Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1886)
- Article
- Der evangel.-lutherische Zentralverein für Mission unter Israel
- Date
- 1886-07-29
- Page
- 474 (sequence 2)
- Language
- German
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474 die Aufsätze von Professor Marx in Guadenfeld. Derselbe wird auch eine Rundschau über die gesammte Audenmission, welche zum ersten Ma! in dem Johannis- Heft erscheinen wird, regelmäßig für die Zeitschrift Liefern. Gediegene theologische Förderung ist in ״Saat auf Hoffnung" nicht minder zu finden als vielfache Anregung zur Pflege des MisfionsintercsseS. Den Geistlichen wird reicher Stoff für Missionsstunden in der Zeitschrift geboten. Außer ״Saat auf Hoffnung" gehen unter der Redaktion Professor Delitzschs jährlich die s. g. ״Schriften des Institutum Judaicum" ans, bis jetzt zehn an der Zahl, welche die empfindliche Lücke guter kleiner Schriften auSfüllcn, welche eine Wechselfettige wahrheitsgemäße Kenntniß des Christcnthums und JndenthnmS ermöglichen. ES sei hier darauf hingewiesen, daß diese Schriften sammt ״Saat auf Hoffnung" gegen einen Jahresbeitrag von 3 JL von dem Zentral bureau der lusbibubaJudaica in Leipzig zu beziehen sind. Wie sehr das Interesse für die Mission unter Israel in Leipzig selbst, dem Zcntralorte der Arbeit des ZentralvcreinS, im Wachsen begriffen, zeigt unter Anderem der wachsende Besuch der im Anschluß an das Leipziger Missionsfest stattfindenden Jahres- Versammlung. Während die Zahl der Theilnchmer in früheren Jahren selten über 80—1 00 sich belief, war die vorletzte von 500, die letzte Jahresversammlung aber von mehr als 1000 Personen besucht. Auch auf der Reise durch Mecklenburg, Hannover und Schleswig- Holstein, welche der Missionar des ZentralvercinS im Herbst v. I. machte, begegnete ihm fast überall neu erwachendes lebendiges Interesse für die Jndenmission. Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. -a- Berlin, 23. Juli. Der deutsche Antisemiten- Bund hielt am vorigen Freitag im Deutschen Wirthshaust. Unter den Linden, eine Bezirks-Versammlung ab, in welcher ein gewisser Dr. Gedann auö Jassy in Rumänien einen Vortrag über die Judenfrage in seiner Heimath hielt. Wenn der Redner den Begriff ״praktisch" mit ״antisemitisch" identificicrt, so hat er allerdings mit seiner Behauptung recht, daß der Numäue den praktischen Blick nicht verloren, indem er die Juden von den Staatsstellungen einfach ausschließt, daß die Juden im Militärstaude höchstens Umeroffizier werden können, daß sie die Gastwirthschaft nur in den Städten treiben dürfen. Der Hausirhandel ist ihnen verboten, auch dürfen dieselben keinen ländlichen Grundbesitz haben. Interessant ist ferner der folgende Beweis vom jüdischen Wucher: ״Außerdem sind", sagt Redner, ״dieJuden noch Wucherer, was sie gerade gefäbrlich macht. Beispielsweist wurde den Beamten das Gehalt sehr unregelmäßig auSgezahlt, weshalb dieselben häufig schon ihr Einkommen auf Jahre hinaus verpfändeten, und selten wohl Jemand mehr als die Hälfte dafür bekam. Ein Depntirter brachte darum in der zweiten Kammer den Antrag ein, derartige Forderungen auf Beamtengehälter einfach für ungültig zu erklären, der Antrag wurde angenommen und zum Gesetz erhoben." Aber wie in allcrwclt ist das Wucher zu nennen, uumt der Jude den von staatSwegen in Roth Gerochenen Geld leiht? WaS sollten denn die Beamten ohne den Inden anfangen, wenn sogar der Staat ihnen den zur Fristnng ihres Daseins nothwendigen Gehalt voreuthält? Aber — natürlich! — Der Jude kann eS nie seinen Hassern recht machen; das ist ja eine alte Erfahrung! Oesterreich-U ngaru. *||* Pest, 26. Juli. Der alte jüdische Friedhof soll demnächst zu össentlichcn Zwecken demolirt werden. Es wird nicht gelingen, die Grabstätten der dahingeschiedenen Geschlechter, wie eS das Gesetz Israels erheischt,, unantastbar zu erhalten. Man wird mit der unerbittlichen Macht der Thatsachen rechnen müssen und denkt deshalb daran, wenigstens ein ErinnerungS- Zeichen au die alten Gräber der Nachwelt zu bewahren. Es wird beabsichtigt, von den Grabdenkmälern der bebedeutenderen, hier bestatteten Persönlichkeiten Photozinkographische Darstellungen anfertigen. zu lassen und anS diesen ein interessantes Denksteinalbnm zu bilden. Graz, Juli. Die Bemühungen, in das Hoch- Wasser der antisemitischen Strömung auch die Arbeiter eintreten zu lassen, scheiterte bis jetzt noch immer an den geraden Sinn des in den Arbeitern vertretenen Volks. DaS ״Grazer Tageblatt" cuthält eine Erklärnng der Arbeiter, in welcher eS n. A. heißt: Die Arbeiter erklären schließlich, ״daß nichts ihrer Vcrachtnng und ihrem Ekel gegen eine Taktik gleichkommt, welche systematisch bestrebt ist, die Ehrlichkeit des WollenS und Schafstttö einer ganzen VolkSklasse zu beschimpfen, sie in den Koth zu zerren, als bestochen hinzustellen und dann bei Forderung 'des Wahrheitsbeweises in mnthloser Weise zu schweigen, daß eS keine Bezeichnung giebt, um die Entrüstung der Arbeiter darüber nur annähernd charaktcrisiren zu können." Ebenso sprach der Arbeiterführcr Riß mann in einer großen Volksversammlung gegen Schönerer und Konsorten in energischster Weise u. A. ״Schönerer behaupte, gegen das Kapital und; gegen die Ausbeutung und Korruption zu kämpfen. Schönerer selbst ist Großgrundbesitzer und Großkapitalist und zahlt seinen Arbeitern 20 Kreuzer Taglohn, bei 12—16 ständiger Arbeitszeit. Schöuerer's Presse ist