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Jeschurun · 1886-05-06 · Heft 18 (6.5.1886) · p. 281

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 18 (6.5.1886)
Article
Aus dem Treiben der "Mission"
Date
1886-05-06
Page
281 (sequence 1)
Language
German
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JK18. 281 Jeschnrm». h. Ans -cm Tkkibtil der ״MsßlNt". VI. Der ״Sekretär" E. A. Finn erläßt in den Londoner Missionskrcisen den folgenden Aufruf: ״Zum ersten Male in der Geschichte berührt die trostlose Lage des jüdischen Volkes den Zustand dieses Landes. Der auf die Juden in Rußland lastende Druck hat Viele von dort hierher getrieben. Ihre Zahl ist vermehrt worden durch die einschneidenden Beschränkungen der crwcrblichcn Thätigkeil der Inden in Rumänien, und durch die Tausende. welche aus dem östlichen Deutschland vertrieben worden sind. Diese Maßregelungen haben während des Winters ihren Verlauf genommen, trotz der Strenge von Schnee und Eis und Sturm. Tausend Personen erhielten den Befehl, Breslau zu verlassen, viele Tauseude sind aus anderen Städten auSgewiesen worden — Handwerker, Juristen, Acrzte. Kauflcute und Laudwirthe. In solcher Weise sind Familien ruiuirt, Häuslichkeiten zerstört, ist Habe uns Gut vernichtet worden, und diese Flüchte linge haben dazu bcigctragen, die Menge der Darbendcn im Ost-Ende Londons und in anderen Städten anschwellcn zu lassen. Die reichen Juden haben in den letzten sechs Jahren sehr viel für ihre leidenden Brüder gethan, im letzten Jahre gewährten sie in 10 000 Fällen Hülfe — meist fremden Flüchtlingen. Jene Juden, welche die ansässige Bevölkerung — vierzig- bis sechzigtausend — Londons bilden, sind im Allgemeinen auch sehr arm. Aber die große Schaar der Flüchtlinge muß ihnen zugezählt werden, und so ist der Arbeitsmarkt überfüllt vou hungernden Männern und Frauen, welche für fast Nichts Arbeit suchen. Was soll daraus werden? Wir hören schon die Aenßcrnngen der Unzufriedenheit und des Uebelwollcns vou unseren eigenen Armen gegen die ״Fremden", welche billiger arbeiten und ״den britischen Arbeitern das Brod ans dem Munde nehmen." Wohin sollen diese willigen jüdischen Arbeiter sich wenden? Fremde Länder, einschließlich Amerikas, wollen keine arme, wenngleich arbcitssame, Einwanderer aufnehmen, wenn sic von Allem außer ihrer Betriebsamkeit entblößt sind. Was sott denn nun aus den jüdischen Flüchtlingen werden?׳ Die Frage ist eine sehr dringende. Die Juden selbst blicken in der gegenwärtigen Krisis ihrer Geschichte auf ihr eigenes Land, sie sühlen, daß thatsächlich kein anderes ihnen offen steht. Einzelne, denen es auf die eine oder andere Weise gelungen ist, nach Palästina zu kommen, haben aus Eigenem sieben kleine Kolonien gegründet, welche ungefähr 1300 Perfernen enthalten; sie haben große Beschwerden durchzumachen gehabt und eine erstannenswerthe Ausdauer an den Tag gelegt, jetzt beginnt eS ihnen besser zu gehen. — Wir haben einige Wenige in der Nähe von Jerusalem angcsiedelt; größere Strecken Landes, wo sie auf einmal würden besetzt werden, sind uns angeboren. .Jede kleine Niederlassung vou fleißigen Juden in Palästina wird rasch zu einem Mittelpunkte, dem sich Andere anschlicßcn, und sie helfen sich gegenseitig. Wir haben uns zurückgehalten, für sie während des andauernd strengen Winters zu ptaidiren, aber jetzt bitten wir um die Mittel, um diesen armen Brüdern in ihrer Zeit tiefster Notli helfen zu können." Das wäre ja Alles recht schön, wenn nicht Herr Finn Sekretär des ShafteSbury Memorial Fund, einer Abtheilung der Society for Relief of Pcrsecuted JewS wäre. Und das sagt genug. # AuS einer Rede des Di׳. Chaplin, zuletzt in Jerusalem, auf der am 14. und 15. April in London abgchaltcnen allgemeinen Missionskonferen; (Evangeiisation of the World) ist der SchlußpassnS. recht dezeichnend. Di׳. Chaplin sprach über die ärztlichen Missionen in Jerusalem, Jaffa und Safct und schloß seinen Spruch mit den charakteristischen Worten: ״In all diesen Zweigen der Thätigkeit wird reichliche Gelegenheit zur Zirkulation der Missionsschriftcn geboten, so daß es kaum einen armen Juden im ganzen Lande geben dürfte, der nicht schon irgend einen T h c i l des Gottes- Wortes(??) erhalten hätte/' Die gesperrt gedruckten Worte sind die attc.rschönste Verurtheilung dieses gewissenlosen Treibens. * In Schottland ist im vorigen Jahre die-;. Seottish Home Mission to Jews mit dem Sitze in Ed in bürg gegründet worden. In Edinburg, GlaSgow und Dundee wohnen zirka achthundert jüdische Familien, für deren Seelenheil die Gesellschaft ebenso besorgt ist, wie für das der jüdischen Auswanderer, die sich in den schottischen Häfen cinschiffen. Der getaufte Reverend Eliescr Bassin ist daS ״überzeugungstreue" Werkzeug dieser Seelcnfängcr. Im Sommerhalbjahr 1880 liest Professor Delitzsch in Leipzig im Justitntum Judaicum: Hebräische Dokumente der südrussischen Chrislcnbewegung. (Von dem famosen jüdisch-protestantisch-griechischkatholischen Kischinewer Rabbinowitsch.)

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