vor dem ersten, ernsten Schritt, der aus der Gemarkung des vestalischen HciligthnmS hinausführt, wie vor einem drohenden Verhängniß. Es ist eine kindische Zaghaftigkeit, eine herzige, kleine Thorheit." ״Aber." wandte Hedwig bekümmert ein, ״eS ist doch eine absonderliche Art der Liebebewerbung. Wozu hätte er das nothwendig? Ein Mann wie er —" ״Gerade das ist es: ein Mann wie er verschmäht überall die alltäglichen Wege, sucht überall das Ungewöhnliche, Bizarre und Abenteuerliche. Seine eigenartige, kühne Soldatennatnr sucht sich in Allem die Dinge nach ihrer Art zurechtzulegen. Was zagst Du? Erinnere Dich an die beschwörenden,- von wahrer Leidenschaft durchglühten Worte, mit welchen er um die Ge׳ Währung seiner Bitte fleht. Und wenn in 'Dir noch ein beunruhigender Gedanke wach bleibt, so.führe ihm den edlen ritterlichen Charakter Frauz von ColmarS vor und er wird gewiß einschlnmntern. O, meine Tochter, habe ich eS Dir nicht schon gestern vorausgesagt? Sichst Du nicht die glänzende Höhe, zu welcher Du die erste Stufe betrittst? fasse Zuversicht, sei stark!" Und sie faßte Zuversicht, sie wurde stark. Sie lächelte selber über ihre kindische Anwandlung und wunderte sich, wie sie nur so gänzlich alle die bescligende Hoffnungen und Aussichten vergessen konnte, welche das Billet des Rittmeisters wie glückverheißende Gestirne an ihrem Himmel hervorzanberte. Rosen erblühen wieder auf ihren Wangen und in ihre Augen kehrten die Strahlen leuchtender HoffnnngSfreudigkeit zurück. Mit stolzer Befriedigung küßte ihre Mutter sie auf die Stirne. ״Geh, geh," flüsterte sie, ״und pflückte das erste Blatt zum Myrthenkranze.. . (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Amsterdam. Unser Amsterdamer L'.Aorrrspondcnl ersucht uns, zu erklären, daß die wegen seiner zweiten Korrespondenz in Nr. 28 vom ״N. I. W." angegriffene Persönlichkeit mit ihm nicht identisch istalso TM TM (?) tttM '2112. Einer etwaigen weitern Suche nach dem Autor gegenüber wird unser Korrespondent, wie er unö schreibt, sich Passiv verhalten. Inserate werde« die Zspaltige Petitzeile oder deren Raum mit 25 Psg. berechnet. Jnsertions- und Abonnements-Annahme für Für den Inhalt derselben übernimmt t>1« Redaktion keinerlei Verantwortung. Frankfurt a. M. auch bei Herrn I. Kausfmann daselbst, ohne Preiserhöhung. Juliusstiasse 14. כשר Restauration כשר Meyer aus Halöerefcadfc. כשר Hotel Mckl'g, Wlck כשר Restaurant ersten Ranges. Streng rituelle, renommirte Küche und Weine. — Vergrößerte Speisesäle. — 40 kamfortable Zimmer. ' .