Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 28 (15.7.1886)
- Article
- Deutschland : Köln [Nachricht]
- Date
- 1886-07-15
- Page
- 443 (sequence 3)
- Language
- German
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448 Der einzelne derselben mag viellelcht als wenig bedeutsam für den hiesigen Handel erscheinen, aber das Zusammenwirken aller dieser Personen erzielt bedeutende Resultate. Schon die Befürchtung, wir könnten diese nützlichen Elemente verlieren, mußte daher lähmend auf die geschäftlichen Unternehmungen einwirkcn. Gegen Ende August nahmen dann die befürchteten AuSweisungSmaßregeln gegen die russisch ׳jüdischen Händler re. in unserer Stadt ihren Anfang und sind bis auf den heutigen Tag (Mai 1686) fortgesetzt worden. Wir hatten allerdings von allen bctheiligteu Behörden die Zusicherung erhalten, daß dabei mit thunlichster Schonung der hiesigen Handelsintercssen vorgegangen werden sollte. Dankbar erkennen wir eS auch an, daß, entsprechend den vom Herrn Minister des Innern erlassenen Weisungen, der Herr Obcrpräsident und das königliche Polizei- Präsidium so viel als möglich bestrebt waren, unfern Wünschen Gehör zu schenken. Solche Wünsche auf Zurücknahme oder Milderung von AuSweisungSverfüguugen zu äußern, waren wir aber unzählige Male gcnöthigt. Seit dem vergangenen September bis zum heutigen Tage hat fast keine Sitzung unseres Kollegiums stattgcfundcn, in der nicht über vorliegende Gesuche um Befürwortung der Rücknahme von Ausweisungen Beschluß zu fassen gewesen wäre. Dem entsprechend sind auch unsere in dieser Angelegenheit bei den Behörden gethanen Schritte sehr zahlreich. Aber immerhin haben sie leider in manchen Fällen nicht den gewünschten Erfolg gehabt. — Ein Theil derjenigen russisch-jüdischen Händler, die bis zum 1. April 1886 befristet waren, hat diesen Termin, der ständigen Unsicherheit und Ungewißheit über sein ferneres Schicksal müde, nicht abgewartet und ist freiwillig gegangen. Die in sonstigen Jahren nur zeitweilig nach hier kommenden russischen Kommissionäre sind zum Theil auSgeblieben, weil sie befürchteten, daß ihnen eine genügende Frist zur Ab- Wickelung ihrer Geschäfte nicht gewährt werden würde. So haben die AuSwcisungSmaßregeln, trotzdem — wir wiederholen es — die Behörden sie thunlichst milderten, unmittelbar und mehr noch mittelbar den Verlust dem Handel höchst nützlicher Elemente zur Folge gehabt. Auf der. Hand liegt es, daß die russisch-jüdischen Händler einen Platz zu meiden und zu verlassen suchen, an welchem sie ihres Bleibens nicht gewiß sind. Diese Ungewißheit muß zuweilen davon abhalten, mit ihnen Geschäfte abzuschlicßcu, noch häufiger sie selbst hindern, neue Geschäfte cinzugehen. Und cs ist leider den Betheiligten unzweifelhaft, daß der so üveraus bedeutende Rückgang unseres Getreidehandels namentlich in den jetzt abgelausenen vier ersten Monaten des JahreS 1886 wenigstens theilweise den Ausweisungen zuzuschreiben ist." E. Z. Wöllstein, Provinz Posen, 6. Juli. Heute hielt unser neu gewählter Rabbiner und Lehrer, Herr L. Höxter, seinen feierlichen Einzug in unsere Stadt. Eine freudige Bewegung herrscht in unserer Mitte, die nunmehr bereits drei Jahre verwaiste Rabbinerstctle durch einen Mann besetzt zu wissen, dem sowohl als Redner, als auch als Pädagoge ein guter Ruf vorausgeht. Möge cs ihm gelingen, unsere Gemeinde wieder auf den Standpunkt zu bringen, den sie einst eingenommen hat. Möge sie wieder werden eine feste Burg dcS wahren, unverfälschten Judenthums. Hub so rufen wir unserm Rabbiner zu : צלח רכב על דבר אמת ותורך נוראת ימינך. A. Oboruik. (Proo. Posen.) Wieder ist einer jener Männer hingegangen, an denen das Judenthum leider immer ärmer wird, ein echter Jehudi in des Wortes schönster und wahrhafter Bedeutung, ein תלמיד הכם, wie es wohl nur wenige in unserer Zeit geben dürfte. Am ש׳ר״ח תמוז nämlich verschied nach kurzem Krankenlager unser allverchrter, auch in christlichen Kreisen hochgeachteter Rabbiner, Herr Jakob Pick, der nenn Jahre lang in unserer Gemeinde in segensreichster Weise gewirkt hat. Sein großes צדקות, seine bedeutende Gelehrsamkeit auf dem Gesammtgebiet der jüdischen Literatur, sowie seine unermüdliche Wohlthätiakeitsliebe und in Verbindung hiermit sein stets heiteres, anmnthendes Wesen mußte ihm Jeder, der ihn kennen lernte, zum Freunde machen. Und nicht bloö in unserer Gemeinde, sondern überall, wo der Verewigte gelebt und gewirkt, betrauern Unzählige den edlen Freund und Seelsorger, beweinen Wittweu und Waisen ihren Heimgegangenen Wohlthäter und Berather. Wahrlich, von diesem Manne kann man mit Recht sagen: ומצא חן ושבל טוב בעיני אלוקי׳ ואדם. Was dem Verewigten aber als ganz besonderes Verdienst nachgerühmt werden muß und was ihm in unserer Gemeinde ein ewiges, unauslöschliches Andenken bewahren wird, das war sein großer Eifer, die innige Hingebung, ja man kann sagen, Aufopferung, mit welcher der Entschlafene rein לשם שמים sich dem Jugendunterricht gewidmet hatte. Weit über seine Kräfte und seine Befugnisse war er unverdrosscn bemüht, in dem Herzen der Kinder die Liebe zu unserer heiligen Lehre und Sprache, die er meisterhaft handhabte, zu erwecken und stets rege zu erhalten. Sein außerordentliches pädagogisches Talent kam ihm hierbei sehr zu statten und die Früchte, die er gezeitigt, sind wahrhaft staunenSwerthe. Selbst jüngere Schüler haben durch die treffliche Anleitung, die sie von dem Verewigten erhielten, eine solche Gewandtheit und Vertrautheit in dem Gebrauch der heiligen Sprache erlangt, daß sie im Stande waren, mit ihrem Lehrer in gutem Hebräisch zu korrespondiren. Wahrlich ein solcher Mann, dem cs so sehr am Herzen lag אהבת תורת ויראת שמים in die Herzen unserer Jugend zu pflanzen, verdient es sicherlich, daß nach seinem Hinscheiden in ehrenvoller