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Jeschurun · 1886-05-06 · Heft 18 (6.5.1886) · p. 282

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 18 (6.5.1886)
Article
Aus dem Treiben der "Mission"
Date
1886-05-06
Page
282 (sequence 2)
Language
German
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282 Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. <x Stettin, 29. April. Welche reichen Erfolge der Wille und Eifer eines edlen Mannes, der unablässig die Sorge um die uothleidenden Menschen im Herzen trägt, zu Stande bringen kann, das können wir an dem schönen Werke sehen, welches dieser Tage hier zum vorläufigen Abschluß gelangte, und daß als Sporn zur Nacheiferung der Oefsentlichkeit zur Kcnntniß cp bracht werden soll. Der Mann um welchen cS sich hier handelt — kaum ist eS nothwcndig seinen Namen zu nennen, denn jeder weiß, an wen er zu denken habe, wenn von Humanität und Edelsinn in Stettin die die Rede ist — ist Herr Hermann Lehmann, und die jüngste Frucht am weitverzweigten Baume seiner Wohlthätigkeit ist der ״Israelitische Feuerungsverein," welcher verwichencn Freitag seine konslituirende Versammlung abgehalteu hat. Herr Lehmauu, der die Idee dieses Vereins gefaßt und sie unter den mißlichsten Verhältnissen ganz allein auSgesührt hat, legte der Versammlung einen Bogen von nahezu 230 durch ihn angewordenen Mitgliedern vor. Heute zählt der Verein bereits 260 Mitglieder, es ist jedoch außer Zweifel, daß er alsbald die Zahl von 400, welche dem Begründer als das zu einer vollkommen ausreichenden Thätigkeit nothwendige Ziel vorschwebt, erreichen wird. Bei einem Jahresbeitrag von 4 Mark wird dann der Verein jährlich über eine Summe von 1600 Mark verfügen. Wie schon aus dem Titel erhellt, ist der Zweck des Vereins, im Winter Heizmaterial an arme Israeliten zu vertheilen und zwar, was von schwerer Bedeutung ist, vorzugsweise an verschämte Arme. Denn die Benntleidenswerthen, die sich schon an ihr Loos gewöhnt haben und jedes Mittet nützen, um dasselbe zu mildern, sind bekanntlich bei weitem nicht so der Hülfe bedürftig, als jene, die lieber darben und frieren, als daß sie ihre Noth entdecken oder gar Jemand um Hülfe augehen. Deshalb ist ein solcher Verein von großem Segen, und sein׳ Begründer darf ihn zu den glänzendsten seiner humanen Thateu rechnen. Von Begründer und Verein können wir freudig ausrnsen:!כמותם ירבו בישראל Oesterreich-Ungarn. ־0־ Brürrn, 2. Mai. Vorgestern tagte die Versammlung der hiesigen Abtheilung des deutschen Schul- Vereins und bcricth über die antisemitische Strömung, in welche der Verein zu gerathen drohte, wenn nicht ein mannhaftes ״Zurück!" diesen frechen Eindringling von der Schwelle scheuchen würde. Dieses ״Zurück!" wurde denn auch in kräftigster Weise von der Versammlung ausgesprochen, welche die Antisemiten als die größten Feinde des DeutschthumS erklärte. 0. Krakau. Das in Sachen der Ritter'schen Eheteilte vom Obersten Gerichtshöfe ergangene freisprechende Erkenntnißenthältu.A.folgendeEntscheidungsbegründung: Auf Grund der in nichtöffentlicher Sitzung ans Anlaß der Nichtigkeitsbeschwerden der Eheleute Ritter stattgefundenen Berathung und auf Grund der auf Antrag des Gencral-ProkuratorS im Sinne des §. 362 St.-P.-O. vorgenommenen Revision der Akten wird mit Zustimmung des General-Prokurators das Urthcil des Krakauer Strafgerichtes vom 29. September 1885 aufgehoben und entschieden: MoseS und Gittcl Ritter werden von der Anklage freigejprochen, Gründe: Bezüglich der von den Eheleuten Ritter erhobenen Nichtigkeitsbeschwerde mußte man sich vor Allem darüber klar werden, ob durch die Ergebnisse der letzten Schlnßvcrhandlung jene Zweifel, welche der Oberste Gerichtshof in seiner früheren Entscheidnng hcrvorhob und welche eben gegen die Wahr- Hastigkeit der Thatsachen, die als bewiesen angenommen wurden, sowie auch gegen den objektiven Thatbcstand sprechen, beseitigt worden. Nach einer nochmaligen Prüfung des ganzen Vcweismateria! gewann der Oberste Gerichtshof die Ucberzeugung, daß diese Zweifel gar nicht beseitigt wurden, und das die dritte Hauplverhandlung die ganze Sache nicht klargcstcllt hat. Obwohl die neue Anklageschrift behauptet, daß durch die Vernehmung des Sachverständigen Di׳. Biliuski die zwischen seinen (Bilinski's) Beobachtungen und denen des Chirurgen Mcjdl früher obwaltenden Differenzen bezüglich des Zustandes des obduzirten Leichnams der Mnich aufgeklärt wurden, so kann nian doch nicht diese Behauptung als gerechtfertigt betrachten, da Di׳. Biliuski sowohl in der Untersuchung als auch bei der Hauptverhandlung die Behauptungen des Mejdl bezüglich dcS Zustandes der Blutgefäße an: Halse der Mnich nicht bestätigte. So hat sich mm bezüglich des objektiven Thalbestandes die Sachlage durch das in Folge der letzten Erhebungen gesammelte Beivcismatcrial gar nicht geändert. Dasselbe muß auch bezüglich der Schuldfrage bemerkt werden. Die neu vorgeführtcn Zeugen Telesz und Radowski haben in nichts zur Aufklärung der Sache beigctragen. Der erste dieser Zeugen (TcleSz), der nach einem in Lutcza zirkaiircnden Gerüchte zur Zeit des Verschwindens der Franziska Mnich irgend ein Stöhnen gehört haben soll, hat ausgesagt, daß er zwar zu einer Zeit, die er nicht bestimmt angeben kann, in der Nähe des Kellers der Ritter eine Stimme vernommen habe, daß aber diese Stimme nicht einem Nothschrei oder einem menschlichen Stöhnen, sondern vielmehr dem Gequitsche einer Ratte ähnlich war, daß er nur dieses den Leuten mitthcilte, welche aber dann das Gerücht verbreiteten, er (Telesz) habe eine menschliche Stimme, ein Stöhnen gehört.

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