Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 20 (20.5.1886)
- Article
- Die heilige Sprache und der moderne Zionismus
- Date
- 1886-05-20
- Page
- 311 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2933154-2933174-2965618--21961-2965677- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und so ist dieser Brief des Gottesmanncs, der besser denn einer gewußt hat, was der Menschennatur zuzumuthen sei, der beste Anwalt für die Möglichkeit des opserfähigsten Patriotismus bei dem noch so sehr an Zion Hangenden und nach Zion bangenden Israeliten. (Fortsetzung folgt.) Wandeltlngen. von Friedrich Rott. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) ״Nur des Genusses desjenigen Fleisches, das nicht nach ihren Nitualgesetzen geschlachtet und bereitet ist." Sie schüttelte verwundert den Kopf. ״Das müssen Sie mir einmal näher erklären. Doch jetzt, wenn's gefällig ist, gehen wir zu Mama." Sie hatte sich erhoben und wollte der Thür zuschreiten, der Sanitätsrath vertrat ihr den Weg. ״Liebes Kind, stören Sie die Mama nicht." ״Aber, Herr Sanitätsrath —״ sagte Bella betroffen. ״Erweisen Sie mir die Gefälligkeit, bleiben Sie noch ein Weilchen bei mir." ״Gern — mit Vergnügen — ich will nur einen Augenblick nach Mama sehen und bin sofort zurück." Sie wollte hinauseilen, der SanitätSrath ergriff ihre Hand und führte sie mit sanfter Gewalt zurück auf die Veranda. ״Verzeihen Sie, liebes Fräulein, ich kann es Ihnen nicht so ohne Weiteres gestatten." Bange Ahnung erfaßte das Herz des jungen Mädchens. ״Lassen.Sie mich." bat sie mit gepreßter Stimme. ״Mama könnte erwacht sein und nach nrir verlangen." Er schüttelte trübe den Kopf. ״Ihre Mama ist nicht erwacht." Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie ihn an. ״Um Gottes Willen, Herr SanitätSrath!" stammelte sie, ״was ist geschehen? — Um Gottes Willen! vcrschweigen Sie mir nichts!" Und er verschwieg ihr nichts. In sanften, schonungsvollen Worten theilte er ihr mit, was länger zu verschweigen, unmöglich. Bella's Schmerz war grenzenlos. Mit der ganzen ungezügelten Leidenschaftlichkeit ihres heißen TemperamentS überließ sie sich ihm. Zu viel, zu viel war mit einem Schlage über sie hereingebrochen, gestern von ihrem Verlobten verlassen, heute der zärtlichsten Mutter beraubt. — Ihr Schmerz grenzte an Verzweiflung. Doch an diesem ersten Tage machte der SanitatSrath keinen Versuch, ihr Trost zuzusprechen. ES war sein Grundsatz, der Schmerz müsse sich austoben und je heftiger, je wilder der erste Ausbruch desielben war, um so früher hoffte er, sie ruhig werden zu sehen. Mit wachsender Ungeduld sah er' jedoch der Antwort auf seine an Doktor Wiejenhein gerichtete Depesche entgegen. Doch der Tag verging und der folgende brach an und verging gleichfalls, und noch immer keine Antwort. Er befand sich in größter Verlegenheit, sein Beruf gestattete ihm nicht länger zu verweilen, und doch konnte er sich nicht entschließen, das verwaiste junge Mädchen schutzlos im fremden Lande zu lassen. Er richtete daher abermals eine Depesche nach L. Dieses Mal jedoch nicht an Wiesenhcin, sondern an einen seiner Bekannten, den er dringend ersuchte, dem Professor das Vorgefallene nochmals mitzutheilen und ihn zu veranlassen, schleunigst und auf telegraphischem Wege seine Verfügungen in Betreff seiner Mündel mitzutheilen. Dieses Mal ließ die Antwort nicht lange auf sich warten, noch vor Abend hatte er sie in Händen. Derjenige, an den er sich gewendet, theilte ihm mit, daß Professor Wiesenhein sammt Familie L.... schon vor mehreren Wochen verlassen, Niemand wisse, wohin sie sich gewandt. Die Einen vermutheten nach England, die Anderen sprachen von Amerika. Mehrfach mache sich die Ansicht geltend, daß er das Vermögen seiner Mündet mit sich genommen. Das war ein Schlag, wie ihn der Sanitätsrath nicht vorausgesehen. Was sollte er nun mit dem jungen Mädchen beginnen? Wenn das Gerücht wahr war, und er kannte den Professor, eS erschien ihm nur allzu wahrscheintich, so stand die bisherige Erbin von mehr als einer Million nun als mittellose Waise schutzlos allein in der Welt. Er hielt es jedoch für gerathen, sie unverweiit von der wahrscheinlichen Wendung ihrer Verhältnisse in Kenntniß zu setzen. Wie er voraus gesehen, machte diese Mittheilnng wenig Eindruck aus sie. TheilnahmloS zuckte sie die Achseln. Was kümmerte sie ihr Vermögen, wenn die Mutter ihr entrissen. Er ersuchte sie, ihm irgend eine verwandte oder bcfrcunbctc Familie zu nennen, zu der er sie geleiten könne, denn er selbst müsse unbedingt am folgenden Tag abrcisen. Sie wußte keine. So machte er ihr denn schließlich den Vorschlag, ihn heim zu begleiten und bis ans Weiteres seine Gastfreundschaft anznnehmen. Ohne Ueberlegung willigte sie ein. Er war ein Freund ihres Vaters gewesen und in dessen letztem Willen als ihr Vormund bezeichnet worden.' Wie bereits.erwähnt, hatte diese letztwillige Verfügung