Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 29 (22.7.1886)
- Article
- Die freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums
- Date
- 1886-07-22
- Page
- 450 (sequence 2)
- Language
- German
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450 tm Geiste des orthodoxen Judenthums zu würdigen, haben wir nicht aufgehört, auf die Gefahr hinzudeuten, welche nicht sowohl aus der leider vorhandenen Zer- Haftung der Judenheit, aus dem bellagenswerthcn Verrath an! Heiligthum Israels und dem Abfall eines großen Theils unserer Brüder, als aus der kühnen Ableugnung dieser Spaltung und Entfremdung droht. Daß man in gesctzeStreuen Kreisen diese Gesahr verkannte und dem verderblichen Jrrthum vielfach huldigte, die von der Gegenseite ausgestellten Maxime ״Gemeinsames Wirken für die Interessen des JudenthumS unter Ansschluß der religiösen Differenzpunkte" ließe sich in der That zum Heil des JudenthumS verwirklichen, und auf Grund dieses Jrrthums dem Rufe Folge leisteten, welcher die Gesammtheit der deutschen Juden unter die Fahne einer vom unjüdischen Geist beseelten und dem jüdischen Gesetze durchaus entfremdeten Führer׳- schaft vereinigen wollte, — das erschien uns als die größte, sichern Untergang bringende Gefahr. Und diese Gesahr erscheint uns so drohend, daß wir immer wieder und wieder die Genossen davor warnen möchten, daß wir unserer Stimme Donnerstärke wünschten, um die Schläfer zu wecken, welche an dem Abgrunde von süßen Träumen umgaukclt schlummern. Die freie Vereinigung kann gegen diese drohende Gefahr eine feste Schutzwehr werden, sie kann das starke Bollwerk werden, au welchem die zur Vernichtung des gesetzestreuen JudenthumS bereiten Gewalten vergebens ihre Kraft versuchen,, sie kann die schützende Mauer werden, in deren Umkreis das gesetzestreue jüdische Leben zu einer neuen ungeahnten Blüthe gelangt — und darum vor Allem begrüßen wir deren Entstehen mit inniger Freude. ES dürfte gewiß nicht unangemessen sein, diese Bedeutung der freien Vereinigung ebenfalls an der Hand der obwaltenden Verhältnisse eingehender zu würdigen. Die Reformrabbiner hatten nach zwanzigjähriger Pause,, während welcher von gemeinsamen Schritten zur Vollendung des Reformwerks Abstand genommen war, sich wiederum zu einer That aufgerafft. Sie hatten sich nicht verhehlen können, daß die so pomphaft seinerzeit angekündigte Reformbewcgung, einen wenig ruhmvollen Verlauf nehmend, mit einem noch rühmloseren Fiasko zu enden drohte. In dem Kreise der Bekenner des gesetzestrcuen JudenthumS hatte man sich inzwischen aus der Verzweiflung über die von der Reform herrührenden Verheerungen zu "ermannen vcrstanden. Hier und dort, ״Zwei in einem Ort und Einer aus einer Familie" hatte man sich erhoben und, einem hehren Beispiele folgend, im Gegensatz zu der windigen Reformweisheit, die die Lehre mit dem Leben durch Umwandlung des JudenthumS auszugleichen sich bemühte, die Durchdringung des Lebens mit dem Geiste des alten einzigen Judenthums vollzogen. So still und heimlich in dem Leben Einzelner sich dieses vollzog/ und so unscheinbar und vereinzelt die wenigen Versuche zur Wiedererweckung eines gesetzestreuen Gemckndclebens an den Orten immerhin waren, wo ein solches von der Reform schon vor Dezennien den Todesstreich empfangen hatte, dennoch gewahrte man in den betreffenden reformistischen Rabbinerkreisen in diesest Lcbenöänßerungen der Orthodoxie die Keime einer Riesenmacht, vor welcher der auf thönernen Füßen ruhende Reformgötze endlich werde weichen müssen. Denn in den eigensten Kreisen der Neformgemeinden war eine erschreckliche Religionslosigkeit zu gewahren. Die Tempel der Reform standen leer, der Priester der Reform mit seinen Gehülfen bildeten den größten Theil der Tempelbesncher. Ans dem Leben war ohnehin das ״Rcligionsbedürfmß" entschwunden. Wohin soll das führen, wie wird das enden? also die bange Frage der Neformrabbiner. Wir haben nicht vermocht ein neues Jndenthnm an die Stelle des alten zu setzen. Wir haben demselben allerdings die Gemüther entfremden können, aber dieses alte Jndenthnm mißt nicht nach der Zahl seiner Bekenner seine eigene Lebenskraft. Es beginnt auch in Deutschland wiederum an Kraft zu gewinnen, während die Reform des JudenthumS den letzten Enkel des Reformhelden aus dem Jndenthnm hinausführt. Diese Angst erfüllte die Gemüther der Reformrabbincr und deren bewährtester Wortführer Dr. Philippson, ehemals Rabbiner zu Magdeburg, dann als Herausgeber der ״Allgemeinen Zeitung des JudenthumS" in Bonn wohnend, gab derselben beredten Ausdruck. Zur geincinsamen That sich zu be-. geistern, etwas Neues, Heilkräftiges, Stärkendes zu ersinnen — dazu lud er die Genossen im Sommer 1868 zu einer Rabbinerversammlung nach Kassel ein. (Fortsetzung folgt.) Das Ißmbm atit ZMath. Von Rabbiner I)r. Joseph ® 11 geilt) ei me v in Kollin. (Schluß.) Wir wollen nur noch bemerken, daß die erwähnte talnmdische Bestimmung darin ihren Grund hat, daß, wie aus Erubin 68 3. ersichtlich, בין שבות דאית בי׳ מעשה לשבות דלית בי׳ מעשה zwischen einer solchen den Sabbath betreffenden Präventivbestimmung, ׳ die durch eine That und einer solchen, die nicht durch .eine That übertreten wird, ein Unterschied besteht. Einen Nichtjuden zu einer am Sabbath verbotenen Thätigkeit auszufordern, ist allerdings durch das rabbinische Verbot