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Jeschurun · 1886-06-17 · Heft 24 (17.6.1886) · p. 375

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 24 (17.6.1886)
Article
Über die Juden in Russisch-Zentralasien
Date
1886-06-17
Page
375 (sequence 3)
Language
German
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375 Als nun erst die beiden Klassen, die Bürgerlichen und die Soldaten, sich einander genähert hatten, da waltete auf beiden Seiten aufrichtiger Ernst, und seitdem umschlingt ein festes Band brüderlichster Gesinnung die nun zu einem Gemeinwesen vereinigten Glaubensgenossen. Mit vereinten Kräften wurde rüstig die Schaffung eines ordentlichen GcmeindclcbcnS betrieben, und bald entstanden in ihrer Mitte Synagogen, Schulen, Mikwaoth u. s. w. Es wohnen jetzt etwa!90 jüdische Familien in Turkcstan mit beut Gebiete der ״sieben Ströme": 85 in Taschkent, 15 in Samarkand,!0 in Margoljcno, 20 in verschiedenen anderen turkestanischen Städten, 35 in Wjcrnoe und an anderen Orten deö Distrikts SsemiretschinSk 25. Die Gemeinde zu Taschkent ist die angesehenste unter diesen Gemeinden. Sie besitzt schon länger eine Synagoge mit fünfzehn Sifre Thora und verschiedenen anderen heiligen Büchern, kostbaren Lampen, an welchen hundertzwanzig Lichte allsabbathlich leuchten. In dem Synagogcnhofe sind Gebände zum Wohnen für die beiden Schochtim, die Mikivc und die Schule mit drei Klassen für profanen und religiösen Unterricht, welcher -von fünfzig Knaben nnd Mädchen besucht wird. Einer der Schochtim, ehemaliger Soldat, zugleich Ehasan nnd Mohel, ist von der Regiernng zum Vorsteher eingesetzt. Er nimmt auch die jüdischen Eide ab. Es epistirt hier ferner eine Chebra Kadischa. Nach dem heiligen Lande werden jährlich etwa 150 Rubel gesandt. (Fortsetzung folgt.) Manliklnuge». von Friedrich Nott. (Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Es entstand eine Pause. ״Diese Wiesenhein," Hub Walther nach einigen Minuten wieder an, ״es ist seltsam, Ihr seliger Vater hat sic nicht persönlich gekannt, aber er hatte eine unüberwindliche Aversion gegen sie; er hatte in Wirklichkeit die Ahnung, daß sie Ihnen Unglück bringen werden." ״Woher wissen Sie das?" fragte Bella, staunend, indem sie die Arbeit sinken ließ. ״AuS seinem eigenen Munde," erwiderte er. ״Wissen. Sie denn nicht, Fräulein, daß er meinen Vater zu Ihrem Vormund ernannt hatte?" ״Doch, das ist mir bekannt. Nur allzu oft hörte ich Mama sich selbst der unverzeihlichen Schwäche anklagen, daß sie nicht mit aller Entschiedenheit darauf bestanden, den letzten Willen meines seligen Vaters zur Geltung zu bringen. Doch daß mein Vater, wie Sie sagten, eS voranSgesehen, daß die Wiesenhein mir Unglück bringen werde, das war mir fremd." ״Das kann ich mir denken; ich zweifle überhaupt, daß Herr von Merten sich Andern gegenüber in dieser Weise geäußert hat." ״Sie standen demnach meinem Vater sehr nahe, Herr Doktor? — Sie waren sein Vertranter? —" Ihr Ton war inniger, wärmer, als er ihn je vernommen, sein Herz schlug rascher. ״Herr von Merten erlag einem Schlaganfall, wie. Ihnen das bekannt sein dürfte. In der letzten Stunde seines Lebens, als er sich noch vollkommen wohl fühlte, war ich allein bei ihm." ״Und damals vernahmen Sie jene Acßerung ans seinem Munde? — o, ich bitte, erzählen Sie mir mehr von dieser Stunde. Ueber was sprach mein Vater noch mit Ihnen?" Walther antwortete nicht sogleich, er stützte den rechten Arm auf den Tisch und beschattete mit der Hand die Augen. ״Bitte, Herr Doktor," fuhr Bella lebhaft fort, ״suchen Sie sich zu erinnern — Sie können kaum denken, welch' unschätzbaren Werth jedes Wort, das Sie in jener Stunde vernommen, für mich hat. — Mein Vater wurde mir so früh entrissen, ich besitze kein Bild von ihm, dennoch steht er lebhaft mir vor Augen. Nicht wahr, er war ein großer, schöner Mann mit blühender Gesichtsfarbe und wunderbar schönen Augen? — trug er nicht an jenem letzten Tage einen Hellen, fast weißen Sornmcranzng?" Walther bestätigte ihre Angaben. ״Es ist erstaunlich, Sic zählten kaurn sechs Jahre —" ״O, was meinen Vater betrifft, wie könnte ich das je vergessen. — Mein Vater hat sich viel mitmir beschäftigt; in gewisser Beziehung weit mehr als Mama. — Ich glaube, er hatte eine Ahnung,, daß er mich früh verlassen werde — aus manchen Acnßernngen habe ich in späteren Jahren oft geglaubt, dieses■־ schließen zu müssen." ״Ihre Vermuthung ist richtig," entgcgnete Walther. ״Herr von Merten halte in der That eine Ahnung, das; er früh und plötzlich ivcrde aus dem Leben scheiden müssen — in jener Stunde, der ich bereits erwähnte, sprach er bereits davon — er sprach von seiner Angst und seiner Sorge, feinem Kinde, das so herrliche Anlogen zeigte, zu zeitig entrissen zu werden." ״Und von was sprach er noch?" fragte Bella eifrig.; Dunkle Gluth überzog bei dieser Frage plötzlich Walthers Angesicht. Erstaunt über diese sichtliche Er--, regung ward das junge Mädchen nur noch dringender. ״Ich bitte, Herr Doktor, theilen Sie mir Altes mit."׳ ״Ich fürchte, eö könnte Sie unangenehm bcrühren," sprach er mir gepreßter Stimme.-

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