Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1886)
- Article
- Erkannte Irrungen
- Date
- 1886-07-01
- Page
- 415 (sequence 3)
- Language
- German
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415 Erklärung hierfür bietet der Umstand, daß Ella zum grenzenlosen Staunen der Eitern und deS BrnderS die kategorische Erklärung abgegeben hatte, zum heutigen Konzerte nicht mitgchen zu wollen. Und diesmal that ihr ihre Notorietät als ,,unbengsa-.ner, starrköpfiger Wildsang", wie die Frau Mama sie zu benamsen pflegte, die besten Dienste. Man versuchte nicht, sic umzustimmen oder von ihr die Beweggründe dieses Entschlusses hcranSzubringen --- als ob ein solcher Windbeutel Beweggründe hätte! Nichts als Launen, als Kaprizen! Auf das Knarren der Thüre, welche das Eintreten NafaclS in den Hof verursachte, wandte sich Ella unl. Sie erblaßte und begann zu zittern als sie den Eintretenden wahrnahm, in dessen Augesicht die Ausregung die edle Harmonie der Züge verzerrt und zerstört hatte. Eine Ahnung sagte ihr, daß sein Konunen mit dem nbermüthigcn Vorhaben ihres BrnderS in Zusammenhang stehe und das Bangen des Ucbclthäters überfiel sie, der seinen Richter nahen sieht. Merkwnrdigerweisc beschleicht dieselbe Ahnung die Frau Mama, als sie den ״anmaßenden, von einem starken Eigendünkel erfüllten jüdischen Studenten" vom Fenster der oberen Etage aus in den Hof treten sah. Sic entfernte sich schleunigst vom Fenster. Rafael grüßte höflichst aber frostig, als er an Ella vorbeikam. ״Treffe ich Ihren Herren Bruder zu Haus, Fräulein?" In dieser Frage fand Ella die Bestätigung ihrer unseligen Vermuthung. Ihr Herz zog sich angstgepreßt zusammen bei dem Gedanken an die Bewegung der zwei heftig stolzen Jünglinge, cS ist unmöglich, daß es zwischen ihnen nicht zu einem gewaltsamen Zusammenstoß kommen solle. Diese Begegnung mußte verhindert werden, wenigstens gegenwärtig — und der Gedanke tauchte in ihr auf, die Unwahrheit zu reden. Sic rang einige Sekunden mit diesem Entschlüsse .... sie wollte schon die Lippen öffnen um zu antworten: Nein .... ES ging nicht, sie konnte die Lüge nicht hervorbriugcn! ״Wie Gottes Wille ist!" dachte sie nut ergebener Rcsignation und antwortete mit bedrückter Stimme: ״Ir, er ist zu HauS." ״Ich danke!" Rafael eilte weiter. Im oberen Stockwerk angelangt, öffnete ein Bedienter auf seine Frage nach den Zintmcrn deS Herrn Rittmeisters die Thüre eines Vorzimmers, in welchem der Bursche Franz von Colmar'6 ausgestellt war, um die Bedicntenpflichten zu versehen. Rafael übergab ihm seine Karte und der Bursche entfernte sich mit derselben, um ihn seinem Herrn zu melden. Nach einigen Sekunden kehrte er zurück und meldete mit soldatischer Steifheit: ״Der gnädige Herr läßt bedauern, gegenwärtig in Anspruch gcnonunen zu sein und erbittet sich die Ehre ein nächstes Mal." Ein in Rafaels Seele aufbrausender Wirbclsturm trieb ihm eine Blutwelle zum Kopf. Seine Rechte krampfte sich zur Faust zusammen und er preßte die! Lippen fest aufeinander, aber er hielt mit eiserner Macht die Empörung nieder, die sich in ihm aufbäumte. Er mußte kaltes Blut bewahren, wenn er den Zweck seines Herkommens erreichen wollte — und er mußte ihn erreichen! — Er nahm abermals eine Visitenkarte hervor und schrieb ans dieselbe, daö aufgeregte Zittern seiner Hand nach Möglichkeit be׳ meisternd, die Worte: ״Herr Rittmeister! Wenn mein Besuch ein konvcntionelter wäre, würde ich nach Ihrer geschätzten Weisung jetzt Weggehen und ein anderes Mal wiederkommen — falls mir bis dahin die Lust dazu noch nicht vergangen sein sollte. Es liegt mir aber nichts ferner, als mich des gesellschaftlichen Rechtes anzumaßen, Sie besuchen zu dürfen. -Ich habe vielmehr in einer dringenden, nnansschiebbarcu Angelegenheit mit Ihnen eine kurze Rücksprache zu nehmen und bitte daher, mir einige Minuten zu gewähren." Die Worte ״dringend, unaufschiebbar" unterstrich er dick, und schickte dann die Karte durch den Bedienten hinein. ' (Fortsetzung folgt.) Inserate werden die Zspaltige Pelilzeilr ^1%'ßl Für den Inhalt bcrfclbe« übernimmt die oder deren Raum mit 25> Pfg. berechnet. H ifili 41*. Redaktion keinerlei Verantwortung. Insertions- und AbomiemenlS.Annahme für Frankfurt a. M. auch bei Herrn I. Kaufsmanu daselbst, ohne Preiserhöhung. foicl SttkMllll, Crefeld, בשר Aestlluration בשר schöne Zimmer, gute Küche, solide Preise, übernimmt Festlichkeiten und Hochzeiten in und außer dem Hause. Zn meinem Haufe können noch einige Knaben Aufnahme finden. Dieselben em. psangcu bei vorzüglichster Pflege eine sorgsäl. tige Erziehung. Isaac Hirse!!,! Hannover, Artillerieflraße 29. Harzburg. Juliusstrasse 14. כשי Restauration כשר Meyer aus Halberstadt.