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Jeschurun · 1886-04-29 · Heft 16-17 (29.4.1886) · p. 251

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 16-17 (29.4.1886)
Article
Die heilige Sprache und der moderne Zionismus
Date
1886-04-29
Page
251 (sequence 3)
Language
German
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251 über ihre ungestümen Triebe, und, wenn Sklaven auch dichten und träumen können, so träumten und dichteten sie vielleicht von einer schönen, sonnigen Zuknnft und dies Alles in jener Sprache, in welcher einst Joseph den auflauschenden Brüdern beim Klang der Hcerdenglockcn in Kanaans Triften seine ZukunstSträume vorgctragen, in jenem heiligen Idiom, das Abraham die göttliche Prophezeiung von seiner Enkel Leid und Freud, von ihrer Sklaverei und Freiheit zu Gehör gebracht hatte. So fühlten sie wohl die Ruthenhiebe auf ihrem Rücken und seufzten unter dem harten Joch, aber waren doch gegen Verzweiflung geschützt und hielten sich von jeder Konspiration gegen ihre ungerechten Machthaber fern, dachten nicht daran, selbständig ihr Geschick zu ändern, Gewalt gegen Gewalt zu setzen und auf eigene Faust den Auszug aus Mizrajim zu erzwingen, sondern waren nur bestrebt,' in ihrer an geerbten Tugend sich zu erhalten, um, wenn dereinst die Stunde der Freiheit schlagen und ihre Fessel brechen sollte, für diesen großen Augenblick bereit zu sein, mit reinem Herzen und mit freiem Geiste, gerüstet für die Anforderungen, die der Geist der Geschichte an ein Volk stellt, dessen Kerker geöffnet ist, dessen Bande gefallen sind und das mit dem Recht der Selbstbestimmung eintritt in die Reihe der selbständigen Nationen. So trugen sie ihr Galuth, wie cs sich geziemte*) וע״ד סבלו גלותא כדקא יאות traucvtcn und seufzten, aber murrten nicht, hofften und bangten, aber suchten ihre Hoffnungen nicht eigenmächtig zu verwirklichen, bewahrten der Vergangenheit Liebe und Gedächtnis;, und woben von ihr durch die schinerzreiche Gegenwart hindurch ein Band zur schmcrzbcfreitcn Zukunft, zusammengeknüpft aus den Lauten der heiligen Vätcrsprache, die zu sprechen sie nicht nur ihren Mund, sondern, was wichtiger war, ihre ganze Lebensäußerung gewöhnten. So sollte Israel auch später jedes Galuth tragen. Ob cS immer so gewesen, ob cS heute so ist?! (Fortsetzung folgt.) a Aus der AlHttdmm Gmeiudc 1795—1812. (Fortsetzung.) August 1807. Kürzlich haben sich in Frankreich einige deutsche und portugiesische Juden zu einer Ver¬ *) Sohar שמות Anfang. Die Erklärung der in ihrem Zusammenhang schmierigen Sohar-Stelle werde ich an anderem Orte versuchen. sammlung, Synhcdrin genannt, vereinigt, zur Behändlung jüdischer Angelegenheiten, mit einem Konsistorium und Patriarchen. Der Kaiser von Frankreich hat durch seinen KricgSminister einige Fragen an sie richten lassen. Sie haben inzwischen bereits Versammlungen abgehalten und einen Präsidenten ernannt. Sie haben an alle Gemeinden in Frankreich, Deutschland und Italien geschrieben uud ersucht, tüchtige Männer nach Paris zu senden. Es sind dann auch viele gelehrte Rabbiner und andere gelehrte Private aus Frankreich, Italien, selbst aus Deutschland und Frankfurt nach Paris, um zu sehen, was eigentlich geschehen soll. Auch unsere Parnassim, sowie die der portugiesischen Gemeinde und die Gemeinden in Rotterdam und im Haag haben Einladungen erhalten, in gleicher Weise auch die so-- genannte Neue Gemeinde. Unsere Parnassim haben die Sache mit den Parnassim der portugiesischen Gemeinde und mit denen von Rotterdam und Haag reiflich überlegt, und eS wurde beschlossen, keine Deputirtc zu entsenden. Da die sogenannte Neue Gemeinde indessen das Gegeutheil beschlossen hatte, so haben unsere Parnassim ihre Antwort sammt Erläilternug dem Könige mitgetheilt. mit dem Hinweise, was daraus entstehen könne. Der König faßte den Entschluß, daß die Minorität sich der Majorität zu unterwerfen habe. Trotzdem wußte die Minderheit, d. i. die sogenannte Neue Gemeinde, cS beim Könige durchzusetzen, daß sie doch Abgesandte delcgirten. ES waren dies C. Asser (קלמן בן משה שוחט), H. H. de Lcmon (הירץ בן הירש וויגר) und I. Litwak (יהודא ליטוואק). Sie sind jedoch unverrichteter Sache wieder zurückgckchrt, und das ganze Synhedrin ist vorläufig auseinander gegangen, ohne etwas auSgearbeitct zu haben. ES hat nichts Anderes erhalten als ein Konsistorium durch ein Dekret des Kaisers. Am 15. April ist unsere Kommission (der Armen- Verwaltung?) zum Bürgermcistrr entboten worden. Als sie zu ihm kam, übergab er ihr im Namen des Königs 5000 st., welche er vom Minister des Innern empfangen hatte. Die anderen Konfessionen hatten im Verhältniß ihrer Scelenzahl ähnliche Beträge erhalten, um sie vor Ankunft dcö Königs in Amsterdam an die Armen zu vcrthcilen. Am folgenden Tage 10 ,שבת הה"מ. April, wurde auf Anordnung der Parnassim in allen Synagogen dem Könige öffentlich gedankt. Die portugiesische Gemeinde empfing 1000 fl., die sogenannte Nene Gemeinde 125 fl. Sonntag, am zweiten Tage חד\מ, ließen Parnassim in allen Synagogen publiziren, daß sie an diesem Tage mit der Vertheilung des vom Könige erhaltenen Betrages in der Weise beginnen würden, daß die Armen, welche die reguläre AuStheilung der Gemeinde genießen, an diesem Tage erscheinen sollten, alle anderen Bedürftigen sollten jedoch

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