Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1886)
- Article
- Die heilige Sprache und der moderne Zionismus
- Date
- 1886-06-08
- Page
- 358 (sequence 3)
- Language
- German
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358 Gute sucht, ats den, der in dem Gute selbst liegt, der ist, der hat noch — dem wird cS uicht an Täuschungen fehlen." (Fortsetzung folgt.) Die Jlttitfou des Derbaudes deutscher Thierschußvertlne gegen das Zchächten hat folgenden Worlant: ״Ganz ohne Betäubung findet das Schlachten bei dem sogenannten Schächten der Israeliten statt. Hier wird das Thier geknebelt und gewaltsam zur Erde geworfen, wodurch oft schwere Berletzungcn, Rippenbrüchc und Brüche des Hüftbeines, das Abstößen eines Hornes re. Vorkommen, was au und für sich schon als eine Grausamkeit zu betrachten ist. Dann bringt man das Thier in Rückenlage, wobei der Kopf gewaltsam auf die Hörner gestützt, umgedreht wird so daß die untere Halsscite nach oben liegt, worauf durch den damit beauftragten ״Schächter", der aber nicht immer gleich zur Stelle sein kann — in welchem Falle das Thier in der gezwungenen Lage schwere Qualen auszustehen hat, daß cs oft über und über mit Angstschweiß bedeckt sich zeigt — nach einigen rituellen Vorbereitungen der Halsschnitt erfolgt, welcher Hals-, Luft- und Speiseröhre bis zum Wirbel durchschneidend, den Tod durch Verbluten herbcizuführcn bestimmt ist. Es verstopfen sich jedoch bei diesem Verfahren nicht selten die Adern mit Bluttropfen, so daß ein erneuertcS Ocssnrn derselben und ein erneuertes Hantircn in der Wunde uöthkg wird, alles dies bei vollem Bewußtsein dcS Schlachtopfers. Die Zeit, biß wann der Tod eintritt, ist daher verschieden und kann sich, wie gewissenhafte Beobachter mittheilcn, bis zu JO Minuten belaufen, wobei der Ausdruck des Auges namentlich das nur langsam hinschwindende Bewußtsein koustatirte. Wohl sind die Thierschutzvereine sich bewußt, einen wie schwierigen Punkt sic damit berühren, wenn sic auch hier die vorhergehende Betäubung als von ihrem Standtpnnktc aus geboten fordern. Allein die Vcr- Handlungen auf den Kongressen, die darüber erschienene Literatur für und wider haben die dabei sich bietenden Fragen wesentlich geklärt;' eS hat sich hcranSgestellt, daß auch das Schächten der Israeliten nach der heute üblichen Art, wenn auch als ein durch langes Herkommen ehrwürdiger Brauch, der zunächst nur humanitäre Zwecke verfolgt, doch durchaus als keine feste, bindende, religiöse Satzung zu betrachten ist. Religiöse Vorschrift ist nur vollständiges AuSbluteulassen durch den Halsschnitt. Daß die Betäubung wohl damit zu vereinigen ist, das zeigt der Umstand, daß in Men die sofortige Betäubung durch Stiruschlag nach dem HalSschuitte erfolgt, ohne daß darin von den dortigen Israeliten eine Verletzung ihrer religiösen Vorschrift gesehen würde. In einigen Kantonen der Schweiz ist sogar daö Schächten durch Gesetz als Thierquälerei verboten. Aber selbst religiöse Bedenken der Israeliten könnten die Thierschutzvereine nicht davon abhalten, das Betäuben deö Schlachtviehes vor der eigentlichen Tödtung in jedem Falle als ein Gebot der Humanität und Bildung zu fordern. Die Hcxenprozesse, um nur ein Beispiel anzusührcn, seiner Zeit gewiß in den religiösen Anschauungen begründet, haben auch der fortschreitenden Bildung und Humanität weichen müssen .. - Aus diesen Gründen haben die Thierschutzvereine deö deutschen Reiches beschlossen, in vorliegender Petition den hohen Reichstag zu bitten: die vorliegende Materie zum Gegenstand besonderer gesetzlicher Bestimmungen für das ganze deutsche Reich durch NcichSgcsetz zu machen und zu bestimmen, daß das Schlachtvieh nur nach vorauSgcgangcner Betäubung durch Blnteutzichung ge« tödtct werden dürfe." Die Behauptungen dieser an den Reichstag gerichteten Vorstellung sind durch und durch unwahr. Es ist in der That erstaunlich, wie die Petenten die Dreistigkeit haben konnten, Angesichts der vielfachen gegentheiligen Bekundungen seitcnSAutoritäten ersten Ranges, die ihnen bekannt sein mußten, die jüdische Schlachtweise zu bemängeln und in ein falsches Licht zu stellen. AIS ob der Direktor der Königlichen Thierarzeneischule in Berlin, Professor Dr. Ger lach gar nicht cristirte, welcher ans eigener Wahrnehmung den ganzen TödtungSakt bei Ochsen auf 4 Minuten feststellt, behaupten sie dafür eine Dauer bis zu l O Minuten. Diese Autorität ersten Ranges erklärt daß Schächten für die humanste Schlachl- Methode, ״die allgemein eingeführt zu werden verdient," und sie agitiren gegen dieselbe. Außer Gerlach liegen schon längst, namentlich ans gegebene Veranlassung, seit 1807 eingehende Unhcilc der größten Physiologen und Veterinären Europas der Ocffentlichkeit vor, welche daß Gegentheil von dem enthalten, was diese Petition behauptet. Davon aber wird keine Notiz genommen.*) — Geradezu unerhört ist eS aber, wenn diese Petition sich anmaßt, über dasjenige, was jüdische ReligionSsatznng sei, oder nur frommer Brauch ein Urtheil abzugcbcn. Diese Vorstellung richtet sich in den Augen eines jeden Vorurtheilölosen selbst. Ist die Orgel in der Synagoge חוננה oder N1VN'? — Wunderliche Frage, denkst Du, werther Leser, und **) Wir verweisen auf die höchst verdienstliche Schrift ״Thicrschntz und Menschcntrutz" von vr. lährmann, Frankfurt a. M-, Kaufsniann, welche die allgcrneinste Verbreitung verdient.