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Jeschurun · 1886-05-27 · Heft 21 (27.5.1886) · p. 330

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 21 (27.5.1886)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1886-05-27
Page
330 (sequence 2)
Language
German
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380 nur, daß d!e anonymen Verfasser der ersten Abschnitte dieses Buches, deren ehreuwerthe Absichten wir, trotz unserer Gegnerschaft in manchen Punkten, gern anerkennen, mit solchem Gesellen wie dem ״Theologen" zusammengekoppelt worden sind." M. Wrirzburg, 20. Mai. Den Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen, und!>^ישראל רהמניפ בני רחמנים sind, beweist auch folgendes Faktum: Der vom hiesigen Rabbiner erlassene Aufruf zu Gunsten der abgebrannten Israeliten in Stry hatte bereits einen so guten Erfolg, daß schon nach einigen Tagen über 2000 0f& eingegangen und ihrer Bestimmung zngeführt werden. MJ. Pyritz (Pommern). Mai. Am שביעי של פפה ist hier ein Mann verstorben, dessen nachahmungswürdiges Beispiel eines Gott wohlgefälliges Wandels gewiß verdient in der Erinnerung der Mit- und Nachwelt bewahrt zu werden. Herr EliaS Hahn ז״צ״ל, dessen Hinscheiden wir beklagen, zählte gewiß zu jenen Männern, welche den Namen eines צדיק wahrhaft verdienen. Zn Nogasen im Posenschen geboren, weihte er sein ganzes Leben von frühester Jugend bis zum letzten Athemznge der תורה und gewährte durch sein lügenhaftes Leben ein mastergültiges Vorbild der Verwirklichung derselben. Früh des Vaters beraubt, hatte er bald nach seiner Verheirathung mit Nahrnngssorgen zu kämpfen und wauderte nach der Provinz Pommern aus, wo er während 24 Jahren in verschiedenen Dörfern seinen Wohnsitz nahm, sich an dem Nothdnrstigsten ein Genüge sein ließ und jeden freien Augenblick, den ihm die Arbeit für die Seinen übrig ließ, zum Studium benutzte. Seine פפרים waren seine Freunde, mit welchen er unausgesetzte nUmgang pflegte. Und wahrlich, er hat sich nicht vergebens dem Studium hiugcgeben. Man kann ihn entschieden zu den Gelehrten zählen, wie er der Tugendhaftesten Einer gewesen. Bor ,etwa zwölf Jahren siedelte er hierher über, zog sich fast'ganz vom Geschäfte zurück und lebte nur für תלמוד תורה und מעשים טובים. Die Kinder der hiesigen Gemeinde unterrichtete er täglich im Hebräischen und verbat sich selbst die Aenßerung eines einfachen DankeS für seine Mühewaltung. Den Armen und Nothleidcnden war er stets ein freundlicher Berather und Wohlthätcr. Den Fremden stand sein HanS und sein Tisch immer frei. Wie er selbst unermüdlich im Wohlthuen war, so veranlaßte er Andere zur gleichen Tugendübnng. Seiner Todesstunde sah er in vollem Bewußtsein und erhabener Scelcngröße entgegen. Er theilte seiner Familie mehrere Stunden vor seinem Hinscheidcn mit, daß er noch an diesem Tage sterben würde und wiederholte die Anordnungen, welche er ihr bereits früher ancmpfohlen hatte. Von diesen Wünschen sei nur angeführt, daß er bestimmte, nur solche Personen dürften sich bei seiner טהרה und קבורה beteiligen, welche das Verbot des נל1ה בתער nicht übertreten. Er verbat sich jeden תפפד. Mit vernehmbarer Stimme sprach er wiederholt in den letzten zwei Stunden seines Hierseins den ersten Abschnitt des שמע und bemerkte ausdrücklich, daß er wegen des יום טוב die וימי nicht sage. Er hauchte seine גשמה הטהורה mit אהד aus. Unter großem Gefolge, welches die Mitglieder der jüdischen Gemeinde und viele christliche Mitbürger, sowie viele Auswärtige bildeten, ward er אפרו הג של פפה zu Grabe getragen. Er hinterläßt eine seiner Tugenden ebenbürtige Witttwe, mit welcher er in 46jähriger glücklicher Ehe gelebt, 8 Kinder und 24 Enkel. Wer, der ihn in seiner Sterbestunde geschaut, spräche nicht mit uns: תמות נפשי מות ישריפ ותהי אחריתי כמהו. Oesterreich-Ungarn. G־. Wien, 18. Mai. In den ״Freien Stimmen" wird eine Rede mitgetheilt, welche der Abgeordnete Dr. Steinwender kürzlich in Klagcnfurt gehalten hat und in der er sich über den Antisemitismus folgendermaßen aussprach: ״.Schwere Besorgnisse erzeugt das Hineintragen des Antisemitismus in den Deutschen Schulverein. Ich bitte, nlich wohl zu verstehen. Ich spreche mich aus vom Standpunkte dcö Antisemiten, der ich ja bin. Das Bestehen eines von uns in jeder Weise geschiedenen Volkes unter uns ist. ein Unding, das aufhören wird, und die Behauptung, der Antisemitismus sei ein roher Auswuchs des neunzehnten Jahrhunderts, ist nichts als eine Phrase. ES handelt sich hier nicht um große Unterschiede, sondern nur um die Art der Behandlung und um den Zeitpunkt; Diejcnigcn, welche diesen Augenblick für ungeeignet halten, deshalb für Judenfrennde zu erklären, geht etwas zu weit. Das Hineintragen des Antisemitismus ist weder für den Verein noch für die nationale Frage von Nutzen; aber es ist sehr begreiflich, daß man an diese Organisation den Prüfstein des PurrSliinS anlcgt. ES gäbe aber eine Menge anderer Gebiete von jüdischem Einflüsse zu befreien, wie die Presse" u. s. w. Die ״N. Fr. Pr." bemerkt hierzu: Wir sind begreiflicherweise nicht in der Lage, diese Rede zu authentifizieren; wenn aber Herr Di׳ Steinwendcr sich in dieser Weise geäußert hat, dann dürste es wohl kaum möglich sein, diese Auffassnng mit den Kundgebungen des Deutschen Klubs vor und bei dessen Gründung in Uebereinstimmung zu bringen. In der Parteivcrsammlnng vom 21. Juni v. I. wurde zum ersten Male die Gründung eines Deutschen Klubs in Vorschlag gebracht. Damals legte Di*. Steinwcnder ein Programm für den Deutschen Klub vor, und ein Punkt desselben lautete: ״Wir werden die Erweiterung der politischen Bolksrechte anstreben und der Verkümmerung derselben durch administrative Willkür entgegentreten." In derselben

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