Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 28 (15.7.1886)
- Article
- Die freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums
- Date
- 1886-07-15
- Page
- 434 (sequence 2)
- Language
- German
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434 allgemein und in diesem Zusammenhänge behauptet worden, daß der Jude, falls eine Kollision derbargerlichen, freiwillig übernommenen Pflichten mit denreligionSgesetzlichen eintrete, den ersteren Folge zu leisten habe. Man wird also auch hieran erkennnen, daß die Interessen des orthodoxen Judenthums selbst in anscheinend allgemeinen Angelegenheiten geschädigt werden können, falls sie nicht eine besondere Vertretung haben. Oder wenn es sich um die Förderung des Handwerks und des Ackerbaus unter den Juden handelt und eine nicht auf dem Boden des orthodoxen JudenthumS stehende Vertretung lehnt es ab, bei diesen Bestrebungen die Beobachtung des jüdischen Religionsgesctzes zur unerläßlichen Bedingung für dieselben anzuerkennen — ist alsdann das Interesse des orthodoxen Judcuthums nicht gefährdet? Bedürfen da solche Angelegenheiten nicht der besonderen orthodoxen Vertretung? So lassen sich noch viele Beispiele anführen, um darzuthun, daß auch für die Vertretung allgemeiner jüdischer Angelegenheiten ein Organ nothwendig ist, welches sich der Interessen des orthodoxen Judenthums widmet. Wie könnte es auch anders sein? Wo jüdische Angelegenheiten zu vertreten sind, da hat man religiöse Interessen zu wahren. Die in jüngster Zeit so sehr beliebte Parole ״Ausschluß der religiösen Frage", mit welcher man die Gegensätze zu einem gemeinsamen Wirken zu vereinen versuchen möchte, ist eine inhaltlose Phrase, gerade hinreichend, denkfaule und gleichgültige Menschen irre zu führen. Wir haben dieses bereits zu wiederholten Malen betont. Mag man aber auch nicht dieser unserer Ansicht in vollstem Umfange beipflichten wollen und an die Möglichkeit einer solchen Unterscheidung, sowie einer auf Grund derselben sich gestaltenden' gemeinsamen Arbeit für das Judenthum glauben, so wird man doch der Erkenntniß sich nicht verschließen wollen, daß faktisch die Interessen deö orthodoxen Judenthums durch derartige Versuche zum Mindesten nicht gefördert worden sind. Die Berechtigung und Nothwendigkeit der ״freien Vereinigung" für die Vertretung allgemeiner jüdischer Angelegenheit wird man deshalb nicht in Abrede nehmen können. Es würde aber dadurch keineswegs eine feindselige Haltung gegen die anderweitig vorhandenen Institutionen absolut bedingt sein. Wollen diese in der That keinen religiösen Standpunkt bei allgemeinen Angelegenheiten emnehmen, so kann eS ihnen ja gleichgültig sein, wenn von anderer Seite dieser gewahrt wird. Fühlen sie wirklich sich von jeder antiorthodoxen Propaganda frei, so kann cS ihnen ja sogar nur willkommen sein, wenn ihre lediglich humanen Bestrebungen von den jüdisch-religiösen einer orthodoxen Vereinigung mit gefördert werden. (Fortsetzung folgt.) פרקי אבות. Uebersetzt und erläutert von Samson Raphael Hirsch. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) *) 10. Sie sagten bret Dinge. Rabbi Elieser sagt: es sei dir die Ehre deines Nächsten so theuer wie die deinige und sei nicht leicht geneigt zu zürnen und bessere dich einen Tag vor deinem Tode. Wärme dich an den! Feuerschein der Weisen, nimm dich aber mit ihrer Kohle in Acht, daß du dich nicht verbrennst; denn der über ihre Verletzung schwebende Bann ist Fuchsesbiß und Skorpionenstich und Vaseliskenzischen, und alle ihre Worte sind wie Fcuerkohlen. Es sei dir deines Nächsten Ehre so theuer wie die eigene, darum gerathe nicht leicht in Zorn, daß du nicht in Heftigkeit der Ehre deines Nächsten zu nahe tretest, und statt über die Handlungsweise des Nächsten zu zürnen, denke vielmehr an deine eigenen Fehler und arbeite unaufhörlich an deiner Besserung. Kehre einen Tag vor deinem Tode zurück, d. h. denke jeden Tag, eS könnte dein letzter sein, und bessere dich heute, da du nicht weißt, ob du morgen noch lebst. Nichts wird dich aber so zur steten Besserung führen, als wenn du dich mit den Lehren und dem Beispiel der Weisen vertraut machst und ihre Vorschriften befolgst. Nicht nur Licht, sondern auch Wärme gewährt ihr Wort und giebt dir freudige Kraft und Leben zu allem Guten. Und nimm dich in Acht mit ihrer ״Kohle"! Du könntest Manches, was sie gesprochen und geordnet, als. veraltet und ausgebrannt betrachten, aus welchem bereits das ehemalige Feuer gewichen, und wagst es nun respektwidrig in die Hand zu nehmen und nach deiner Willkür damit zu spielen. Nimm dich in Acht! Kein Wort und keine Anordnung der Weisen veraltet und verliert die Feuerkraft. Was dir vunkel scheint, birgt ewige Gtuth, und jede Hand verbrennt sich, die sich leichtsinnig daran vergreift. Die Kraft des Bannes, der über die Worte und Anordnungen der Weisen schwebt, wird häufig durch einen Biß oder Stich ausgedrückt, der den Muthwilligen trifft. וכל דבריהם גחלי אש, sie werden nie גחלים, sie bleiben immer גחלי אש. *)11. Rabbi Jehoschua sagt: BöseS Auge, böse Leidenschaft und Menschenhaß bringen den Menschen aus der Welt. •) הס אמי־ו שלשה דברים רבי אליעזר אומר יהי כבור חברך חביב עליך כשלך «W תהי נוח לכעוס ושוב יום אחר «1פני מיתתך והוי מתחמם כגג.־ אורן של חכמים והוי זהיר בגחלתן שלא חכוה שנישיכתן נשיכת שועד ועקיצתן עקיצת עקיב ולחישתן לחישת שרף וכל דבריהם כנחלי אש- יי דבי יהושע אומד עין הרע ויצר הריע ושנאת הבריות מוציאי ן את האדם מן העולם-