Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1886)
- Article
- Das Schreiben am Sabbath
- Date
- 1886-07-08
- Page
- 420 (sequence 3)
- Language
- German
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420 beobachrung sind, und daher nicht zu befürchten ist, daß sie die Kohlen schüren, da angenommen werden darf, daß, falls einer dies ans Versehen thun wollte, er von Andern sofort erinnert und von einer durch Gottes Gesetz verbotenen Verrichtung zurückgehalten würde. Nun ist der ״ungarische Rabbiner" der Ansicht, daß die Voraussetzung"בגי הבורח זריוץ הן־ auch auf die israelitischen Besucher der Mittelschulen Anwendung findet, und daß ebenso wie zur Erfüllung des Peßachopfergesetzcs die Nicht'vcobachtung einer rabbin!scheu Prohibitivbestimmung zulässig ist, ebenso auch den israelitischen Gymnasialschülern das Schreiben am Sabbath zu gestatten sei! Man sollte eS kaum möglich halten, daß Jemandem einfallen kann, eine angeblich ״halachische Untersuchung" auf derartige Vergleiche zu stützen, durch die das Schreiben eines SchulpensumS der Beobachtung eines GottcsgcsetzcS und die israelitischen Gymnasial׳ schülcr den zum Vollzüge der Opfergesetze vereinten als זריזין וחבלים als vorsichtig und weise geltenden בגי חבורה gleichgestellt werden. Die Anführung dieses vermeintlichen Grundes genügt also schon, um seine Nichtigkeit erkennen zn lassen. (Fortsetzung folgt.) Die des de!1.r Dckes" über DlWMt's NMMct. Das Pamphlet ״La France juivc" von Eduard Drnmont, zwei stattliche Bände umfassend, hat seinem Verfasser die Ehre eingetragen, unter den bedeutenden Männern des gegenwärtigen Jahrhunderts neben den Rohling und Stöcker fortan genannt zu werden. Die ״Revue des Lcux MondcS" widmet demselben eine interessante Besprechung von F. 33runctierc, von welcher wir um so lieber im Folgenden Kenntnis; nehmen, als das darin Gesagte nicht allein auf die französischen Judenfresser׳ und den Drnmont'schcn AntisemitiSmuS paßt, sondern eine internationale Bedeutung hat. Vorurtheil, Haß, Neid und wie sonst immer die Dämonen heißen, welche die Erzeuger der gegen die Juden sich wendenden Versolgungösucht sind, ähneln sich überall, ob sie in der Brust eines Franzosen oder eines Deutschen, eines Slaven oder Magyaren ihre Stätte haben. Auch die höhere oder geringere Beleidignng bedingt keinen Unterschied der Empfindung, höchstens einen solchen Ln Bezug auf die Mittel. Der Schriftsteller mit der Feder, der Redner mit der Zunge, der Mordbrenner mit Feuer und Lanze bilden in brüderlichem Verein das gegen die Inden im Felde stehende Heer, Was F. Brunetiöre über Drnmont sagt, gilt für die ganze Sippe und was sie schreibt und spricht. Drnmont handelt Ln seinem Pamphlet von Allem und doch immer nur von Inden. Der Haß ist so!nächtig, daß er überall den Gegenstand der heißen Leidenschaft zn erblicken wähnt. Wenn Drnmont das heutige Frankreich ganz anders findet, als zn Zeiten Ludwig XIV. oder Ludwig des Heiligen, so rechnet er dieses den Juden als Verbrechen an. Wenn die Franzosen das Geld mehr lieben als die Ehre, so trifft ganz natürlich die Juden die Schuld. Die Juden haben an Allem Schuld, sind für Alles verautwortlich, nicht nur für das, was sie thun, sondern auch für das, was Andere thun, z. B. für die Expedition nach Tonkln, für die französische Revolution, ganz gewiß aber für das Druntvnl'schc Pamphlet. Hatte er denn dieses schreiben können, wenn es keine Juden gäbe? — Noch dazu vermehren sich die Inden, werden immer mächtiger, inimer reicher — das Reicherwerdcn ist das Schlimmste — also überflügeln sie immer mehr die Christen, also müssen diese sie ordentlich unterdrücken. Das ist das Dnnnont'sche Buch. Brnnetiöre meint, er habe schon besiere Schriften, aber kaum eine gefährlichere gelesen. Der Mitarbeiter der ״Revue des deux Mondes״ gesteht, daß er persönlich für die Juden keine Zuneigung empfinde. Er sei aber auch kein Freund von Musik, von Gebirgslandschaften. Das lüge eben in einer besondern individuellen Beanlagung. Zu- oder Abneigung dürfen aber unser Urthcil nicht bestimmen. Unduldsamkeit gipfelt in den! Bemühen, das Urthcil des Verstandes den unklaren Neigungen anzupasscn. Drnmont bemüht sich vergebens, seinen! Judcnhasse schöne Namen zn geben. Der Haß macht ihn blind. Er ist mit seiner Zeit unzufrieden, und er wälzt die ganze Last der Derautwortlichkeit für die ihm nicht zusagenden Verhältnisse auf die Juden, welche sich allerdings in denselben gut zurechtgesnnden, aber sie keineswegs geschaffen haben, jedenfalls aber hätten sic doch nur mit den übrigen Menschen zusammen an deren Gestaltung gearbeitet. ES sei lächerlich, von einem Gegensatz der Rassen zu sprechen, von. der natürlichen Aufrichtigkeit der Arier und der natürlichen Arglist der Semiten. Die Liebe zum Gelbe ist Allen gemein, *ant, nicht nur in der Gegen» wart, sondern auch in der Vergangenheit. Angenommen, die Juden besäßen alle Laster und Fehler, in welchen Drnmont sie darzustcllen sucht, und wahr ist es, daß sie im Bcrhältniß zn ihrer geringen Zahl eine sehr hervorragende Stellung in Frankreich behaupten — sind sie dem! nicht Franzosen? Sind die französischen Angelegenheiten nicht die ihren? Und da sie eS bestimmt sind, so muß man damit einverstanden sein,