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Jeschurun · 1886-06-24 · Heft 25 (24.6.1886) · p. 393

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 25 (24.6.1886)
Article
[Rezension] / R......
Date
1886-06-24
Page
393 (sequence 1)
Language
German
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M2 5< 398 Jeschnrun. Kücherschllll. Wertheimer, Josef, Ritter von, Gesinnnngstüchtigkeit des jüdischen Stammes in humaner und staatlicher Beziehung und dessen Leistungsfähigkeit auf allen Gebieten dcS menschlichen Wissens und Könnens. Zur Wahrung der Menschen- und staatsbürgerlichen Rechte der Juden durch Thatsachen erhärtet. Wien 1896, Alfred Holder, k. k. Hof- und UniversitätS-Buchhändler. Jeder auch noch so geringe Versuch zur.Ehrenrettung der vielgcschmähten und gehaßten jüdischen Nation ist, wenn er ernst gemeint ist, mit Freuden zu begrüßen. Auch das vorliegende Schriftchcu würde in dieser Hinsicht wegen der darin kundgegcbeneu wackeren und biederen Absicht, zu erweisen, daß die Juden nicht hinter ihren nichljüdischen Mitbürgern in humaner und staatlicher Beziehung zurückstehcn, volle Anerkennung verdienen, wenn nicht leider hier und da unsere mit unserem inneren und äußeren Leben so innig verknüpften NitualcodiccS und manche in denselben enthaltenen Gesetze einige zicinlich mächtige Hiebe versetzt erhielten, die um so wuchtiger sind, um so tiefer schmerzen, als sie von einem der Unsrigcn und zwar in dem Augenblicke auSgcthcilt werden, wo er das Schwert gegen die Widersacher des jüdischen Stammes zu dessen Verthcidigung erhebt. — Die folgende kurze Besprechung des WerkchcuS soll auch nur nach den soeben angcdeuteten Gesichtspunkten geschehen, die wichtiger erscheinen, als so mancher andere Passus, und die wir dem Berfasscr schon gerne, eingedenk des alten Spruches ut desint vires, tarnen est landanda volimtas, um so mehr verzeihen, als sie nicht prinzipieller Natur sind, sondern lediglich einer gewissen Ungeschicklichkeit und Naivität in Auffassung und Darstellung ruzuschreibcu sind. Wir wollen, was daS Letztere anlangt, nur auf die höchst ungeschickte Argumentation des Verfassers aufmerksam ..machen, deren er sich bei der Darstellung der Ursachen der ausgezeichneten Leistungen der jüdischen Schüler befleißigt. Ebenso naiv ist cS, wenn z. B. der Berfasser bemerkt, daß LcssingS ״Nathan der Weise" in seinem Baterhause die Stelle einer HanSpostille vertrat. Doch nun ad rem. Zunächst bemerkt der Vcrsasscr in der Vorrede (S. III), daß die ״sich wie ein rother Faden durchschlagende Begabung" besonders auf die gedrückten Verhältnisse innerhalb der jüdischen Bevölkerungen und die Innigkeit deö Familienlebens zurnckzusühren seien. Wir wollen nicht mit dem Verfasser über die Nichtigkeit oder Unrichtigkcit dieser seiner Behauptuug polemisiren, wohl aber möchten wir gegen die Begründung dieser seiner Behauptung energischst Protest cinlcgen. Verfasser fährt nämlich fort: ״Denn: lehrt die Noth beten, so lehrt sie auch lernen und der über traditionelle Anschauungen hin ans gekommene jüdische Hausvater faßte ein solches Lernen dahin auf, daß eS zu einem ehrlichen bürgerlichen Ausgleiche zu führen hätte". Was versteht der Verfasser unter jenen ״traditionellcn Anschauungen", über die man erst hinausgekommen sein muß, um eine solche Auffassung vom Lernen zu erhalten? Erinnert sich der Verfasser denn gar nicht an jenes bekannte Wort von R. Gamliel: יפה תלמוד תורה עם דרך ארץ שיגיעת שניהם משנחה ,עון וכל תורה שאין עמה מלאכה סופה בטלה וגרדת עון welches unsere traditionelle Anschauung vom Lernen und dessen Verhültniß zum Leben enthält. In solchen Ideen sich bewegende Anschauungen muß man erst über Bord geworfen haben, um ein ordentlicher, brauchbarer Mensch zu werden?- Gegen Ende der Vorrede meint der Verfasser, ״im angeborenen HaudelSgeiste" seines Stammes Bilanz zwischen Licht- und Schattenseiten zu ziehen. Wir sind begierig, wie der Verfasser den Beweis von dem ״angeborenen Handelsgeiste" führen will; bis jetzt wissen wir und viele Andere nichts von dieser zum Handeln und Schachern ererbten Disposition. Sodann meint der Verfasser, daß der Saldo hauptsächlich insofern zu Gunsten der Lichtseiten sich hcrauSstellt, als die Voraussetzung mitwirke, ״daß das Streben, die Lichtseiten immermchr zu entwickeln, die letzteren immer mehr zurücktrcten zu lassen, Erstarkung und Verallgemeinerung begegnen möge." Wir danken dem greisen Verfasser von ganzem Herzen für diese glimpfliche Behandlung. Wir glaubten bis jetzt nur bei unseren Hassern um mildernde Umstände plaidiren zu müssen — aber leider müssen wir jetzt auch bei denen, die sich aus unserer eigenen Mitte als Vertheidigcr aufspielen, zu Kreuze kriechen und sie bitten, Gnade für Recht ergehen zu lassen — wir danken verbindlichst für eine solche Verthcidigung! — Nur im Borübergehcn machen wir auf den groben Jrrthum des Verfassers aufmerksam, welcher glaubt, daß ״für daS Laubhütteufest lediglich jit dem Zwecke ein achter Tag eingesetzt wurde, damit für die damals lebenden siebzig nichtisraelitischcn Völkerschaften ent« sprechende Opfer dargebracht werden könnten."- Wir müsfcn ferner dem Verfasser tansend Dank sagen, daß er wenigstens die Versicherung giebt, daß der Talmud nichts enthält, was den Lehren allgemein zu übender Meuschculiedc widecspricht; cs ist dies um so höher anznschlagcn, als der Verfasser ausdrücklich hinzu, setzt: ״wiewohl bekanntlich(??) die Glaubens-- und

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