Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 29 (22.7.1886)
- Article
- Die jüdischen Mittelschulen in Ungarn
- Date
- 1886-07-22
- Page
- 455 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2933154-2933183-2966321--22463-2966369- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
455 ו01מ unserer Unschuld überzeugen, sollen wir — --- doch schade für jedes fernere Wort! — Wir schließen diese Zeilen mit einem wiederholten Apcll an alle Orthodoxen Ungarns, dieser hochwichtigen Angelegenheit gegenüber sich ja nicht eines strafbaren IndiffcrentiSmuS schuldig zu machen. Will mau in derselben unseren Anforderungen nicht völlig ausreichende Besricdiguug gewahren und die Garantien bieten, die unerläßlich jsind, damit die Gymnasien nicht Pflanzstatten der Untreue und deS Absalls werden, so müssen die gesctzcStreuen Israeliten mit dem ganzen Aufgebot jüdischer Kraft und Zähigkeit auch in diesem Punkte ihren eigenen Weg verfolgen, keinesfalls aber ihm IhatloS und gleichgültig gegcnüberstchcn. Mandel!k!rgcn. von Friedrich Rott. . . (Na chdruck verboten. (Fortsetzung.) .,Mir hättest Du von italienischen Polizisten zu berichten? — ich verstehe Dich nicht, Friedrich/' ״Das freut mich, Dank, meine süße Bella, daß Du mich nicht verstehst." ״Du gefällst Dir heute in Näthseln, jetzt verstehe ich Dich, wo möglich, noch weniger." ״Das begreife ich, aber Du wirft mich verstehen, wenn ich. Dir sage, daß die Annonce in der Times ihre Wirkung gcthan hat." ״Wirklich?" rief sie crröthcnd,. ..ich hatte in der That nicht mehr daran gedacht." ״Eben dafür bin ich Dir dankbar." ״Ach, so laß doch das ewige Danken, sage mir lieber, was ist denn eigentlich geschehen?" ״Nun, die Sache ist ganz einfach. Herr Alfred Wicsenhein, der wohl schwerlich das Pulver erfunden hat, hat auf die erwähnte Annonce hin den Versuch gemacht, eine junge Dame aus der ehemaligen Mertenscheu Villa zu entführen und ist bei dieser Gelegenheit, von italienischen Polizisten verhaftet worden." ״Aber cö ist ihm doch nichts geschehen?" fragte Bella etwas erregt. ■ ״Wie Du Dich um ihn ängstigst," lachte Walther, ״ich könnte wahrhaftig eifersüchtig werden. Aber sei unbesorgt, geschehen wird ihm nichts; er wird ein Weilchen in Verwahrung ׳ gehalten, bis er sich entschließen wird, den Aufenthaltsort . seines achtungSwerthen Vaters zu nennen. Denn daß der auf dem Postzeichcn beider Briefe angegebene Ort nicht der Aufcnthaltsort seiner Eltern ist, das hat die Polizei bereits herausgebracht. ES ist überhaupt sehr fraglich, ob sie sich in Amerika befinden, mancherlei Anzeichen sprechen dafür, daß sie Europa nie verlassen haben, , und in diesem Falle wäre in der That noch Aussicht vor- Händen, Dein Vermögen zu retten.". ,,Ach, das wäre herrlich!'^ jubelte Bella, ״nicht wahr, Friedrich. Du würdest Dich auch sehr freuen." Walther preßte die Lippen anseinander, so .oft Bella ihres VerinögenS erwähnte, überfiel ihn eiye Art nervöser Unruhe. .. ״Offen gestanden, ich fühle niich dem Professor Wicsenhein von ganzem Herzen verpflichtet, denn ohne seinen Schurkenstreich hätte ich schwerlich den Muth gefunden, dem hochgcbornen steinreichen Fräulein von Merten meine Hand nnzubieten." ... ״Und Du meinst, ich müsse mich. ihm deshalb auch verpflichtet fühlen?" fragte Bella schelmisch. ״Wer wird sy inquisitorisch sein?".. ״Ich," entgegnctc sie neckend, ״und ich gehe sogar noch weiter und wiederhole meine Frage von vorhin,- indem ich Dich auffo.rdere, mir ans Ehre und. Gewissen zu sagen, ob Du nicht trotz der Verpflichtung, die Dugegen meinen Vormund empfindest, Dich doch von Herzen freuen würdest, wenn wir mein schönes Geld-׳, znrückbekommen würden." ׳׳־ Walther erröthcte. ״Wenn ich diese Frage ans Ehre und Gewissen beantworten soll, so kann ich nicht verhehlen, daß ich mich allerdings mn Wiedererlangung, des Geraubten bemühe, aber, nur, weil ich mich dazu, verpflichtet fühle. Freude, wirkliche Freude würde׳ich über einen, günstigen Erfolg meiner . Bemühungen durchaus nicht, empfinden, denn cS widerstrebt meiner. Anschauungsweise, den Hauptthcil meines Vermögens monier zukimftigcu. Frau verdanken zu. müssen.". - - ״O, Du stolzer, stolzer. Mann [״ schmollte Bella >. ״wenn ich diese Anschauungsweise von Dir früher, ge-, kannt hätte, hätte.ich Deinen. Antrag schwerlich an-, genommen. Aber jetzt würde ich mich doppelt freuen/ wenn ich mein Geld zurückbekommeirwürde."../j;■ - ״Ach, da schlügt cS drei Uhr!" riest er ausspringend, ״cS ist unverzeihlich, wie.ich bei Dir die- Zeit verplaudere." .. , .. Er drückte ihre Hand an seine Lippen- und eiste, hinüber in sein Büreau. •־: Lächelnd schaute ihm Bella-, nach, er wardoch: ein schöner, stolzer Mann und liebte sie so itstttg. Aber was er in Bezug aus ihr Vermögen gesagt hatte,, wollte ihr durchguS nicht gefgll.en. Also sein Stolz bäumte sich dagegen^ ihr etwas verdanken, zu müssen/ sic aber, sollte ihm Mcs verdanken. Ach, wie doppelt: schön wäre es, wenn sie ihr Geld nun doch noch, zurückbckommen würde, r- Freilich, viel Aussicht.wgr. nicht dazu vorhanden, hatte sich Alfred Wiesenhein auch als Gimpel gezeigt, seine Eltern waren schlau,