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Jeschurun · 1886-04-15 · Heft 15-16 (15.4.1886) · p. 235

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 15-16 (15.4.1886)
Article
Die rumänischen Juden und die Fallissements
Date
1886-04-15
Page
235 (sequence 3)
Language
German
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235 mäßige Nothwchr darstettcn. Das sott und wird aber nicht gelingen. Verleumdet und schimpft nur immerhin, häuft nur Spott und Lüge über die unglücklichen Opfer Eurer fanatischen Wuth; cs wird Euch doch nicht gelingcn, Euch weiß zu waschen, Ihr seid gerichtet und vcrurthcilt vor dem Nichterstuhl der Geschichte. >,I!m Znefe eir!cs Dischm Getaystkn." Beleuchtet von L. A. Rosenthal, Rabbiner zu Köthen. Als mir die ״Zwei Briefe eines jüdischen Getauften. Leipzig, Dörfsling & Franke" zngcsandt wurden, wollte ich im ersten Augenblick den Streifband dem. Briefträger wieder einhändigen. Bald aber überwand ich doch den Widerwillen gegen die Fahnenflucht. Wenn ich die Schrift zurücksandte, machte ich mich vielleicht der Feigheit schuldig. Ein Buch lodtschwcigcn, heißt einen Gedanken morden; cs widerlegen, heißt selbst das Irrige zur Anbahnung neuer Anschauungen benutzen. Welche Enttäuschung, als ich, noch immer auf den eigentlichen Inhalt rechnend, mich bereits bei den ״Nachbcmerkunacn" befand, als ich mich nun fragen mußte, was eine solche Darlegung bezwecken sollte? Ich verwahre mich deshalb von vornherein dagegen, als wollte ich durch diese Beleuchtung das Heftchen in seinen etwaigen schlimmen Wirkungen hemmen. Denn auch der salbungsvolle Ton, der darin herrscht und der heute selbst von gläubigen Kreisen gern gemieden wird, raubt dem Ganzen jeden guten oder schlechten Einfluß. Es scheint vielmehr dazu bestimmt, die leitenden Kreise der Pleißcstadt von der innigen Gläubigkeit des neuen Christen zu überzeugen. Wer einen solchen Schritt vor der Oesfentlichkcit. entschuldigt, klagt sich, nach dem bckannten Sprichworte, öffentlich an. So milde in Folge verwirrter Anschauungen auch in letzter Zeit über Gesinnungswechscl genrthcilt wird, — cs ist das ein bedeutliches Zeichen der Zeit, — so geringe Hoffnung auf -Anerkennung der bei seiner Ansicht Beharrende hegen kann, da man ihm gewöhnlich von Seiten d.er Gegner Trotz vorwirft: In den Kreisen, auf welche der Verfasser wirken will, wird die Ehre des Ucderläufcrs doch nicht so schnell als wieder hcrgestcllt betrachtet, daß einige Blättchen genügten, ihm gar noch Nachfolger zu werben. Nicht nur, daß man sich daran gewöhnt hat, sehr weltlichc Beweggründe derartigen Schritten unterzuschieben, wirft auch ein Einblick in die besonderen Verhältnisse der Betreffenden in vielen derartigen Fällen wirklich sonderbare Schlaglichter auf den Ucbcrtritt: und derartige schriftstellerische Aeußeruugcn stehen dann, selbst wenn sic, was hier nicht der Fall, geschickt angelegt und ebenso ausgcführt sind,. in grellem Gegensätze zu den Thatsachcn. Wir nlußtcn uns demnach wohl ent-- schuldigen, daß wir mit einer Beleuchtung ähnlicher Hervorbringungcn überhaupt vor die Oesfentlichkcit treten. Wir beschäftigen uns damit, um zu dem bekannten aristotelischen primus gradus sapientiae zu gelangen; zu diesem Zwecke bestritt der Stagiritc gern entgegenstehende Ansichten, je sonderbarer, desto lieber. Nun kann cS uns —, das wußte der weitsichtige Verfasser wohl, — nie und nimmer bcifallen, eine Lanze gegen das Ehristcnthmn zu brechen. Das Indcnthnm verbietet uns, gegen den gläubigen Standpunkt Anderer aufzutreten. DaS soll aber unsere Waffen nicht abstumpfen, und er hätte trotz dieses Umstandes die Ungründlichkeit seiner Schrift etwas vorsichtiger verhüllen müssen. Ist es nun doch die Hauptsache, nachzuweisen, daß seine .Heilsbedürftigkeit, wenn cs ihm damit Ernst war. auf dem Boden seines angestammten Glaubens völlige Befriedigung finden konnte. Er wähnte also, deshalb einer andern Glaubensgenossenschaft bcitrcten zu müssen, um dort die Sehnsucht uach Versöhnung mit Gott und die Mittel zu ihrer Erlangung als etwas, was er im Judcnthume vermißt, zu entdecket!? Und wenn wir ihn beim Worte nehmen? Lese er nur unser Dankgcbct in der Tephilla. wo die Unzulänglichkeit unseres Strcbeus der Unendlichkeit der göttlichen Gnade gegenüber ausgesprochen wird. Lese er im NischmaSgcbcte, in! Nachktange der Davidischeu Loblieder, wie Israel in! Streben aller Geschöpfe einen einzigen Dankgesang vernimmt — ״und wäre unser Mund voll der Lieder, wie das Meer, und unsere Znnge der Nuhmcsgesängc, wie das Wogen seiner Wellen, und unsere Lippen der Lobpreisungen, wie die Weite des Himmels, und wäre!! unsere Hände Adlerfittige, und unsere Füße schnell, wie die der (Gazellen, und leuchteten unsere Augen, wie Sonne und Mond: Nicht wären wir in! Stande, Gott nur für eine der unzähligen, uns und den Vätern erwiesenen Wohlthaten zu danken. Aus Egypten hast du uns erlöst, in Hnngersnoth und guter Zeit uns erhalten, von! Schwerte uns befreit, von Pest und langwierigen Krankheiten uns gerettet, und auch weiterhin fehlt uns Deine Gnade nicht." Tritt nicht derselbe Gedanke von der Größe nuferer Dankesschuld und unserer Unfähigkeit, sie zu tilgen, bei Rabbi Akiba im dritten Abschnitte von Abot hervor, wo ihm die Welt ats. ein großes Kaufhaus erscheint, aus welchem ein Jeglicher nur auf Borg nimmt? Der Auszug aus Egypten wird nicht deshalb iunner erwähnt, ״um Israel allein die Vundesgeiueiuschaft zuzusprechen", sondern die Befolguug der Thora als eine Dankes- Pflicht Hinzustetten. Darum sind wir seine Diener, die, nach AntigonoS, nicht um Lohn arbeiten sollen.' Das Schema, bie Tephillin, die Sabbathe, die Fest-

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