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Jeschurun · 1886-06-03 · Heft 22 (3.6.1886) · p. 341

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 22 (3.6.1886)
Article
Die heilige Sprache und der moderne Zionismus
Date
1886-06-03
Page
341 (sequence 3)
Language
German
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341 wirklichung des SehncnS durch ein unpatriotisches Verhalten Israels verzögert werden müßte. Wir sollen weinen und trauern über den Verlust unseres Tempels und der von ihm ausgehenden geistigen Hoheit, aber wir dürfen kein Gefühl totaler Unzufriedenheit mit unserem gegenwärtigen Zustande in uns nähren. Nur ächte, unverfälschte Treue und in unseren Tagen auch innige Liebe zu unserem Vatcrlande kann unsere jüdische Gesetzmäßigkeit so vollkommen machen, daß der Heileszukunft der Gesammtmenschheit, daß unserem Messias der Weg geebnet und sein Erscheinen beschleunigt werde. Nur wenn PatriotisniuS und Zionismus sich brüderlich umarmen, wenn Befriedigung und Sehnsucht in richtiger Weise gemischt werden, kann Israel glauben, daß sein Thatenlcben Vorschub leiste dem Morgengrauen jenes Tages, an welchem alle Kreatur bewundernd bckennen wird, daß aus Israels Gebet um Wicderspende von Zions Glanz nur Gottes Mund gesprochen habe. Wir werden erst später darüber zu reden haben, was Israel mit Jerusalems Wiederaufbau erhoffen soll und darf, aber׳ das sei hier doch schon bancrtt, daß sein Sehnen ein rein ideales, ein Lechzen nach Vollkommenheit in seinem Gottesdienste ist. Nach den Weissagungen seiner Propheten ist diese Vollkommenheit im Gottesdicnste abhängig von dem wicdcrerbantcn Tempel, dem ncucrstandcnen Königs- und Priesterthum, und so ist denn seine Bitte für die äußere nur der Allsdruck für die, ohne dieselbe unmögliche, innere Herrlichkeit. (Fortsetzung folgt.) Ein Ikffjit für IlldmiilWilM und Solche, die es werden wollen. Zn Nutz und Frommen des in der Ueberschrift genannten, gewiß sehr ehrbaren Standes hat Herr L. Anacker, Sekretär des lutherischen ZcntralvcrcinS für Mission unter Israel, unter dem Titel ״Step Hanns Schultz, ein Lebensbild aus der Judcnmission unserer Kirche" gezeigt, wie man cs anfüngt, um die Juden zu bekehren. Das ist gar nicht so leicht, wie vielleicht Mancher glaubt. Es gehört viel Geist, viel Gewandtheit, viel Geduld und viel Glauben dazu, und ob cö dann noch gelingt, das erscheint auch noch zweifelhaft. In dem ״Hannoverschen Sonntagsblatt" wird über dieses erbauliche und nützliche Thema ausführlich abgehandelt. Wir haben nur den mit״ ׳IV." bezeichnctcn Abschnitt ״Stephanus Schultz" vor uns, welcher aber schon genügt, um einen Einblick in die Sache zu gewinnen. Der Judcnmissionar Schultz erscheint hier in den! ganzen Glanze geistiger Größe, und mau wird es nur zu erklärlich finden, wenn in Krakau, Fürth, Halbcrstadt u. a. O., wo er seines heiligen Amtes gewaltet, nächstens alle Juden sich durch ihn taufen lasten werden. Man höre nur die Geschicklichkeit mit welcher er sich den Juden zu nahen pflegt. Wenn man. die Sache ko klug anfaßt, ist eS klar, daß Niemand widerstehen kann. Schultz spricht sich selbst einmal über den Inhalt der HcilSverkündigung an die Inden folgendermaßen aus: ״Das Hauptthema ist: Thut Buße und glaubet an das Evangelium. Dies wird in folgenden Haupt״ punkten abgehandclt: Erstlich zeigt man ihnen, wie sie nun schon Hunderte von Jahren unter dem Fluche des Gesetzes, unter dem Banne und ohne VersöhnungSmitel seien. Zum andern, da cS so kläglich mit ihnen aussicht, so fragt sich'ö, ob ihnen nicht noch zu Helsen sei. Antwort: ״Ja!" Und dabei werden die Verheißungen GottcS betrachtet, daß er ihnen Helsen wolle. Drittens nimmt man ihnen ihre falschen Stützen weg, als Gebet, Fasten, Almosengeben, die Herlesung des Gesetzes, Verdienst oder Fürbitte der heiligen Väter, das Gehennvn oder Fegfcucr, die Zerstreuung in alle Länder u. A., was sic als Versöhnungsmittel angeben. Dann zeigt man ihnen viertens, daß das Verdienst des Messias allein die Versöhnung vor Gott sei. Fünftens wird des Messias Person, Amt und zweifacher Stand abgehandelt, und endlich heißt cs sechstens: ״Wo ist der Mann, der uns helfen kann?" Dabei werden die Zeichen und Zeiten des Messias betrachtet und gezeigt, daß alles dies an Jesus von Nazareth erfüllt sei. Diese verschiedenen Punkte wurden nun in der verschiedensten Weise angewcndct und dnrchgesührt, entweder im öffentlichen Vortrage oder im Gespräche, im geselligen und im Geschäftsverkehr. Ucbcrall wo Schultz Inden traf, redete er mit ihnen von ihrem Heil. So kaufte er sich einst in Krakau bei einem Inden einen schwarzen Flor. Schultz kommt mit' dem Kaufmanne in ein Gespräch, das davon handelt, was der Mensch für große Gaben von dem HErrn erhalten und wie er sie so vergeudet und dnrchgebracht habe. Was muß er nun thuu, um Gott das Seine zurückzugebcn und vor ihm rein dazustehen? Der Jude glaubt, durch Beten, Fasten, Almosengcben sei dies zu erreichen. Allein da kann ihm Schultz entgegnen, daß die Propheten es für einen Greuel vor Gott erklärt haben, sich damit von der Unreinigkeit des HcrzenS und LcdcnS befreien zu wollen. Der Jude stützt sich nun auf die talmudische Lehre, daß das Herlesen der Opfergesctze dieselbe sühnende Kraft habe, wie die Opfer selbst. Da fragt Schultz, was der Flor koste, den er gekauft habe. Er schreibt den genannten Preis auf eine Tafel und liest wohl zehnmal vor: Fünfzig Kreuzer kostet der Flor, fünfzig Kreuzer kostet der Flor, fünfzig Kreuzer kostet der Flor rc. tc Dann will er

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