Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 18 (6.5.1886)
- Article
- Die heilige Sprache und der moderne Zionismus
- Date
- 1886-05-06
- Page
- 278 (sequence 3)
- Language
- German
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278 triebenen fürchteten, und die begriffen, daß, wenn alles Sinnen und Trachten darauf gerichtet ist, dem Körper die altgewohnten Bedürfnisse zu befriedigen, die Läuterung der Seele vernachlässigt, die Heilung des Herzens vergessen, der Zweck des Galuth, die ארכה, außer Augen gelassen werden wird. Und wenn die Engel darum weinten, so wird ihre Thräne auf das Haupt von mehr denn Einem als feuriger Tropfen heruicdcrgetränfclt sein-, denn mehr als Einer spürte das Galuth nur in der Entbehrung der irdischen Behaglichkeit und suchte sich diese zu verschaffen mit Preisgabe seiner jüdischen Eigenthümlichkcit, mit Opferung der hebräischen Sitte, mit Opferung der hebräischen, der heiligen Sprache. O, du heilige EngelSthräne, bist du seitdem versiegt?! —- (Fortsetzung folgt.) g. Eine Emmernng an Kaiser Joseph. Den Aufzeichnungen meines Urgroßvaters cutnehme ich das folgende interessante Blatt in wortgetreuer Uebersctzung: Wir haben fortwährend Gelegenheit, die Bewahr- Heilung der trostreichen göttlichen Verheißung: ״Und gleichwohl — selbst so sie im Lande ihrer Feinde sind, habe ich sie damit nicht verachtet und nicht verworfen sie zu vernichten, meinen Bund mit ihnen auszuheben — denn id) Gott bleibe ihr Gott" (LeviticuS 26,44) zu erfahren. So auch bei dem wunderbaren Ercigniß, welches Er, der ' Hochgepriesene, in seiner Barm- Herzigkeit und in der Fülle seiner Liebe an uns vollzogen, — daß nämlich der Kaiser seinen Erlaß ausgehoben hat. Da nämlich im vergangenen Monat- Februar der allerhöchste Beseht an alle hohen Kanzleien dahin gegangen war. daß diese an alle Provinzen Ungarns, einer jeglichen in der dort üblichen Sprache, schreiben. sollen, daß die in der betreffenden Provinz wohnhaften Juden sich den - Bart abscheeren müssen, so zwar, daß bis zum kommenden Monat May nirgend gesehen noch angetroffen werden kann irgend ein Bart bei den Juden. Dieser Befehl ist allen Komitatcn dieses Landes zugcsandt worden. Und darob jubelte man und freute sich aus den angesetzten Termin, da man einen nichtjüdischen Bartscheerer in jegliche Stadt und jegliches Dorf, wo nur immer Juden wohnen, entsenden werde können, um sic mit Gewalt zu scheeren. Da wir aber am Tage vor den Schlußfeicrtagen des PeßachfestcS vernahmen, daß der Kaiser am letzten Tage des Festes nach Italien abzureisen gedächte für eine längere Zeit, und da ich damals der Präses der Gttneinde war, so beriefen wir eine Versammlung der Mitglieder der Gemeinde, welche beriethen und dahin schlüssig wurden, daß cS eine dringende Noth- Wendigkeit wäre, daß ich mit noch drei anderen der Angesehensten der Stadt zn dem Kaiser reise, um dessen Erbarmen anzuslehcn, diesen Befehl aufzuheben. Und so thaten wir demgemäß. Um Mittag fuhren wir mit der -Extrapost ab und langten auch in Wien kurz vor dem Festtage an. In der Nacht waren wir bei dem Agenten beschäftigt, eine Bitt- und Denkschrift an des Kaisers Majestät verfassen zn!affen. Am siebten Tage des PeßachfestcS, dem Tage, der für Wunder bestimmt ist, begaben wir uns um die achte Stunde Morgens, die Bittschrift in der Hand, zum Kaiser, in Weinen und Flehen. Da erfüllte er sich mit Gnade gegen uns und sprach also zn uns: Ich habe es euch zn Ehren gemeint, gleich wie ich die gelben Aermcl in Prag abgeschafft habe." Am Schlüsse sprach er: ״Mir gilt eS gleich, wer den Bart tragen will, der soll ihn tragen, wer ihn oblegen will, der soll ihn ablegeu." So verließen wir ihn denn in Freude. Da aber die Zeit vor seiner Abreise von Wien drängte, um noch ein Dekret hierüber auSzufcrtigen, so begaben wir unS zn den erlauchten Herren Kanzler und Vizekanzler mit der diesbezüglichen Bitte. Und also wurde noch an dcmsclbigen Tage die Kontreordre anSgcfertigt und von ihm unterschrieben. Ich danke Gott, daß er mir vergönnt hat, zn diesem guten Werke beizntragen. — Und dieses geschal) im Jahre 5543 d. i. 1783. Zum Guten möge mein ״Name gedacht werden. Wolf Tcbin. Maudtliingen. von Friedrich N o t t. (Nachdruck verboten) (Fortsetzung.) ׳ ״Nein, nein, der ist nicht mein lieber Papa, — ich will zu Papa Werner — Du hast mir doch versprachen, ich würde heute in Papa Werner's HanS schlafen — bring' mich hin! ich will zu Papa Werner!" — und das Kind, das um diese Zeit schon zu schlafen pflegte, brach in lautes Weinen aus, Tirza trug ihn rasch hinaus, ihn zur Ruhe zn bringen. In heftigster Erregung durchmaß Müller das Zimmer. An seinem hastigen unregelmäßigen Schritten erkannte das scharfe Ohr der Blinden seine Aufregung. ״Du darfst dem Kinde nicht zürnen," sagte sie sanft. ״Du bist ihm fremd, und Doktor Werner ist ein so freundlicher, lieber Mann —" ״Das muß wohl sein," entgegncte Müller bitter, ״hat er mich doch ans den Herzen aller meiner An-