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Jeschurun · 1886-07-01 · Heft 26 (1.7.1886) · p. 405

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 26 (1.7.1886)
Article
Die jüdischen Mittelschulen in Ungarn
Date
1886-07-01
Page
405 (sequence 3)
Language
German
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405 Gedanken, die von unserem gegenwärtigen Thema nnzertrennlich sind, nicht hinter dem Berge halten. Da wir ein jedes Gezanke über diesen Gegmstand, der zudem seit Jahrzehnten erschöpft ist, für' unnütz und fruchtlos halten, so wollen diese Zeilen auch nicht vom Parteistandpunkt betrachtet werden, wollen nichts Anderes sein, als die in absoluter Ruhe, ohne Haß und Eifer wiedergegebene Reflerion eines Einzelnen über einen ihm nahegehenden Gegenstand. Der Geist der Proseliteumachcrci ist nun einmal dem achten Judenthum völlig unbekannt. Anders aber ist es. wo cs sich um die Wahrheit handelt, zu deren Schildträger sich ein jeder Mensch zählen muß. Ein Jeder muß es als seine heiligste Angelegenheit betrachten, an jedem Auge die Staarhaut zu zerreißen, wo eine solche dem Strahl der Wahrheit den Zutritt zur Pupille wehrt. Ob man der Wahrheit die Ehre geben will und wird, das kommt hier nicht in Frage; aber gesehen soll sie überall werden. Wer bei der Luge verharrt, der soll wissen, daß er nicht in der Wahrheit ist. Deshalb kann eS uns Niemand verübeln, wenn wir zn dm Reformern sprechen: Wohlan, werden Sie nur immerzu nach Ihrer Fa^on selig; nennen Sie Ihre Konzcrthäuser — Tempel, Ihre redegewandten Homcletiker — Seelen Hirten, aber lassen Sie doch blos das einzelne Wörtchen ״jüdisch" fort. Ihr GlanbenSbekcuntniß mag ja ganz schön, kunstsinnig und vielleicht auch für Sic befriedigend sein, aber das Judcnthum können und werden wir nie in demselben erkennen, und deshalb betrachten wir alles das, waS zum Ruhme dieses Glaubensbekenntnisses geschieht, nicht für einen Gewinnst jenes JudeuthumS, welches unsere Generation als die Krone einer viertausendjährigen Geschichte überkommen hat. (Schluß folgt.) MHerschau. Diwan des Abraham Jbn Esra mit seiner Allegorie Hai den Mekiz. Zum ersten Male aus der einzigen Handschrift mit erläuternden Anmerkungen hcrausgegebcn von Dr. Jakob EgerS. Berlin 1886. In Kom- Mission: I. Kausfinann in Frankfurt a. M. 8. XX u. 187 S. Abraham'den Meir Ibu Esra, der geistvolle Gelehrte, der sich durch seine bewundernswürdig vielseitige Thätigkeit als Exegct, Grammatiker, Mathematiker, Religionsphilosoph und Dichter bei Mit- und Nach- Welt ein ruhmvolles Andenken geschaffen, wurde um 1092 in Toledo geboren, mußte ans unbekannten Gründen sein Vaterland verlassen und starb nach einem unsteten Wanderleben im Jahre 1167. Während seine Bibelkommentare, seine grammatischen und sonstigen wissenschaftlichen Schriften zum großen Theil bereits veröffentlicht und mehrfach bearbeitet waren, waren von seinen Dichtungen bisher nur vereinzelte Stücke bekannt geworden, mit deren Zusammentragcmg, Sichtung und Erläuterung jüngst David Nosin (Reime und Gedichte des Abraham ibu Esra, Erstes Heft, Breslau 1885) begonnen hat. Von einer umfassenden Sairin!lang seiner dichterischen Erzeugnisse, von einem Diwan, wie der dafür gebräuchliche' KnnstauSdruck lautet, war uns zwar eine Kunde überkommen; doch galt derselbe, da sich nirgends seine Spur entdecken ließ, seither für verschollen, bis er neuerdings in Jemen in einer ziemlich gut erhaltenen Pergamenthandschrift, verbunden mit Fragmenten aus Mose den Esra'S Tharschisch und einer Auslese anö Abraham den Chalson'S Diwan, aufgefunden und im Jahre 1881 durch Schapira'S Vermittelung von der königl. Bibliothek erworben wurde. Diese Sammlung ist es, die in der uns vorliegenden Arbeit zum ersten Male veröffentlicht wird. Den tranöskribirtea arabischen Zqt der von dem Sammler hcrrührcndcn Einleitung zum ganzen Werke, sowie der von ihm zu den einzelnen Stücken gegebenen Ueberschristen, die zur Bezeichnung des Metrums, der Melodie u. s. w. dienen, begleitet eine vom Professor Kaufmann in Budapest bearbeitete deutsche Ucbersetzung. Der Diwan selbst zerfällt nach der von dem Herausgcbcr bcibehalteucn Anordnung seiner Vorlage in drei Thcile. Der erste, nur aus einem Kapitel bestehende Theil enthält Gedichte über verschiedene Materien, darunter auch synagogale Stücke, und zwar sogenannte רשיות und eine größere Anzahl von Näthseln. Der zweite Theil bietet in acht Kapiteln Gedichte in Form von Muwaschschah und Ghazel, Lobgesäuge, theosophische, astronomische und philosophische Gedichte, Elegieen, Trauer-, Klage-, Buß- und Gelegenheitsgedichte. Der dritte Theil enthält in vier Kapiteln verschiedene theils synagogale Stücke in gereimter und metrischer oder reimloser und unmetrischer Form, darunter die Sanluel ibu Gami' gcwidmeic allegorische Dichtung ״Ehaj den Mekiz", die nach Steinschneider eine freie Bearbeitung des Chaj den Jaktsau des Avicenna ist. In den Anmerkungen, die dem gesummten Texte folgen, beschränkt sich der Herausgeber auf literarische Nachweise und eine kurze Besprechung der Varianten. Nur hier und da geht er mit wenigen Worten auf die Erläuterung des Inhalts ein, da er, wie er sagt, cS zunächst nur für seine Aufgabe angesehen hat, einen möglichst vollständigen und korrekten Text zu liefern. Die Auflösung und Erklärung der Näthsel Nr. 22 bis 46 rührt von Kaufmann her; eine literarisch-

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