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Jeschurun · 1886-07-29 · Heft 30 (29.7.1886) · p. 473

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 30 (29.7.1886)
Article
Der evangel.-lutherische Zentralverein für Mission unter Israel
Date
1886-07-29
Page
473 (sequence 1)
Language
German
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M 30. 473 Zeschurun, Der £üanjjcl.־lut(jerif(!|f Delltralverein für Msfion unter Mel. Unter dieser Ueberschrifr bringt die ״N. Pr. Kreuz- Zlg." folgende interessante Daten über die Jndenrnissiom Wir möchten den frommen Gemüthern recht eindring-!ich empfehlen, doch erst in den christlichen Kreisen den Geist der Liebe und Gerechtigkeit zn verbreiten und Gottesfurcht und Sittlichkeit zu pflegen, bevor sie an die Bekehrung der Inden denken. Wir glauben, daß die Herren im eigenen Hanse Arbeit vollauf finden. Wenn sie für uns Juden wirken wollen, so mögen sie den Antisemitismus bekämpfen. Dafür würden wir ihnen sehr dankbar sein. — Der Artikel der Kreuzzeitung lautet folgendermaßen: Auf dem Gebiete der IudenmissionSthäligkeit der lutherischen Kirche hat sich in den letzten Jahren ein erfreulicher Aufschwung gezeigt. Lange Zeit hindurch war Vereinsamung das Schicksal der wenigen Arbeiter der Mission unter Israel und des kleinen Kreises ihrer wahren (?) Freunde. Mit dem Ende des vorigen Jahr- Hunderts war die fast achtzigjährige herrliche Blüthezeit der alten Hallischen lutherischen Judenmission zu Grabe gegangen. Der Nationalismus war ihr Todtcngräber. Während die Hcidenmisston, wenn auch sehr kümmerlich, sich durch den Winter der Religion des gesunden Menschen- Verstandes bis zu der Zeit dcö neucrwachcnden Glaubens hindurchfristcte, verschwand selbst die Erinnerung an die gesegucte Judemnissionsarbeit Stephan Schultz', Albrccht Friedrich WolterSdorfs und ihrer zwanzig BerufSgenosscn fast vollständig und ist der Gegenwart erst durch D e li tz sch'.'S ״Saat auf Hoffnung" und die gründlichen missionSgeschichtlichen Studien de le Rois wieder bekannt geworden. Bon England ans kam die Anregung zur Neubelebung der Iudcnmission nach Deutschland. Eine ganze Reihe treuer lutherischer Bekenner, später größtentheils Glieder der altlutherischen Kirche Preußens, die Ehlers, Gaudian. Wermelskirch, Wedcmann und Becker, stellten ihre Kraft aus kürzere oder längere Zeit in den Dienst der Judenmissiou. Von dem sächsischen und bayrischen Missionsvcrein wurde die Iudemnission neben der Heidenmission seit Beginn der vierziger Jahre gepflegt, ohne zn rechter Blüthe zu gelangen, während in Preußen zwei besondere Gesellschaften, die Berliner und die rheinisch'westsälische, die Mission unter Israel durch Missionöarbeiter und Agenten pflegten. Im Jahre 1869 ließen die Professoren Delitzsch und Plitt, sowie Kammerherr v. Erd man ns darf in Dresden und Sup. Roch oll in Göttingen einen Aufruf au ״die Mitchristen lutherischen Bekenntnisses" ausgehen, dessen Erfolg die Begründung des ״Ev.-lutherischen Zent'ralvereinS für Mission unter Israel" war. Der bayrische, sächsische und norwegische Verein traten zu einer einherrlichen Organisation zusammen, einige kleinere Landesvereine schlossen sich an, und im Jahre 1874 kam Württemberg hinzu. Dr. Weber, mit welchem Professor Delitzsch in Leipzig ein Institut um Judaicum begründet hatte, trat, nach LoheS Tode zum Pfarrer für Neuendettelsau berufen, schon im Jahre 1872 aus dem Dienste des Zentral-VcreinS aus. Durch seine ״Lehren des Talmud," der ersten gemeinverständlichen und systematischen Darstellung des Lehrinhaltcs des Talmud (Leipzig, Dörfsling u. Franke), hat er der Mission unter Israel einen unvergänglichen Dienst geleistet. Missionar Eisenberg, der Nachfolger Webers, mußte leider, nachdem er besonders in seiner Heimath Kurhesscn und in Bayern unter den Juden in Segen gewirkt hatte, im Jahre 1881 wegen eines Lnngenlcideus, das ihn arbeitsunfähig machte, pensionirt werden. Das Jahr 1877 ist epochemachend nicht nur für die Geschichte der luth. Juden- ׳Mission, sondern für die Judenmissiou aller Kirchen. Nach vierzigjähriger Arbeit ließ Professor Delitzsch seine Ucbersetzung des Neuen Testaments ins Hebräische ausgehen. Mit einer unerklärlichen Schnelligkeit fand sie unter den Juden aller Länder der Welt weite Verbreitung, so daß gegenwärtig über 50,060 Exemplare durch die sieben rasch allseinander gefolgten und stets, mit unermüdlicher Sorgfalt verbesserten Auflagen verbreitet sind. Die Christenthums-Bewegungen im südlichen Rußland, welche auch die Karpathcnländer immer mehr ergreifen, sind großcntheils Frucht dieser Verbreitung des Delitzschscheu hebräischen Neuen Testamentes. Gegenwärtig stehen außer Missionar Faberzwei junge Theologen im Dienste des Zentralvereins: 1)1. Lhotzky, gegcnlvürtig nach Kischinew beurlaubt, als Adjunkt für die JudeumissionSarbeit des Pastors Faltin, und Kandidat Anacker, der das Amt eines Sekretärs des Zentral- Vereins verwaltet. In Mecklenburg-Schwerin hat sich ein neuer Zweigverein des Zentralvereins gebildet, wie schon in diesem Blatte berichtet. Das Organ des Evangelisch-Lutherischen Zentralvereins für Mission unter Israel ist die Zeitschrift ״Saat aus Hoffnung" (Erlangen, Deichcrt; jährlich vier Quartalhefte, Preis 1 Jk 50 J>), das anerkannt bedeutendste Blatt der Judenmission, und doch nicht so bekannt, wie eS verdient. Kein Pastor, welcher ein Herz für die Arbeit des Reiches Gottes unter Israel hat, sollte versäumen, dieses Blatt zu halten. Dasselbe bringt nicht nur Nachrichten über den Fortgang der Judenmissiou aller Länder, sondern führt seine Leser durch geeignete und gediegene Aufsätze in die Art und Geschichte des jüdischen Volkes ein. Einen ganz besonderen Werth har diese Zeitschrift durch die vielen Originalartikel von Professor Delitzsch, welcher, das Matt schon seit 23 Jahren redigirt. Einblicke in die rabbinifche Literatur geben besonders

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