Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1886)
- Article
- Statuten der freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums
- Date
- 1886-07-29
- Page
- 470 (sequence 3)
- Language
- German
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470 die gleichen Zwecke anstrebend, in steter Verbindung mit der freien Vereinigung zu bleiben haben und von dieser, soweit thunlich, in ihrer Wirksamkeit unterstützt werden. Die Verbindung wird durch die Delegirten vermittelt, welche dem Ausschüsse alle drei Monate über ihre Thätigkeit Bericht zu erstatten haben und außerdem, so oft die Verhältnisse es erheischen. Auf Erfordern des Ausschusses haben die Delegirtcu ihnen vorzulegcnde Angelegenheiten und Maßnahmen zu begutachten, sowie Auskünfte zu ertheilen. K 22. Das Verein svermög cn. Das Vereinsvermögen besteht aus den Mitgliederbe.iträgcn und den sonstigen der Vereinigung gewordenen Zuwendungen und Einnahmen, und wird von dem Kassier und dem Nechnnngsführer unter Aussicht des geschästSführenden Ausschusses verwaltet. Das VercinSvermögen ist, insoweit cS nicht zur Bestreitung der Ausgaben in Baar erforderlich ist, in guten Staatspapieren oder Eisenbahnprioritätcn anzulegcn und bei der Reichs- oder der Frankfurter Bank zu deponirm. Die Bereinigung ist berechtigt, Geschenke und Legate für besondere Zwecke, die mit den ihrigen im Einklänge stehen, anzunehmen und den Bestimmungen der Stifter gemäß zu verwalten und zu verwenden. § 23. Auflös u n g. Die Auflösung der freien Vereinigung kann nur auf Antrag des Ausschusses unter Zustimmung einer Zwei-Drittel-Majorität deS Vorstandes und unter Genehmigung des zu diesem Zwecke eigens zu berufenen Vereinstages mit einer Mehrheit von zwei Drittel aller erschienenen Mitglieder beschlossen werden. Das alsdann vorhandene Vermögen fällt nach Tilgung aller Verbindlichkeiten der Israelitischen Neligionsgcsellschaft zu Frankfurt a. M. zur alleinigen Verwendung in bcm Sinne und zu den Zwecken der Vereinigung mit Ausschluß der eigenen Institute derselben zu. Wandelungen. von Friedrich R o t t. .. .. , (Nachdruck vcrdot.cn.) (Fortsetzung.) ״Worte, die Dich verletzen, müssen darum noch nicht wahnwitzig sein," fiel sie ihm mit scharfer Betonung in's Wort, ״und das hirnverbrannte Weib, wie Du cs soeben zu nennen beliebst, hast Du mir vor wenigen Tagen als eine der achtbarsten Schriftstellerinnen der Neuzeit empfohlen." ״Ich. erinnere mich nicht. Doch eS kann ja sein, daß ihre sonstigen Arbeiten vortrcflich. Aber für diese Worte ist wahnwitzig noch der mildeste Ausdrucke Bella — ich bitte Dich um Gottes Willen, bedenk, nur. — Also weil ich kein Adonis, weil mir die bez strickende Larve jenes Elenden fehlt, der Jahre lang um Deines Geldes Willen Dir Liebe geheuchelt — darum sollte meine Umarmung Dich entehren! — Aber wenn jener Schurke Dein Gatte geworden wäre, dann, ja dann —" Die Sprache versagte ihm. ״Bella," fuhr er nach einigen Minuten fort, ״ich beschwöre Dich, um Gottes Willen! — bedenke — solch' wahnwitzige Worte—" ״Ich kann jetzt nicht denken," sprach sie leise, ״aber tief im Innersten meines Herzens fühle ich es. daß jene Worte nicht wahnwitzig sind, daß sie vielmehr Wahrheit enthalten." Er fuhr zusammen, tiefe Blässe bedeckte sein Angesicht. ״O," flüsterte er, ״das war hart." Er schien kaum im Stande, sich aufrecht zu halten und sank erschöpft in einen Sessel. Doch er erhob sich sofort wieder. ״Verzeihung! — wenn ich Dich recht verstanden habe, so habe ich kein Recht mehr, mich hier niederzulasscn — so — so —" ״Ich muß ersuchen, meine übereilte Zusage mir znrückgeben zu wollen," sprach Bella leise, doch mit festem Ausdruck. Er wollte sich zustimmend verneigen, doch er taumelte; hätte er sich nicht an den Tisch gehalten, er wäre zu Boden gestürzt. ״Ist das Dein letztes Wort?" stammelte er. Sie zuckte die Achseln. ״Ich kann nicht anders." Noch einen Augenblick stand er ihr gegenüber, sie mit Blicken betrachtend, in denen die ganze Tiefe seiner Leidenschaft sich aussprach — sie gewahrte cS nicht, sie schaute Zu Boden. Dann verneigte er sich und verließ schwankenden Schrittes das Zimmer. Wie erleichtert athmete Bella auf, clls die Thür hinter ihm ins Schloß siel; das Peinlichste war überstanden. Sie konnte nun auch wieder frei um sich blicken, und entfernt war auch der schwere Druck, der am Nachmittag so schmerzlich auf ihr gelastet, und dennoch war ihr das Herz noch schwer, denn sie hatte den Ansdruck deS Schmerzes gesehen, den sie demjenigen zngefügt, der sie so innig liebte. Aber hatte sie iS ändern können? — Alles hätte sie opfern können, doch ihre Selbstachtung — nimmer! — Dennoch war sie froh, daß der Sanitätsrath nicht daheim war, ihm hätte sie am heutigen Abend nicht begegnen mögen. — Doch wenn er nun morgen kommen würde — sie fühlte, wie das Blut ihr in die Wangen stieg, wenn sie sich i hr nächstes Zusammentreffen mit dem alten freundlichen Herrn vergegenwärtigte. — Seine milden Augen konnten auch so spöttelnd blicken — ob er poltern, ob^r spotten würde? — Ihr Bruch mit seinem Sohne mußte auch ihn