Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 18 (6.5.1886)
- Article
- Der neueste Erlaß des ungarischen Kultusministeriums in Betreff des Schreibens und Zeichnens an Sabbath [Nachricht]
- Date
- 1886-05-06
- Page
- 273 (sequence 1)
- Language
- German
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Hannover, den Vif«' 1186. M 18. XVX /SA/sA׳ jüdischen Geistes und in Haus, Gemeinde und Schule. Aegrüiläet von Smnsvli Raphael Hirsch, Äli^'inkr li. SsracriiiftTirn ürfioionsgefflfftfiaft 311 fonlfurl 0. Ä. Nene Folge. —— Vierter Jahrgang. Herausgegeben unter Mitwirkung des Begründers und bewährter Genossen von Isaac Kirsch. Diese Wochenschrift erscheint jeden Donnerstag mindestens 2 Bogen stark. — Abonnementspreis bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 2J6. 50 für das Vierteljahr. Der Buchhandel verkehrt durch die Helwing'sche Verlagsbuchhandlnng zn Hannover. — Die Expedition versendet auch direct und franko unter Streifband den Jahrgang für 12 J& oder 7 Gulden österr. Währ, nach Deutschland und Oesterreich׳, für 11 JC oder 18 Fr. nach den Ländern des Weltpostvereins. — Anzeigen werden mit 25^ f.d. :!gespaltene Petitzeile oder deren Nanin berechnet. — Expedition: Hannover, Artilleriestr. 29. Inhalts-Verzcichnifr von Nr. 1$. Der neueste Erlaß des ungarischen Kultusministeriums in Betreff des Schreibens und Zeichnens am Sabbath. — Die heilige Sprache und der moderne Zionismus (Fortsetzung). — Eine Erinnerung an Kaiser Joseph. — Waudelnngen (Fortsetznng). — Aus dem Treiben der ״Mission" (VI). — Korrcspondenzcn und Nachrichten: Stettin, Brünn, Krakau, Arad, Aus Südungarn, Aus Ungarn. Rotterdam, Paris (צ), ^movat Smyrna, Rußland, Odessa, Sebastopol, Aegypten. — Erkannte Irrungen (Fortsetzung). — Inserate. Der neueste Erlaß des ungarischen Knltnsministerinins in Betreff des Schreibens und Zeichnens am Sabbath. Die Erfahrung zeigt überall die weite Kluft zwischen Ideal und Wirklichkeit, zwischen Theorie und Praxis. Die Kraft des Menschen reicht eben nicht auS für die Gestaltung der thatsächlichen Verhältnisse nach dem Bilde, das seinem geistigen. Auge vorschwebt; selbst nach einem langen rastlosen Streben wird er am Ende seines Schaffens dasselbe noch in weiter Ferne und Höhe erblicken. Das Bewußtsein jedoch, der Spur stets gefolgt zu sein, welche zu dem Ideale hinführt, wird ihn erheben und ihm Besriedigung gewähren, wenn seine Arbeitszeit abgelaufen und er dem Nachfolger ein unvollendetes Werk zur Weiterführung hinterlassen muß. Es ist aber leider auch keine seltene Erscheinung, daß die als wahr und gerecht erkannten Prinzipien, welche die Grundlage der zu schaffenden Institutionen bilden sollten, gerade von denen verleugnet werden, die zu deren Vertretern vor Allem berufen wären. Wir gewahren mit Schrecken solches oft an hoher und maßgebender Stelle. Wagt man dort für die Wahrheit und Gerechtigkeit einer Angelegenheit das Wort zu nehmen, so begegnet man nur zu häufig einem überlcgenen Lächeln, und man dämpft unseren Eifer für die Wahrheit und Gerechtigkeit durch die kühle Ab- Weisung: im Prinzipe hast du ja Recht, Freund, aber mit schwärmerischen Idealen kann Man die Welt nicht regieren; nur der praktischen Klugheit und Zweck- Mäßigkeit gebührt Berücksichtigung und Einfluß auf die thatsächlichen Verhältnisse. So erinnern wir uns des bedeutsamen Ausspruchs eines vielerfahrenen und vielverinögenden Mannes, welcher einer langen AuScinandersctznNg mit wohlwollender Aufmerksamkeit gefolgt war: ״Sie sind auf durchaus falscher Fährte, wenn Sie den Standpunkt der Gerechtigkeit einer VerwaltnngSbehörde gegenüber betonen wollen. Das mögen Sie vor Gericht thun. Wir lassen uns an erster Stelle nur von praktischen Rücksichten leiten."