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Jeschurun · 1886-05-20 · Heft 20 (20.5.1886) · p. 309

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 20 (20.5.1886)
Article
Die heilige Sprache und der moderne Zionismus
Date
1886-05-20
Page
309 (sequence 1)
Language
German
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309 Die heilige Sprache und der moderue Zionismus. Von Rabbiner Dr. Ja c obson in Schrimm. (Fortsetzung.) Versiegt?! —Ach, wärst bii: — aber zu tausend Malen hätten die Söhne unseres Volkes dein Herniederrinnen aus dem Himmelsäther spüren können in den seit jenem Ereigniß verlaufenen fünfundzwanzighundert Jahren. Tausend Mal hat die Sorge um seinen Leib Israel an seine Seele vergessen lassen. Es hieße nun aber die bewegenden Faktoren einer geschichtlichen Epoche verkennen, wollten wir in dem jähen, empfindlichen Wechsel von Freud zu Leid, von Glück zu Mißgeschick allein die Ursache für die Verwerthuug aller Verstandes- und Willenskräfte im Dienste der Bchaglichgestaltung der äußeren Lebensverhältnisse finden. Man bürdete damit einseitig die Schuld einem Theile auf, ohne zu berücksichtigen, was denn die andere Seite dazu beigetragen, daß ein großer Bruchtheil der Israeliten sein ganzes Streben darauf richtete,' die verlorenen Lebensgenüsse wieder zu erlangen. Die Israeliten waren nämlich in Babylon von vornherein, wie eS scheint, wenig beschränkt. Nebuchadnezar war einsichtiger und mehr staatsklug als zweitausend Jahre später der glaubcnseifrige Herrscher von Spanien. Er verkannte keineswegs den großen Nutzen, welchen der Staat ans der GeschästStüchtigkeit, der Betriebsemsigkeit und der Anpassungsfähigkeit der Israeliten ziehen könnte und gewährte ihnen darum einen möglichst weiten Spielraum für die freie Entwickelung ihrer Kräfte und Anlagen. Er gestattete ihnen, Häuser zu bauen, Gärten zu pflanzen, sich nach Belieben zu verheirathen und durch die Ausnutzung ihres geistigen Vermögens das Wohlergehen des Staates thatkrästig zu fördern. Wir können nicht wohl denken, daß es anders gewesen, wenn wir Jirmijahus Worte in seinem berühmten Briefe an die Exulanten nach Babylon brachten: ״So spricht Gott Zebaoth, Gott Israels, zu allen Vertriebenen, die ich von Jerusalem nach Babylon ausgewiesen habe. Bauet Häuser und wohnet darin, Pflanzet Gärten und genießet ihre Frucht. Nehmet euch Frauen und zeuget Söhne und Töchter und nehmet Frauen für eure Söhne und gebet eure Töchter Männern, daß auch sie wieder Söhne und Töchter gebären, und vermehret euch dort und vermindert euch nicht. Und sorget für das Wohl der Stadt, in welche ich euch getrieben habe und betet für sie zu Gottß denn wenn sie blüht, wird es euch wohl ergehen." — Ist hieraus nicht zu schließen, daß die Befolgung dieser Mahnung durch die relative Milde des babylonischen Herrschers ermöglicht gewesen, ja, daß sich die Exulanten durch diese Befolgung das besondere Wohlwollen ihres Herrn erringen konnten? Sonst wäre ja hier den Armen das Süße des NeichthumS geschildert, ohne daß ihnen die Mittel zu Gebote gestanden, Rcichthum zu erlangen. Es erscheint deshalb wohl unzweifelhaft, daß der Inhalt dieser Mahnung mit den Anforderungen, welche Nebuchadnezar und auch Ewil Mcrodach an die Exulanten stellten, übereinstimmte und durch den von diesen beiden Herrschern den Israeliten aus Staatsklughcit geleisteten Vorschub ohne besondere Schwierigfeiten zu verwirklichen war. Daß Nebuchadnezar bei der Verpflanzung der Israeliten in die Riesenstadt Babylon, deren Mauerumfang bei den alten Schriftstellern zwischen neun und zwölf geographischen Meilen schwankt, sogleich Handelsinteressen im Auge hatte und auö ihrer kaufmännischen Geschicklichkeit Nutzen zu ziehen gedachte, erhellt auch aus JccheSkcelS Prophezeiung im 17. Kapitel, wo er von dem großen, mächtig beschwingten Adler spricht, welcher kommen wird, um das Gezweige der Zedern des Libanon zu knicken, ״und er bricht die Spitzen seiner Ranken und bringt sie in ein Land der Kausleute, in die handeltreibende Stadt." Ich erblicke in den Bei- Wörtern für Babylon einen Ausdruck für die Beweg gründe, welche den großen Adler, Nebuchadnezar, veraulaßten, seine Beute gerade dorthin zu tragen. Weil Babylon ein Ort war, in welchem die Kausleute aus allen Weltgegenden zusammenströmten und wo darum gewandte Vermittler dem Handel sehr nützlich werden könnten, deshalb wurden die Israeliten mit dem Recht des freien Handels dort ansässig gemacht und in eine, auch den Babyloniern förderliche, unbeschränkte Konkurrenz hineingelassen. Der Handel machte sie dann reich und mit vielen fremden Sitten und Unsitten bekannt, und die uns verständliche Sucht, nicht nur an der Börse, sondern auch im Salon , für gleichberechtigt zu gelten, beschwichtigte die Skrupel, die vielleicht einer Nachahmung dieser Unsitte noch entgegenständen und erleichterte das allmähliche Aufgehen des Israeliten in den Babylonier. So finden wir neben der Nückcrinnerung an verflosscne LebenSannchmlichkeit, welche die Sehnsucht nach ihrer Wiederherstellung immer rege erhält, besonders die Freiheit im Galuth als große Gefahr für die Ausnutzung des Galuth zum Zwecke der ♦ארכו, der Heilung der kranken Seele; — und auch dieses Muster ist leider bis auf den heutigen Tag modern geblieben. Muß es aber so sein, ist denn wirklich ein erträglicher Zustand im Galuth unvereinbar mit der richtigen Auffassung des Galuth, können bei den Anforderungen, die Leben, Gesellschaft und Staat an uns

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