Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 29 (22.7.1886)
- Article
- Aus der Amsterdamer Gemeinde
- Date
- 1886-07-22
- Page
- 457 (sequence 1)
- Language
- German
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JtS29. Jeschnrrrn« 457 a Alis dll AMttdmlkl Gtllllilldc 1795—1812. (Fortsetzung.) DeS Abends waren die drei ernannten Offiziere beim Konsistorium und haben dort ihre Ordres cm- Pfangen. Der Präsident H. H. de Lemon hat eine Ansprache an sie gehalten, in welcher er sie darauf aufmerksam machte, daß sie nunmehr ein ihnen anvertrantes hohes Amt antretcn, und das Konsistorium hoffe, daß sie sich gut und treu betragen und die Ehre der Nation erwerben würden. — Am folgenden Tage waren diese drei Offiziere beim Kriegsminister, haben bei ihm den Eid abgelegt und ihre Instruktionen erhallen. Auch in Rotterdam und im Haag hat das Elend begonnen, daß sich Einige von der gemeinsten Sorte angeboten haben, in dem jüdischen Korps Dienst zu nehmen. Inzwischen haben hier mehr junge Leute Dienst genommen und einige sich als Werber angeboren. Samstag, 24. Juli, wurde in allen Synagogen daS Dekret des Königs, betreffend die Errichtung des jüdischen Korps obgekündigt; es mußte das sechs Mal an Tagen, wo die Thora verlesen wurde, geschehen. In dem Dekrete wurde versichert, daß der König dafür sorgen werde, daß die Juden dabei ihrer Religion gemäß würden leben können, und mehr dergleichen Höflichkeiten. Hierauf wurde ein Erlaß des Kultus- Ministers verlesen, worin er einen Jeden ermahnt, die jungen'Leute anzuspornen, Dienst im JudmkorpS zu nehmen, und daß der Oberrabbiner, sowie alle Rabbiner und Lehrer in ihren Predigten bei den jungen Leuten darauf andringen müssen, sich nicht zurückhaltcn zu lassen; im Gegentheil, sie müßten sie erninthigcn und ihnen auf's Herz drücken, daß sie dazu verpflichtet seien; daß es ein großes Glück für sie und die ganze Gemeinde sein werde. Ferner befahl er, daß die armen Leute, welche ans der Gemciudekasse unterstützt werden, binnen drei Wochen ihre Kinder für den Militärdienst angeben sollen. Wer das nicht thue, solle nichts aus der Armenkasse empfangen. Wenn das Korps komplct und der König von dem guten Betragen der jüdischen Soldaten überzeugt sein werde, werde er für die jüdischen Bettler von groß bis klein Sorge tragen, indem er eine Institution schaffen werde, wo sie alle, um ihr Brod zu verdienen, Arbeit erhalten würden, — und noch mehr derartige schöne Sachen. — Wehe! Wehe über das, was man an diesem heiligen Sabbath gesehen und gehört hat! Die braven Vertreter des .sandten in alle Synagogen einige ihrer Werber, ob vielleicht wahrend des Verlesens der Publikation Bewegung gemacht werde, und von wem. In der Großen Synagoge war der Kapitän mit seinen zwei Lieutenants, in schwarz gekleidet, aber mit dem Militär- Hute auf dem Kopfe; auch der Werber Engers mit einigen gewöhnlichen Werbern war daselbst anwesend. Das Alles geschah, um die Menschen zu ärgern und zu reizen, welche dem gegenwärtigen jüdischen System nicht zugethan sind. An demselben Tage ist auch I. D. MeycrS als התן besungen, welcher eine Tochter von אפרים ין ז״ל heirathet; auch H. H. de Lemon, welcher jetzt Präsident von dem braven.ist. Die Parnassim nahmen ihn in ihre Bank auf; doch der Oberrabbiner und die Parnassim Joseph de PrinS lind Jacob Symons waren diesen Sabbath nicht in der Synagoge. Das Gleiche war auch bei vielen Gemcindcmitglicdcrn der Fall, und Verschiedene, die wohl in der Synagoge waren, entfernten sich bei der Verlesung. Am ganzen Sabbath sah mau in den Judeuviertelu nichts Anderes als die jüdischen Werber in ihrer militärischen Kleidung. Freitag Abend um halb sieben kam der bekannte Jacob Marcus mit נתן בן יוסף בנהר und noch Jemand, der einen Soldatenhnt und eine Mnsterkarte von ordinären Tuchsorten für militärische Kleidung bei sich hatte, zum Oberrabbiuer und erklärten, von dem Kriegsminister den Auftrag erhalten zu haben, den Soldaten- Hut und die Musterkarte von dem Oberrabbiuer in Bezug auf Kaschruß Nachsehen zu lassen. Der Oberrabbincr war jedoch nicht zu sprechen; dafür empfing sie dessen Sohn Naphtali und sagte ihnen, daß sein Vater jetzt nicht zu sprechen sei, daß dieser aber vertraue, daß ein Jehndi alles כשר werde nähen lassen, und was die Mnsterkarte beträfe, sein Vater sei nie Kaufmann oder Schneider gewesen, um darüber entscheiden zu können. — Hierauf gingen sie fort. Auch muß ich vermelden, daß vorige Woche ein königliches Dekret ansqefertigt worden ist, daß der Pentateuch ins Holländische übersetzt werden müsse, und die Lehrer, sobald die Uebersetzung beendet, bei dem Unterrichte sie zu benützen hätten. Das geschah auf Ansuchen des Ober-KonsistoriNmS, um mit der Zeit die jüdische Sprache zu verdrängen, und die holländische bei dem Jehndi einznführen. Der Anfang des Dekrets lautet also: ״L. Napoleon, durch die Gnade Gottes und die Konstitution des Königreiches König von Holland und Connetablc von Frankreich. ״Auf Rapport unseres Ministers des Kultus und Innern vom 27. des Sommermonats dieses Jahres, Nr. 4, nach Prüfung einer Adresse des Ober-KonsistoriumS der Holländisch-Hochdeutschen Israelitischen Gemeinde in diesem Reiche und in dem Willen, thatkräftig initznwirken, um alles Das ans dem Wege zn räumen, was der Zivilisation unter dem Gros unserer